(„The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ directed by Ron Howard, 2016)

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„The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ ist seit 18. November auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es sind Zahlen, die auch heute noch, ein rundes halbes Jahrhundert in Erstaunen versetzen. Zwischen 600 Millionen und einer Milliarde verkaufter Tonträger, 20 Nummer-eins-Hits in den amerikanischen Singlecharts, 15 Nummer-eins-Alben im heimischen Vereinigten Königreich, gleichzeitig alle ersten fünf Plätze in der Hitparade belegt – die Beatles können eine unglaubliche Zahl an Rekorden ihr eigen nennen, sind die erfolgreichste Musikband aller Zeiten, für viele auch die beste. Eigentlich gibt es da dann auch gar nicht mehr so viel über das Quartett zu sagen, das aus der Arbeiterklasse heraus die Welt eroberte. Zu zeigen dafür umso mehr, wie The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years demonstriert.

Wie der Untertitel schon verrät, konzentriert sich Regisseur Ron Howard (Inferno, Rush – Alles für den Sieg) dabei auf die Jahre, als die Beatles noch durch die Welt tourten und ihnen Millionen meist weiblicher Herzen zu Füßen lagen. Die späteren Jahre, als die Band ihre simplen Mitsingnummern zugunsten komplexerer Lieder aufgab und sich von Bühnen fernhielt, die werden hier nur im Schnellverfahren abgehandelt. Auch die Reibereien in der Endphase der Fab Four werden nur kurz angeschnitten. Ganz klar, wer die Gruppe als Ganzes erfahren möchte, der muss sich an andere Dokumentationen halten, allein schon aufgrund der Laufzeit von unter zwei Stunden könnte The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years größeren inhaltlichen Ansprüchen gar nicht genügen.

Was dem amerikanischen Filmemacher aber sehr wohl gelingt, ist die damalige Zeit, vor allem die Hysterie um die Auftritte der vier wieder lebendig zu machen. An einer möglichen Diskussion um die Gründe des Phänomens beteiligt Howard sich nicht, er lässt lieber das Phänomen für sich sprechen. Oder auch kreischen. Immer wieder macht das weibliche Publikum einen derartigen Höllenlärm, dass kaum mehr etwas von der Musik übrig bleibt, die von der Bühne kommt – unterstützt von einer reichlich bescheidenen technischen Ausstattung, die im Film auch zur Sprache kommt.

Dabei haben die Lieder noch immer Ohrwurmcharakter, so viel sogar, dass sich einer der vielen Interviewpartner dazu veranlasst fühlt, den Output der Beatles mit dem von Mozart zu vergleichen. Ob das nun zulässig ist oder, darüber ließe sich streiten, die pure Energie, mit der ein Auftritt der Gruppe einherging, der ist jedoch unbestreitbar. Die einfachen Texte sind schnell vergessen, sind nur ein Mittel zum Zweck, die eingängigen und kraftvoll gespielten Songs auf das Publikum einprasseln zu lassen. Alles andere, die Kontroverse um den Jesus-Vergleich etwa, die absurde Geldmacherei mit den Beatles-Filmen oder auch das tatsächlich spannende Thema der Rassentrennung, all das hält nur einen Moment lang, wird sofort im Anschluss wieder von der Musik überlagert.

Am unterhaltsamsten ist The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years dann wie so oft bei Künstlerporträts, wenn man bereits Fan der Gruppe ist. Das Ergebnis hätte sicher noch mehr Tiefgang vertragen können oder auch größere Ambitionen bei der Umsetzung – streng chronologisch werden Originalaufnahmen mit heutigen Interviews unter anderem mit Whoopi Goldberg und Sigourney Weaver verknüpft –, aber auch in der vorliegenden Form erfüllt die Musik-Doku mehr als ihren Zweck, nimmt einen mit zurück in eine ganz spezielle Zeit und lässt einen dabei öfter mit dem Fuß wippen, als man es sich vermutlich eingestehen möchte.



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The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years
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The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years
Neue Erkenntnisse über die Beatles? Eine aufregende Inszenierung? Nein, beides bietet der Dokumentarfilm nicht. Stattdessen kombiniert „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ Live-Auftritte und Interviews auf eine zwar recht konventionelle, dafür aber auch sehr mitreißende Art, lässt die Zeit und das Phänomen der Fab Four wieder spürbar werden.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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