Kritik

The Royal Train

„The Royal Train“ // Deutschland-Start: 13. Februar 2020 (Kino)

Es war einmal ein Land, über das ein wohlmeinender König herrschte, der für sein Volk sogar in den Krieg zog, mal für die eine, mal die andere Seite. Bis das Volk meinte: hau ab! Genauer war es das kommunistische Regime, welches nach dem Zweiten Weltkrieg Rumänien übernahm, das Mihai I. unmissverständlich mitteilte, in Zukunft unerwünscht zu sein. Erst beschnitt man seine Rechte, danach musste er abdanken, am Ende sogar das Land verlassen. 1947 war das. Jahre, Jahrzehnte gar lebte er anschließend im Exil in der Schweiz, eine Rückkehr war ausgeschlossen. Erst über vierzig Jahre später durfte er seine Heimat wieder betreten. Als er 1992 einreiste, um an den Osterfeierlichkeiten teilzunehmen, kamen über eine Million Menschen in Bukarest zusammen – was bei der postkommunistischen Regierung die Alarmglocken schrillen ließ.

Eine Zugfahrt, die ist lustig
Inzwischen ist Mihai I. tot, es obliegt seiner Tochter Margareta, das Königshaus von einst würdig zu repräsentieren. Ihr Mittel dazu: ein Zug. Mit dem reist sie durchs Land, besucht Leute, lässt sich feiern und betreibt dabei gleichzeitig ein bisschen Lobbyarbeit, dass doch ihre Familie wieder mehr Beachtung findet. Wie genau sie sich das vorstellt, welche Rolle die früheren Monarchen in einem demokratischen Rumänien spielen könnte, das bleibt dabei jedoch offen. The Royal Train begleitet die Prinzessin bei ihrer Reise durchs Land, beobachtet sie bei ihren Auftritten, lässt aber auch einfache Bürger und Bürgerinnen zu Wort kommen.

Dabei wird deutlich, dass die alte Monarchie noch immer eine große Faszination auf die Menschen ausübt. Das Massenaufkommen, das der Vater bei seiner Einreise auslöste, schafft Margareta zwar nicht. Aber auch bei ihr stehen die Menschen Schlange, winken freudig, machen sich zurecht, gern in einer Kleidung, die so aussieht, als stammte sie aus der Zeit, als der König noch herrschte. Und sie bringen Geschenke mit, oft etwas drolliger Natur. Allgemein hat The Royal Train eine zuweilen recht komische, skurrile Anmutung. So als würden sich alle verkleiden, als wären die Szenen Aufnahmen einer Fan Convention.

Die Sehnsucht nach Glanz und Halt
Darin kann man jede Menge hineinlesen. Dass die Menschen, die erst jahrzehntelange Diktatur ertragen mussten und nun ein Land vorfinden, das in Korruption ertrinkt, sich nach etwas anderem sehnen, das ist verständlich. Das Königshaus verspricht den Glanz, den das aktuelle Rumänien vermissen lässt. Warum auch nicht? Die Sehnsucht nach einem früher, die ist international stark geworden, in einer Welt, die sich in einem radikalen Wandel befindet, der viele Leute zurücklässt. Während die einen dann Alphamännchen hinterherlaufen, die versprechen, das Rad der Zeit zurückzudrehen und endlich wieder auf den kleinen Mann zu hören, da ist der Adel eine echte Alternative. Mit Brüderlichkeit hat das dann zwar weniger zu tun. Dafür ist er schön anzusehen.

Doch nicht alle sehen das als einen möglichen Ausweg. Regisseur Johannes Holzhausen, selbst mit Margarete verwandt, gibt auch Menschen ein Mikrofon in die Hand, die dem Ganzen skeptisch gegenüberstehen. Die nicht verstehen, warum man denn jetzt noch den Königen hinterherschwärmen soll, nachdem das Kapitel endlich rum war. Für die der Aufwand mit roten Teppichen und großen Anlässen, mit minutiös geplanten Protokollen und eigens verteilten Büchern der Prinzessin schlicht zu viel ist. Holzhausen selbst hält sich aus den Diskussionen raus. Manche Szenen verraten aber durchaus, dass er der Geschichte zumindest mit einer gewissen ironischen Distanz begegnet, wenn mal wieder etwas bei der Vorbereitung nicht klappt, die Prinzessin und ihr Gemahl wie ein Fremdkörper wirken und man eher das Gefühl hat, der Zirkus wäre in die Stadt gekommen.

Credits

OT: „The Royal Train“
Land: Österreich, Rumänien
Jahr: 2019
Regie: Johannes Holzhausen
Musik: Irene Kepl
Kamera: Joerg Burger

Bilder

Trailer

Filmfeste

Dok Leipzig 2019



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The Royal Train
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The Royal Train
In „The Royal Train“ folgen wir der Tochter des früheren rumänischen Königs, die mit einem eigenen Zug durchs Land fährt und die Leute trifft. Der Dokumentarfilm zeigt einerseits, wie groß noch die Faszination des Volks ist für die Symbole einer glänzenden Vergangenheit, unterhält aber auch mit zahlreichen skurrilen Momenten.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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