Kritik

The Banker

„The Banker“ // Deutschland-Start: 20. März 2020 (Apple TV+)

Schon als Kind hatte Barnard Garrett (Anthony Mackie) ein Talent für Zahlen und einen ausgeprägten Geschäftssinn. Nun, da er erwachsen ist, plant er beides zu nutzen und groß ins Immobiliengeschäft einzusteigen. Es gibt da nur ein Problem: In den 1960ern sind schwarze Unternehmer nach wie vor nicht gern gesehen. Zwar findet er finanzielle Unterstützer für seinen Traum, darunter den Nachtclub-Besitzer Joe Morris (Samuel L. Jackson). Doch für seine großen Pläne braucht er jemanden, den er als Gesicht seiner Geschäfte verkaufen kann: Matt Steiner (Nicholas Hoult), einen weißen Mann der Arbeiterklasse. Tatsächlich gelingt dem Trio ein Coup nach dem anderen. Aber es dauert nicht lange, bis ihnen die Sache über den Kopf wächst …

In den letzten Jahren hat es eine Reihe von Filmen gegeben, die sich mit den historischen Kämpfen von Afroamerikanern auseinandersetzte, auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Von der sind wir heute bekanntlich immer noch ein ganzes Stück entfernt, Rassismus ist nie wirklich aus der Mode gekommen. Und doch erinnern uns diese Werke daran, dass selbst der Status Quo früher undenkbar war. In Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen erfahren wir von schwarzen Mathematikerinnen, die maßgeblich am Mercury- und am Apollo-Programm der NASA beteiligt waren, ohne dafür Beachtung zu finden. In Loving war es eine ganz gewöhnliche Ehe zwischen einem weißen Mann und einer schwarzen Frau, die zu jeder Menge rechtlicher Probleme führte.

Das Spiel mit der Wahrheit
So wie die beiden obigen Kollegen ist auch The Banker in den 1960ern angesiedelt, erzählt ebenfalls basierend auf einer wahren Geschichte von einem Umbruch in der Gesellschaft, die zwar nach und nach mehr Rechte zugestand, sich damit aber äußerst schwer tat. Wobei das mit der Wahrheit so eine Sache ist. Wie so viele Biopics auch, nimmt es dieses hier mit den Ereignissen nicht ganz so eng, lässt reale Menschen weg, ändert die zeitliche Abfolge, was auch immer dabei hilft, das Vorbild in ein handelsübliches Format zu pressen. Das führte wie immer zu Kontroversen: Garretts Exfrau Cynthia, die während der Zeit eigentlich mit ihm verheiratet war, und nicht die im Film gezeigte Eunice, fühlte sich beispielsweise aus verständlichen Gründen übergangen. Da sie nun einmal weiß war, passte sie wohl nicht ins Konzept.

Dabei hat es die von Nia Long verkörperte Eunice nicht unbedingt besser. Ihr wurde von George Nolfi, der Regie führte und zusammen mit anderen das Drehbuch schrieb, nur eine hübsche Statistenrolle zugestanden. Dass auch Frauen unterdrückt wurden und weit von Gleichberechtigung entfernt waren, das gesteht The Banker ihr zwar zu. Aber das muss in ein paar Quoten-Sätzen geschehen, bevor sie wieder an den Rand gedrückt wird. Wobei man der Fairness halber sagen muss, dass keine der Figuren tatsächlich interessant ist. Anthony Mackie interpretiert seine Rolle derart verkniffen und eintönig, dass man lange nicht versteht, warum überhaupt jemand mit ihm zusammen sein wollte. Und Samuel L. Jackson spielt mal wieder nur eine Variation von sich selbst. Das ist zwar amüsant, spricht aber weder für den Schauspieler noch den Film.

Eine originelle Geschichte nach strengem Format
Zumal The Banker auch unabhängig davon ein kleines Identitätsproblem hat, wenn die originelle Geschichte auf eine doch nur wenig originelle Weise erzählt wird. Ob es der gleich zu Beginn angekündigte große Auftritt vor Gericht ist, der mit viel Pathos in der Stimme vonstattengeht, oder die zwischenmenschlichen Aspekte, man weiß praktisch immer schon vorher, was als nächstes geschehen wird. So riskant und mutig die Unternehmungen des Duos sind, so sehr geht der Film auf Nummer sicher – begleitet von einer Filmmusik, die keinen Zweifel an der Dramatik des jeweiligen Moments lässt.

Unterhaltsamer ist da die erste Hälfte, in der Nolfi alles noch mit ein bisschen Humor auflockert – etwa bei den Versuchen, aus dem einfacher Arbeiter Matt einen Vorzeigebanker zu machen, dem die Leute ihr Geld hinterherwerfen. Manches erinnert sogar ein bisschen an einen Heist Movie, wenn mit diversen Kniffen verhindert werden soll, dass jemand die eigentlichen Strippenzieher bemerkt. Einzelne Momente hat der Exklusivfilm von Apple TV+ daher zweifelsfrei. Und die Geschichte als solche – zwei Schwarze kaufen mittels eines weißen Lockvogels Bürogebäude und Banken – ist auch ungewöhnlich genug, um einmal hineinschauen zu wollen. Doch das Ensemble und die Vorlage hätten mehr verdient, der etwas andere Kampf um Gleichberechtigung ist letztendlich nur solides Malen nach Zahlen.

Credits

OT: „The Banker“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: George Nolfi
Drehbuch: Niceole Levy, George Nolfi, David Lewis Smith, Stan Younger
Musik: H. Scott Salinas
Kamera: Charlotte Bruus Christensen
Besetzung: Anthony Mackie, Samuel L. Jackson, Nicholas Hoult, Nia Long, Scott Daniel Johnson, Taylor Black

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The Banker
3.45 (69.09%) 11 Artikel bewerten

The Banker
Die Geschichte ist unglaublich, aber (fast) wahr: Zwei schwarze Männer kaufen in den 60ern Bürogebäude und Banken, indem sie einen Weißen als Lockvogel benutzen. Trotz eines prominenten Ensembles ist „The Banker“ letztendlich aber nur solide, da zu viel auf filmische Konventionen geachtet wurde, die Figuren zudem nicht besonders interessant sind.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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