Kritik

Blues Brothers

„Blues Brothers“ // Deutschland-Start: 11. Juni 1998 (Kino) // 26. September 2013 (DVD/Blu-ray)

Nach 18 Jahren kommt Elwood Blues (Dan Aykroyd) aus dem Gefängnis frei. Wieder auf freien Boden, geht es erneut nur um das eine: die Band wieder zusammenbringen und durchs Land touren. Das Schicksal meint es mit Elwood aber nicht allzu gut, als er erfährt, dass sein Bruder Jake Blues (John Belushi) als auch der Vaterersatz Curtis (Cab Calloway) verstorben sind. Trotz dieses schweren Schlags lässt sich Elwood nicht unterkriegen. Im Gegenteil, als er plötzlich als Mentor für den kleinen Buster (J. Evan Bonifant) aus dem Waisenhaus engagiert wird und von seinem vermissten Halbbruder Cab (Joe Morton) erfährt, wird das große Loch in seinen Herzen, welches Jake hinterlassen hat, wieder gefüllt. Als er plötzlich noch auf den alten Bekannten Mighty Mack (John Goodman) trifft, ist die neue Bluesfamilie komplett. Mit neuem Bluesmobil, neuen Bluespartnern und der immer noch leidenschaftlichen Liebe zur Musik,  ergibt sich so ein zweites Mal eine verrückte und irrwitzige Roadmoviegeschichte quer durch Chicago.

Die Wege des Herrn sind unergründlich
Als Blues Brothers 1980 wie eine Bombe einschlug, mehr als 100 Millionen Dollar weltweit einspielte und dem so schon außergewöhnlichen Bandprojekt zu noch mehr Popularität verhalf, war es lange Zeit still um das ikonische Duo. Kein Wunder: John Belushi starb gerade einmal zwei Jahre nach dem Original. Ohne ihn weitermachen? Das wäre wie Dick ohne Doof oder Spencer ohne Hill. Frontmann Dan Aykroyd und John Landis, der erneut Regie und Drehbuch übernahm, haben trotzdem den Versuch einer Fortsetzung gewagt, eine Entscheidung, die man sich bei einem solch originellen Duo auch erst einmal trauen muss. Da sich die Blues Brothers Filme besonders durch ihre Musik auszeichnen, kommt Blues Brothers 2000 aber zum Teil auch ohne Belushi aus. Mit John Goodman (The Big Lebowski) wurde in der Hinsicht sogar ein recht passabler Ersatz gefunden. Klar ist das nicht das gleiche, der Cast ist aber lobenswert. Die Schwächen liegen eher an anderen Stellen.

Und täglich grüßt das Murmeltier
Unbestreitbar ist es für jede Filmfortsetzung schwer, mit dem ersten Teil einer Reihe mitzuhalten. Blues Brothers 2000 schließt das nicht aus, im Grunde ist es nämlich fast dieselbe Geschichte wie im Original. Wirft man einen Blick auf die skurrile Story, die erneut mit der Verfolgungsjagd zwischen den Musikern und der Polizei spielt, die musikalischen Einlagen und die trockenen Sprüche, stellt man fest, dass das mit der damaligen Einmaligkeit und filmischen Innovation von Blues Brothers eher wenig zu tun hat. Landis macht aber daraus keinen Hehl. Die Besinnung auf das Original, zum Beispiel bei der symbolischen Unantastbarkeit der Bluesfamilie macht trotz einiger Schwächen Spaß und sorgt durch den erneuten Slapstickhumor sogar für den einen oder anderen Lacher – spätestens wenn zig hundert Autos durch die Verfolgungsjagd zu Bruch gehen. Dafür hielt der Film sogar mal einen Weltrekord im Guinness-Buch der Rekorde für die meisten zerstörten Wagen in einer Filmproduktion. Klingt trashig? Ist es auch, trotzdem macht es Spaß.

Zur falschen Zeit am falschen Ort
Während das Original stark von der Atmosphäre der 80er lebte, so hat es die Fortsetzung umso schwerer seinen Platz in der Welt zu finden. Vor dem Hintergrund könnte man argumentieren, dass die größte Schwäche von Blues Brothers 2000 die mangelnde Zeitgemäßheit ist. Leidenschaftliche Musikeinlagen und die Reihe an Gastmusikern, die auch im ersten Teil schon dabei waren hin oder her, es fällt schwer die Fortsetzung gänzlich zu mögen als auch nicht zu mögen. Diese Unsicherheit, was man mit Teil zwei der Blues-Saga anfangen soll, mag sicherlich auch einer der Gründe sein, dass der Film in den USA floppte und nicht einmal seine Produktionskosten einspielen konnte. Dies hält Dan Aykroyd aber nicht davon ab, mehr als 20 Jahre nach der Fortsetzung, an Teil drei zu arbeiten. Wann die Blues Brothers ein drittes Mal auf Tour gehen, scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein. Da bleibt wohl nur noch zu sagen „lang leben die Blues Brothers“.

Credits

OT: „Blues Brothers 2000“
Land: USA
Jahr: 1998
Regie: John Landis
Drehbuch: Dan Aykroyd, John Landis
Musik: Paul Shaffer
Kamera: David Herrington
Besetzung: Dan Aykroyd, John Goodman, Joe Morton, Evan Bonifant, Aretha Franklin, James Brown, B.B. King

Trailer

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Blues Brothers 2000
4.13 (82.67%) 15 Artikel bewerten

Blues Brothers 2000
18 Jahre nach den Ereignissen des Originals sind die Blues Brothers mit abgewandelter Besetzung wieder auf Tournee. Wieder im Visier der Polizei, des FBIs und gewissen anderen Akteuren, ergibt sich so erneut eine Verfolgungsjagd, die es in sich hat. Mit ihren musikalischen Auftritten, die das Blut in Wallung bringen, kann jedoch keiner die Blues Brothers stoppen.
7von 10

Über den Autor

Freier Autor

Ich bin freiberuflicher Autor und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Filmfan, wobei mein Fokus den kleineren Filmperlen gilt. Und wenn ich mal gerade keinen Film schaue, kann man mich im Rudolstädter Cineplex als Ansprechpartner für jegliche Art von Kundenfragen finden. Neben meiner Mithilfe in Film- und Serienforen, plane ich zudem aktuell ein Projekt in Richtung film- und medienwissenschaftliche Analysen.

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