Kritik

She and Her Cat 1999 Kanojo to kanojo no neko Makoto Shinkai

„She and Her Cat“ // Deutschland-Start: 25. Juni 2010 (als Bonus auf der DVD von „The Voices of a Distant Star“ 

Auch der größte Star fängt einmal klein an. Oder zumindest kurz: Seit seinem Mega-Erfolg Your Name gilt Makoto Shinkai als der wohl wichtigste Anime-Regisseur der Gegenwart, kein Beispiel japanischer Zeichentrickkunst war erfolgreicher. Dabei waren die Anfänge recht bescheiden. Sein 1999 veröffentlichter Kurzfilm, mit dem er seine ersten Schritte in die Kommerzialität machte, erzählt die recht simple Geschichte des kleinen Katers Chobi. Der wurde eines Tages von einer unbekannten Frau aufgelesen und zu sich nach Hause genommen. Ein Akt der Freundlichkeit, welche das Tier mit einer bedingungslosen Liebe erwiderte.

Richtig viel geschieht in den fünf Minuten nicht. Zwischenzeitlich hat Chobi einmal eine Freundin, später wird er sich solidarisch mit seinem Frauchen zeigen, als es Kummer hat. Richtig emotional wird die Stelle nicht, da Shinkai darauf verzichtet, den Hintergrund zu erzählen. Vielmehr ist She and Her Cat ein recht persönlicher Anime, den er seinerzeit anfertigte, um einer anderen Frau durch schwere Zeiten zu helfen. Eine tatsächliche Geschichte erzählt der Filmemacher dabei nicht. Es sind vielmehr kurze Momentaufnahmen eines alltäglichen Lebens, Schnappschüssen gleich.

Schwarzweiße Ausschnitte
Dazu passt dann auch die Optik. Die ist hier natürlich nicht annähernd so ausgefeilt wie bei seinen späteren Werken, mit Weathering With You – Das Mädchen, das die Sonne berührte sollte man das hier erst gar nicht vergleichen wollen. Wobei die detaillierten Hintergründe, welche das Leben in einer kleinen Wohnung einfangen, durchaus schön anzusehen sind. Zusammen mit den gleichmäßigen Erzählungen des Katers und der zeitweiligen zurückgenommenen Klaviermusik haben die Schwarzweißbilder etwas leicht Melancholisches. Im Gegensatz dazu sind die stilisierten Katzen eher Material, wie man es in einer Komödie erwarten könnte.

Aber wirklich realistisch ist an dem Kurzfilm ohnehin nichts, Shinkai vermenschlicht seinen tierischen Protagonisten, ohne aus dem Wechsel des Blickwinkels wirklich etwas Interessantes herauszuholen. Die poetischen Anmutungen versüßen einem die Minuten, auch wenn She and Her Cat letztendlich dann doch nicht wirklich zu Herzen geht. Dafür bleiben einem sowohl die nie namentlich genannte Frau wie auch Chobi zu fremd, der Anime überzeugt in erster Linie durch seine Atmosphäre, nicht durch den Inhalt.

Credits

OT: „Kanojo to Kanojo no Neko“
Land: Japan
Jahr: 1999
Regie: Makoto Shinkai
Drehbuch: Makoto Shinkai
Musik: Tenmon



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She and Her Cat
4 (80%) 2 Artikel bewerten

She and Her Cat
Mit seinem Kurzfilm „She and Her Cat“ zeigte Makoto Shinkai schon ein frühes Talent für Hintergründe und melancholische Stimmungen. Inhaltlich hat die Geschichte um einen Kater, der von seinem Frauchen erzählt, jedoch recht wenig zu bieten, nutzt auch den Perspektivenwechsel nicht genug.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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