Kritik

Wild Plants DVD

„Wild Plants“ // Deutschland-Start: 12. Januar 2017 (Kino) // 21. Juli 2017 (DVD)

Es kann wohl kaum angezweifelt werden, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Ausprägung kein System ist, welches auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit basiert. Die Ausbeutung der natürlichen und menschlichen Ressourcen des Planeten hat in den letzten Jahren nicht nur sehr viel Schaden verursacht, sondern zudem die Denkweise der politischen und wirtschaftlichen Eliten als entweder fehlerhaft oder inkonsequent gezeigt. Wurde der Begriff des „Öko“ noch belächelt vor ein paar Jahren, implizierte man mit ihm jenen alternativen Lebensstil und jenes immer etwas besserwisserische Moraldiktat der Weltverbesserer, können heute viele Menschen einer Alternative zu dem status quo sehr viel abgewinnen und fangen mit der Veränderung vor ihrer eigenen Haustür ihr an, in ihrer Gemeinde oder in der kleinsten ökologischen Einheit, die dem Menschen zur Verfügung steht: dem Garten.

In seinem 2016 entstandenen Dokumentarfilm Wild Plants geht der deutsche Regisseur Nicolas Humbert dem Phänomen des „urban gardening“ und der alternativen Agrarwirtschaft auf den Grund. Im Laufe des 108 Minuten langen Film sieht der Zuschauer anhand von drei Beispielen aus den USA, der Schweiz und Frankreich, wie heutzutage Menschen auf alternativen Wegen Landwirtschaft betreiben, Gärten pflegen und Wege zu einem beinahe autarken Lebensstil finden. Durch die Interviews und die Bilder Marion Neumanns erhält man einen Einblick nicht nur in die Routinen dieser Frauen und Männer, sondern auch ihre Lebenswege, die sie enger mit der Natur in Verbindung brachten und sie nach neuen Wege suchen ließen, wobei auch immer wieder die Frage aufkommt, ob sich hinter diesen Aussagen nicht vielmehr eine Alternative zu heutigen Modellen der Wirtschaft und des Zusammenlebens verbergen könnten.

Es geht nicht nur ums Essen
Wer von einem Film wie Wild Plants erwartet, er würde Überzeugungsarbeit leisten oder seinen Zuschauer bekehren wollen, wird gerade durch die unaufgeregte Art des Films angenehm überrascht werden. Die Kamera und die Struktur des Filmes bewerten nicht, sondern zeigen auf, geben Gedankenfutter, wenn man so will und deuten Lebenswege an, welche die Interviewpartner Humberts bereits beschritten haben und die eine Möglichkeit für uns alle bieten können. Man merkt schnell, dass man mit der leistungsorientierten Denkweise nicht weit kommt bei der Bewertung der Aussagen, denn es geht um viel mehr als nur um die Produktion von Lebensmitteln, wie es in einem Interview heißt.

Spannend sind vor allem jene Aufnahmen und Biografien, die sich mit dem Zusammenspiel der Natur mit dem modernen urbanen Rum befassen. Der innerstädtische Garten oder die scheinbar wild wuchernden Verkehrsinseln einer Stadt werden zu einem Garten verwandelt, einem Feld mitten im grauen Einerlei. In den Interviews sprechen die Interviewten wiederholt Begriffe wie „Kreislauf“, „Entschleunigung“ und „Widerstand“ an, alles Konzepte, die ihnen die Erfahrung der Verbindung mit der Natur gegeben hat. Zentral ist die Idee der Transformation, die Humbert zwecks eines Zwischentitels im Film, früh in den Vordergrund stellt und die man als Zuschauer beobachten kann, in den Räumen, welche die Kamera erforscht, sowie den Menschen, die diese Räume erschaffen oder bewirtschaftet haben.

Credits

OT: „Wild Plants“
Land: Deutschland, Schweiz
Jahr: 2016
Regie: Nicolas Humbert
Kamera: Marion Neumann

Trailer

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Wild Plants
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Wild Plants
"Wild Plants" ist eine nachdenklich machende Dokumentation, die nicht ermahnt, sondern aufzeigt, was möglich ist, wenn man alternativ denkt. Gerade die unaufgeregte Herangehensweise des Films, die Bilder und die sympathischen Interviewpartner machen Nicolas Humberts Film zu einer echten Entdeckung und einem lohnenswerten Diskussionsansatz.
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