Kritik

„Blues Brothers“ // Deutschland-Start: 16. Oktober 1980 (Kino) // 26. September 2013 (DVD/Blu-ray)

Elwood Blues (Dan Aykroyd) ist auf dem Weg, seinen Bruder Jake Blues (John Belushi) vor dem Gefängnis abzuholen. Was passiert ist, das erfährt man zwar nicht wirklich, ist aber auch nicht wichtig. Nachdem die Brüder wiedervereint sind und die Vergangenheit hinter sich lassen, geht es nun darum die alte Band wieder zusammenzutrommeln. Das Ziel: die Rettung des Waisenhauses, das einstige Zuhause der Brüder, das aufgrund von 5000 Dollar Steuerschulden vor der Schließung steht. Das nötige Geld wollen Elwood und Jake mit ihren musikalischen Auftritten in einer mal eben beschlossenen Tournee aufzutreiben. Im Auftrag des Herrn, wie sie es selbst bezeichnen, entwickelt sich fortan eine Odyssee quer durch Chicago, verbunden mit einer Reihe unerwarteter Ereignisse.

Einfach Kult
Ist man auf der Suche nach Kultfilmen, stößt man in fast jeder Liste auf Titel wie Tarantinos Pulp Fiction, Kubricks Uhrwerk Orange oder The Big Lebowski von den Coen-Brüdern. Oder auch Blues Brothers. Doch was zeichnet den Kultstatus dieses Films aus? In erster Linie wohl die Tatsache, dass es die Blues Brothers als Band wirklich gab. Was als lustiges Rhythm-and-Blues Bandprojekt begann, entwickelte sich über einen Zeitraum von nicht einmal zwei Jahren zu einem echten Phänomen. Ein Album mit Doppelplatin-Status und Auftritte in der NBC-Show Saturday Night Live im Gepäck erlangten Aykroyd und Belushi so viel Popularität, dass ihnen ein gleichnamiger Film von John Landis (Regisseur von Michael Jacksons Thriller-Musikvideo) spendiert wurde. Aufgrund dieses Hypes und der darüber hinaus grandiosen Besetzung, inklusive namhafter Musiker wie Aretha Franklin, James Brown, Cab Calloway und Ray Charles sowie der Star Wars-Ikone Carrie Fisher, ist es nicht verwunderlich, dass sich der Blues Brothers Kult bis zum heutigen Tag hält.

Mehr als nur ein Film
Aufgrund der Geschichte der Blues Brothers kann man sagen, dass die Verfilmung die rein filmischen Grenzen durchbricht. Ähnlich wie bei Tenacious D, der Band von Jack Black, haben diese Filme nämlich auch eine künstlerische Bedeutung in musikalischer Hinsicht. Songs wie Soul Man oder Everybody Needs Somebody To Love wurden durch die Blues Brothers und den Film weltbekannt. Da dieser mit der eigentlichen Historie des Bandprojektes nichts zu tun hat – es handelt sich also nicht um einen Dokumentarfilm, sondern mehr um einen eigenständigen Spielfilm –, ergab sich viel Spielraum, um das Phänomen Blues Brothers noch weiter zu stricken. Wenn dann plötzlich noch der blinde Pianist Ray Charles auftaucht und einen Song zum Besten gibt, dann kann man sich bei dieser musikalischen Leidenschaft, die der Film so deutlich macht, spätestens an der Stelle ein Grinsen kaum noch verkneifen.

Neben dem teilweise trashigen, teilweise slapstickartigen Humor, welcher Blues Brothers wohl am meisten auszeichnet, findet Landis noch Platz, um das Leben im Chicago der 80er Jahre anzureißen. Während die großen Blues- oder Rock-Hits der Band in den teilweise doch recht verdreckten Städten gut ankommen, sicherlich ein Verweis auf die musikalischen Trends der 60er und 70er, haben die Blues Brothers in den ländlicheren Gebiete doch anfängliche Probleme ihr Publikum mitzureißen. Dort scheint die Zeit ein wenig stehen geblieben zu, weshalb die Band auf alte Western-Songs zurückgreift muss, um auch dort ihr Publikum zu begeistern. Diese symbolische Komponente, dass die Menschen durch Musik zueinander finden, beschert dem Film eine nette kleine Tiefgründigkeit, auch wenn sich Blues Brothers in der Gesamtheit alles andere als tiefsinnig oder ernsthaft gibt.

Unvergleichliche Stilistik
Durch Landis unverkennbare Arbeit als Regisseur dauert es keine halbe Stunde, dass man mitten im Geschehen ist. Dies ist neben dem tollen Soundtrack aus den 80ern den präzise durchkomponierten Bildern und der Liebe zu übertriebenen Stunt- und Verfolgungsszenen zu verdanken, die Blues Brothers so einmalig macht. Dass keine Kosten für die Dreharbeiten gescheut worden sind, zeigt in der Hinsicht eine Verfolgungsjagd durch ein echtes, dafür aber verlassenes, Einkaufszentrum seiner Zeit, welches extra für den Film komplett ausgestattet wurde. Durch genau solche Szenen und die Leidenschaft für das Filmemachen, die sich kontinuierlich in den fast 150 Minuten deutlich herauskristallisiert, hat man unvergleichlich viel Spaß mit dem Film. Aufgrund der trashig-komödiantischen Elemente, der stimmungsvollen Songeinlagen und dem schlicht arschcoolen Feel-Good-Vibe genießt Blues Brothers zusammenfassend aus gutem Grund bis zum heutigen Tag Kultstatus.

Credits

OT: „The Blues Brothers“
Land: USA
Jahr: 1980
Regie: John Landis
Drehbuch: Dan Aykroyd, John Landis
Musik: Ira Newborn, Elmer Bernstein
Kamera: Stephen M. Katz
Besetzung: John Belushi, Dan Aykroyd, Cab Calloway, Kathleen Freeman, James Brown, Carrie Fisher, John Candy, Ray Charles

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Blues Brothers
Millionen Menschen bekannt, genießen die „Blues Brothers“ bis heute Kultstatus und das obwohl alles mit einem vielleicht nicht einmal ambitionierten Bandprojekt anfing. Und dennoch, hört man "Soul Man" im Radio, denkt man an die Blues Brothers und das obwohl es sich nur um eine Coverversion handelt. Die Verfilmung gehört daher in die Sammlung eines jeden Filmliebhabers.
9von 10

Über den Autor

Freier Autor

Ich bin freiberuflicher Autor und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Filmfan, wobei mein Fokus den kleineren Filmperlen gilt. Und wenn ich mal gerade keinen Film schaue, kann man mich im Rudolstädter Cineplex als Ansprechpartner für jegliche Art von Kundenfragen finden. Neben meiner Mithilfe in Film- und Serienforen, plane ich zudem aktuell ein Projekt in Richtung film- und medienwissenschaftliche Analysen.

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