Kritik

Body of Truth

„Body of Truth“ // Deutschland-Start: 2. April 2020 (Kino)

Schon immer ist Kunst auch eine Auseinandersetzung mit unserem Körper. Wenn es in Gemälden, Skulpturen oder Musikstücken um Themen der Politik, Wirtschaft oder unser soziales Miteinanders geht, steht immer auch die Körperlichkeit des Menschen im Vordergrund, wobei dies der Künstler selbst sein kann oder das Motiv, welches abgebildet wurde. Das Markt ist geradezu überschwemmt von Künstlerbiografien, egal ob gedruckt oder als Film, in denen ein kreativer Geist nicht ohne eine Inspiration, meist gesucht und gefunden in einem fremden Körper kann oder dem Einsatz dieser Körper für eine Sache. Hinzu kommt noch der eigene Körper, der für diese Kunst Opfer bringen muss und beinahe zweitrangig wird, wenn man nur an Beethovens Taubheit oder Van Goghs Ohr denkt.

Wer einen flüchtigen Blick auf die Filmografie der Regisseurin und Drehbuchautorin Evelyn Schels wirft, wird schnell feststellen, welchen Stellenwert die Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Kunst und dem Künstler für sie hat. Nach ihrer Dokumentation über das Werk des Malers und Bildhauers Georg Baselitz aus dem Jahre 2013 behandelt ihre neuer Film die Arbeit von gleich vier Künstlerinnen, nämlich Marina Abramovic, Sigalit Landau, Shirin Neshat und Katharina Sieverding. Mithilfe von Interviews mit allen vier Künstlerinnen sowie mithilfe von Archivaufnahmen, die sich mit ihrem Schaffen befassen, versucht Schels, der Bedeutung des Körpers innerhalb der Kunst auf die Spur zu kommen.

Körper als Schlachtfeld
Abgesehen von einer Begegnung zwischen Abramovic und Neshat treffen sich die Künstlerinnen, die Schels’ Film behandelt, zu keiner Zeit. Trotz dieser Trennung im Film sowie der unterschiedlichen Meinungen hinsichtlich des Körpers in der (eigenen) Kunst, finden sich immer wieder Parallelen in den Themen, die ihre Werke behandeln. Die Kunst und damit auch der Körper wird zu einer Plattform, einem Symbol oder einem Schlachtfeld, wie es an einer Stelle heißt, auf dem Politik, Religion sowie die eigene Biografie verhandelt wird. Diese Auseinandersetzung findet in der teils drastischen Performance-Kunst Abramovics als eine Art Exorzismus statt, als Akt der (Selbst-) Reinigung oder in den fotografischen Arbeiten Sieverdings oder Neshats als Ausdruck politisch-gesellschaftlicher Wahrheiten statt.

Für den Zuschauer wird Body of Truth zu einer tiefgreifenden Studie über das Wesen des Körpers und der Körperlichkeit. Die Geschichte, die einer Person oder die eines Landes, zeichnet sich in den Werken ab, auf der Leinwand oder in der eigenen Haut und kommt einem so auf eine Weise nahe, wie man es von Kunst bisweilen nicht denkt. Schels’ Film liefert den Kontext über die Informationen, die vermittelt werden, aber genauso die Bilder, deren Wirkung uns nun bewusst wird und bei deren Bedeutung wir als Zuschauer eine wichtige Rolle spielen. Der Kunst, die hier gezeigt wird, geht es nur an der Oberfläche um den Schock oder das Erstarren, sondern vielmehr um das Aufgreifen einer Idee, die keiner auszusprechen vermag oder sich keiner traut. Die Wunden, egal ob real oder metaphorisch, sind auch die unseren und auf einmal können auch wir sie fühlen. Letztlich führt der Schmerz oder der Schock zu einem Erwachen.

Credits

OT: „Body of Truth“
Land: Deutschland, Schweiz
Jahr: 2019
Regie: Evelyn Schels
Musik: Christoph Rinnert
Kamera: Börres Weiffenbach

Bilder

Trailer

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Body of Truth
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Body of Truth
„Body of Truth“ ist eine informative, sehr nachdenklich machende Dokumentation über den Körper in der Kunst und über die Themen, welche man über sie vermitteln will. Unabhängig wie man zu dem Werk der Künstlerinnen im Film stehen mag, ist der Film darin überzeugend, als dass er uns die Relevanz von Kunst für unser aller Leben aufzeigt und welche Wunden unsere Gesellschaft mit sich herumträgt, aber für die meiste Zeit ignoriert.
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