Kritik

Aretha Franklin Amazing Grace DVD

„Aretha Franklin: Amazing Grace“ // Deutschland-Start: 28. November 2019 (Kino) // 3. April 2020 (DVD)

Als US-Sängerin Aretha Franklin im Jahre 1972 ihr Album Amazing Grace aufnahm, befand sie sich auf dem Höhepunkt ihrer bis dahin schon langen Karriere. Mit Songs wie Respect, Chain of Fools oder Share Your Love With Me begeisterte Franklin nach wie vor Millionen und erhielt für ihre Alben und Singles zahlreiche Auszeichnungen, darunter 18 Grammys. Doch Amazing Grace sollte ein anderes Album werden, denn nicht nur wollte Franklin zu ihren Wurzeln als Künstlerin, dem Gospel zurückkehren, sondern ganz im Sinne dieses Musikstils die Songs des Albums vor einem kleinen Publikum einspielen. Das Resultat sollte das meistverkaufte Album in der Karriere der Sängerin werden.

Da es sich also bei den Aufnahmen zu dem Album um eine einmalige Gelegenheit handeln würde, war klar, dass die zwei Nächte, in denen die Songs aufgezeichnet werden sollten, auch von einem Filmteam begleitet werden würden. Zu diesem Zwecke engagierte man Regisseur und Schauspieler Sydney Pollack, der mit einem kleinen Team beide Nächte aufzeichnete, aber dann während der Post-Produktion feststellen musste, dass das Material, weil Bild und Ton nicht parallel zueinander liefen, unbrauchbar war. Nach einem langen Rechtsstreit gelang es letztlich Produzent Alan Elliott, der von Pollack das Material erhalten hatte, das Material zu sichten, zu überarbeiten und mit vielen Jahren Verspätung eine Dokumentation über die Aufnahmen zu Amazing Grace fertigzustellen.

Eine Feier des Glaubens
Berücksichtigt man die Entstehung des nun fertigen Film, lässt sich vieles erklären, wie beispielsweise die teils noch sehr experimentell anmutende Optik oder der, teils sehr abrupte Schnitt. Man kann es da wie Reverend James Cleveland halten, der als Moderator während der Aufnahmen fungiert und ganz zu Anfang den formalen Rahmen der Veranstaltung betont, dieser ist nämlich, der Musik des Gospels entsprechend, ein Gottesdienst. Auch entschuldigt er sich im Vorfeld für Unterbrechungen oder andere Vorkommnisse, die üblich sind, bedenkt man, dass hier zum anderen noch ein Album aufgezeichnet wird.

Dabei ist gerade dieser spirituelle und experimentelle Rahmen das große Glück an einem Film wie Amazing Grace. Die ohnehin schon überragende Stimme Franklins steht im Dienste einer Sache, feiert, unterstützt durch den ebenfalls sehr stimmgewaltigen Southern California Community Choir, den Glauben an eine höhere Sache. Wenn Franklin mit verschwitztem Gesicht und geschlossenen Augen den Refrain zu Amazing Grace singt, löst dies bei den Zuschauern, sowohl 1972 als auch heute, eine tiefe Rührung und Ekstase aus.

Immer wieder gelingt es Pollacks Kamera, solche Momente der Ekstase einzufangen. Jener unmöglich in Worte zu fassende Prozess der Eingebung, der Verbindung zu etwas Höherem, den man durch die Kunst erlangt, wiederholt sich mit jedem Song, den man hört und man ist erfüllt von der gleichen Dankbarkeit, wie sie die Akteure vor der Kamera ausdrücken.

Neben diesen Aufnahmen wird dem Zuschauer ein seltener Einblick in die Biografie dieser Ausnahmesängerin gegeben, der sich über die Musik mitteilt sowie die Geschichten ihrer Familie, die ebenfalls als Zuschauer anwesend sind. Man bemerkt den Stellenwert der Gospelmusik in dieser Biografie, wird dieser doch in den 89 Minuten Laufzeit des Films immer wieder betont.

Credits

OT: „Amazing Grace“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Sydney Pollack
Musik: Aretha Franklin and the Southern California Community Choir
Beteiligte: Aretha Franklin, James Cleveland, C. L. Franklin, The Southern California Community Choir

Bilder

Trailer

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Aretha Franklin: Amazing Grace
4.25 (85%) 4 Artikel bewerten

Aretha Franklin: Amazing Grace
"Amazing Grace" ist eine eindrucksvolle Dokumentation über eines der wichtigsten Alben der Musikgeschichte und über die Kraft der Musik in unserem Leben. Mit reichlich Verspätung schafft es diese Feier des Glaubens zum heutigen Zuschauer, der nicht anders kann als dankbar für diese reiche, wunderschöne Gabe zu sein.
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