Kritik

Horrible Histories The Movie Rotten Romans

„Horrible Histories – The Movie: Rotten Romans“ // Deutschland-Start: 18. Dezember 2019 (Amazon Prime Video)

So langsam ist es aber an der Zeit, dass endlich mal diese lästigen Kelten unterworfen werden. Wer sind diese Wilden denn, dass sie denken, sie könnten sich so einfach dem Römischen Reich widersetzen? Also schickt Kaiser Nero (Craig Roberts) seine Armee auf die Insel, um Boudicca (Kate Nash) und ihre Truppen auszulöschen. Leider klappt das aber alles nicht so wie geplant, der Widerstand ist stärker als gedacht. Dummerweise gerät dabei auch noch der junge Atti (Sebastian Croft) in die Gefangenschaft des Feindes, wo er Orla (Emilia Jones) begegnet, die ebenso liebreizend wie geschickt mit dem Schwert ist …

In Deutschland ist die Buchreihe Horrible Histories kaum bekannt. Daheim in England erfreuen sich die illustrierten, humorvollen Werke aber großer Beliebtheit. Das lag zum einen an den Büchern selbst, die es auf immerhin 23 Bände brachten, aber auch an der darauf basierenden TV-Serie, für die sogar mehr als 100 Folgen produziert wurden. Einen kleinen Einblick gab es hierzulande durch die Shakespeare-Komödie Bill – Was für ein Theater!, der zwar nicht direkt Teil des Franchises ist, aber viele bekannte Gesichter der Serie enthält und sich auch an dieser orientiert. Nun folgt der erste offizielle Film Horrible Histories – The Movie: Rotten Romans, der bei uns als Amazon Prime Original veröffentlicht wurde.

Nette, kleine TV-Dörfer
Den Weg des Video on Demand war vermutlich die beste Entscheidung. Nicht nur dass der Titel an sich wenig Zugkraft haben dürfte, der Film selbst bietet nicht genug, dass man dafür gezielt Geld ausgeben müsste. Wenn eine historische Komödie nicht mit demselben Budget hantiert wie ein ernst gemeinter Historienfilm, ist das sicher nachvollziehbar, zumal man sich auch nicht zu weit weg von dem Look der Serie bewegen wollte. Die fröhlichen Bilder von Horrible Histories – The Movie: Rotten Romans, wenn wir idyllische Kelten-Dörfer sehen, ein bisschen Natur, die sind dann auch nicht wirklich ein Problem. Sie sind nett, erfüllen ihren Zweck.

Das Problem ist eher, dass der Film an sich nicht sonderlich fröhlich stimmt. Britischer Humor kann bekanntlich die verschiedensten Formen annehmen, vor allem die trockene Variante verbinden wir gern mit den Menschen dort. Sie können aber auch sehr albern sein. Albern ist Horrible Histories – The Movie: Rotten Romans sicherlich. Lustig hingegen nicht. Dann und wann versucht sich das Drehbuchteam zwar mal daran, ein bisschen Geist in die Geschichte zu bringen. Ansonsten dominieren aber körperbetonte Witzchen, die sich für keine Kloake zu schade sind. Wo Mel Brooks seinerzeit in seinen historischen Parodien noch irgendwie mit dem Material spielte, da wurden hier einfach nur altbackene Ladenhüter verhökert.

Ist das echt alles?
Spaß macht das nur in den seltensten Fällen. Nick Frost (Shaun of the Dead, Sick Note) hebt mit seinen Auftritten als Orlas Vater zwar kurzfristig das Niveau, kann es aber nicht dauerhaft halten. Die beiden eigentlichen Hauptfiguren wiederum sind so wenig bemerkenswert, dass sie nicht einmal negativ ins Gewicht fallen. Die romantische Komponente, gestrickt nach dem beliebten Romeo-und-Julia-Prinzip, kommt dadurch kaum zum Zug. Denn nur weil zwei junge Menschen Gefühle füreinander entwickeln, reicht das nicht aus, um beim Publikum Gefühle entstehen zu lassen. Die kommen bei Horrible Histories – The Movie: Rotten Romans nicht zustande, sofern man nicht akute Langeweile als ein solches bezeichnen wollte.

Nicht einmal die musikalischen Einlagen können an der Stelle noch etwas retten. Mit Kate Nash ist zwar jemand zur Stelle, der die nötige Erfahrung mitbringt, war sie vor über zehn Jahren dank ihres Ohrwurms Foundations ein Star. Ihre Präsenz reicht jedoch nicht aus, um den ebenfalls kaum erwähnenswerten Liedern eine Form von Leben einzuhauchen: Sie sind weder sonderlich eingängig noch lustig, der Campfaktor, historische Kriegsmomente in Musical-Auftritte umzuwandeln, wird kaum genutzt. Wenn der Film wenigstens wirklich schrecklich wäre. Er ist aber höchstens schrecklich langweilig, was einfach zu wenig ist, um bei der täglichen Flut an Neuerscheinungen irgendwie den Kopf über Wasser zu halten.

Credits

OT: „Horrible Histories – The Movie: Rotten Romans“
Land: UK
Jahr: 2019
Regie: Dominic Brigstocke
Drehbuch: Jessica Swale, Giles Pilbrow, Caroline Norris
Musik: Iain Farrington, Matt Katz, Richie Webb
Kamera: John Sorapure
Besetzung: Sebastian Croft, Emilia Jones, Nick Frost, Craig Roberts, Kate Nash, Rupert Graves

Bilder

Trailer



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Horrible Histories – The Movie: Rotten Romans
Die Bücher und die Fernsehserie waren in England ein Hit, mit „Horrible Histories – The Movie: Rotten Romans“ liegt jetzt zumindest eine Filmfassung in Deutschland vor. Dabei wird der Titel dem Inhalt leider weitgehend gerecht, die Komödie um den Kampf zwischen Römern und Kelten ist zumindest schrecklich langweilig, vor allem dank der altbackenen Witze.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Frau Schäfer

    Die Meinung des Kommentators kann ich nicht teilen. Der Film hatte was von Mel Brooks, war aber nicht so unverschämt. Die Sing- und Tanzszenen waren ausreichend. Wären es mehr gewesen, hätten sie den Film überladen und ein Musical draus gemacht. Der Film war eine gute Unterhaltung. Wer Horror und blutige Kampfszenen sehen möchte, ist hier falsch.

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