Kritik

„Pavarotti“ // Deutschland-Start: 26. Dezember 2019 (Kino) // 8. Mai 2020 (DVD/Blu-ray)

Für viele ist der Name Luciano Pavarotti untrennbar mit der Oper verbunden, so wie er es sein Leben lang wollte. Trotz der Kritiker, die ihm besonders seine Verbundenheit mit Rockmusikern oder Pop-Musikern übel nahmen, bleibt am Ende das Bild des voluminösen Mannes bestehen, der mit dieser unfassbaren Stimme Arien aus Opern wie Tosca oder La Bohème vor einem Millionenpublikum schmettert, dessen Stimme weniger den Text des Stückes wiedergeben, sondern vielmehr eine Einladung an den Zuschauer aussprechen, mitzugehen auf diese unglaubliche, emotionale Reise. Entgegen dem Vorurteil, Oper sei elitär, sind es Menschen wie Pavarotti, die bis heute für viele diese Musik zugänglich gemacht haben.

Ausgehend von diesem Bild Pavarottis, zusammen mit den privaten Aufnahmen, die, wie bei jeder Persönlichkeit mit diesem Image, ihre Runde in den Medien machten, stellt man sich als Filmemacher vor eine große Herausforderung, wenn man hinter dieses Bild schauen will. Meistens geht es weniger um die Geschichte, die man erzählen will, sondern vielmehr darum, damit umzugehen, dass man sich eventuell selbst als Regisseur einschränkt. So formuliert US-Regisseur Ron Howard die Hürde, welche ihn anfangs davon abhielt, Geschichten über echte Menschen zu erzählen. In Interviews beschreibt er, wie ihn Schauspieler Tom Hanks während der Vorbereitung zu Apollo 13 davon überzeugte, diese Geschichte müsse man nicht ergänzen oder in typischer Hollywood-Manier erzählen. Nach Projekten wie A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn (2001) und Frost/Nixon (2008) ging Howard auch immer mehr dazu über Dokumentationen wie The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years (2016) zu drehen.

Der Mensch Pavarotti
Wie viele andere hatte auch Howard das Bild des Tenors auf der Bühne im Kopf, als sich ihm die Gelegenheit bot, einen Film über das Leben Luciano Pavarottis zu drehen. „Was können uns diese Bilder sagen“, ist für Howard das Credo, nach dem er arbeitet, wenn er, wie bereits bei den Beatles, mit einer Fülle von Materialien konfrontiert ist, die es zu sichten und zu ordnen gilt. Die Ausgangsfrage seiner Dokumentation stellt Pavarottis zweite Frau Nicoletta Mantovani ihrem Mann in einem privaten Heimvideo ganz zu Anfang des Films, wenn es darum geht, als was für ein Mensch Pavarotti im Gedächtnis bleiben will. Als Pavarotti erklärt, als was für ein Künstler er gesehen werden will, fragt die schließlich nach, was denn nun mit dem Menschen Pavarotti sei. Gegen Ende des Filmes wird Pavarotti eine Antwort geben, wird Howards Film zu jenem Moment zurückkommen, wobei dann auch der Zuschauer eine Antwort haben wird.

Wer bereits die anderen Dokumentationen Howards kennt, weiß bereits um dessen formaler Struktur. Angefangen bei der bereits erwähnten Frage, verfolgt Pavarotti das Leben des Sängers auf zwei Ebenen: das Leben des Künstlers und das Leben des Privatmenschen, wobei sich beide immer wieder überschneiden. Neben vieler Archivaufnahmen, die Pavarotti bei seinen ersten Auftritten zeigen oder bei der von ihm ins Leben gerufenen Show Pavarotti and Friends lässt Howard immer wieder Familie und Freunde zu Wort kommen. Vor allem seine beiden Frauen, Adua Veroni und Nicoletta Mantovani, sowie seine Töchter liefern die wertvollsten und erhellendsten Momente in diesem Film, beleuchten sie doch die Persönlichkeit ihres Vaters und Ehemannes, von seiner Genusssucht bis hin zu seinen Affären.

Man mag an dieser Stelle das Fehlen von Misstönen bemängeln, gerade was die Beziehung zu Mantovani angeht sowie die darauf folgende Trennung von Veroni. Zu diesem Zeitpunkt ist man als Zuschauer, ähnlich wie jene, die Pavarotti bei einem seiner Auftritte lauschen, verfallen, hat vielleicht nicht alles nachvollziehen können oder die tiefer liegenden Gründe erfahren, glaubt aber an die Aufrichtigkeit dieses Mannes, der versucht hat, das perfekte Image auf der Bühne auch privat zu präsentieren. Zudem ist Howards offensichtliche Begeisterung für sein Thema sehr ansteckend.

Credits

OT: „Pavarotti“
Land: USA, UK
Jahr: 2019
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Mark Monroe
Musik: Roc Markmann, Matter Music, Dan Pinnella, Chris Wagner
Kamera: Axel Baumann, Michael Dwyer, Patricio Saccò, Michael Wood

Bilder

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Pavarotti
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Pavarotti
„Pavarotti“ ist eine sehr unterhaltsame, oftmals bewegende Dokumentation über einen großen Künstler, über dessen Talent und sein soziales Engagement. Daneben erzählt Ron Howard die Geschichte des Privatmanns Luciano Pavarotti, die nicht minder fasziniert und bei der man sich immer wieder dabei ertappt, wie sehr man mit ihm sympathisiert.
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