Kritik

Big Trouble in Little China

„Big Trouble in Little China“ // Deutschland-Start: 18. September 1986 (Kino) // 20. Januar 2012 (DVD/Blu-ray)

Die Highways der USA sind die Heimat von Fernfahrer Jack Burton (Kurt Russell), der einmal wieder eine Tour nach San Fransisco machen muss. Dort angekommen entscheidet er sich zu einem Glücksspiel mit Restaurantbesitzer Wang Chi (Dennis Dun), welches dieser prompt verliert. Während Jack sich eigentlich nur für seinen Gewinn interessiert, wird er unversehens in einen Bandenkonflikt inmitten von Chinatown verstrickt, bei dem eine Fraktion Chis Verlobte entführt hat, die nun in den Fängen des mächtigen Unterweltbosses David Lo Pan (James Hong) ist. Bei ihrer Suche nach dem entführten Mädchen erhalten die beiden unter anderem Unterstützung von Gaciw Law (Kim Cattrall), einer Anwältin, die Lo Pan hinter einem Ring von Sexsklaven vermutet, sowie Egg Shen (Victor Wong), einem langjährigen Bewohner Chinatowns, der Touristenführungen organisiert. Schnell findet Burton heraus, dass ihm seine markigen Sprüche und Muskelkraft wenig weiterhelfen in diesem Kampf. Lo Pan ist nicht nur ein Unterweltboss, sondern auch ein mächtiger Zauberer, auf dem ein Fluch lastet, für dessen Vertreibung er Chis Verlobte benötigt. Neben dessen Gang stehen ihm noch drei mächtige Krieger, alle mit magischen Kräften, zu Seite, gegen die Burton und Chi so gut wie keine Chance haben. Doch auch Egg Shen verfügt über solche Kräfte, die im Kampf gegen Lo Pans Armee sehr nützlich sein können.

Zwischen Mystik und Budenzauber
Nachdem US-Regisseur John Carpenter mit Starman (1984) bei einem echten Blockbuster die Regie führen durfte, stand ihm für sein nächstes Projekt ein großzügiges Budget zur Verfügung. War der letzte Film noch ein Science-Fiction Film, wandte sich Carpenter wieder seiner Liebe für den klassischen Western zu, die sein ganzes künstlerisches Schaffen begleitet. Ursprünglich sollte Big Trouble in Little China auch im Wilden Westen spielen, wurde dann aber nach dem Willen des Produktionsstudios umgearbeitet und die Neuzeit verlegt. Leider war dies eines von vielen Problemen, welche der Film bereits in der Vorproduktionsphase zu bewältigen hatte und unter anderem ein Grund, warum es zu vielen Meinungsverschiedenheiten mit dem Regisseur kam. Leider war dem Film kein Erfolg gegönnt, auch wenn er im Laufe der Jahre sehr viele Fans unter Zuschauern und Kritikern gewonnen hat.

Alleine schon die Zuweisung eines Genres gestaltet sich bei einem Film wie Big Trouble in Little China als sehr schwierig. Irgendwie möchte die Geschichte rund um Jack Burton alles sein, mal ein Western, mal ein Martial Arts-Film, mal wieder ein Abenteuerfilm und mal ein Fantasyfilm. Der „big trouble“ im Titel könnte daher auch für jenes Chaos aus vielen verschiedenen Einflüssen und Versatzstücken stehen, aus denen Carpenters Film besteht und was nicht zuletzt selbst das Studio scheinbar verwirrte, wie der Regisseur in Gesprächen immer wieder erwähnt. So musste er beispielsweise erklären, warum Russell an einigen Stellen der Held der Geschichte ist, aber an anderen Stellen eher wie ein unbeholfener Statist wirkt, der sich mitten im Gefecht gerne auch einmal selber kampfunfähig macht.

Als Zuschauer sollte man Big Trouble in Little China als das sehen, was es ist, nämlich eine Art Jahrmarktsattraktion. Die schnellen Wortgefechte, immer wieder ironische gebrochen durch Burtons Machismo und Prahlerei, die Effekte sowie die zahlreichen Ausflüge in fernöstlichen Mystizismus erinnern an eine jene Touristenfahrten, die Victor Wongs Charakter organisiert, eine wilde Mischung gemacht zur reinen Unterhaltung, ohne dabei dem Gesehenen allzu viel Tiefe abzutrotzen.

Amerikanisierung
Diese Art der „Amerikanisierung“ scheint Big Troube in Little China gerade in der Anlage von Russells Figur ironisch kommentieren zu wollen, eines Helden, der konstant deplatziert wirkt. Eine derartige Meta-Struktur, die noch viel besser in die heutige Zeit passt, ist für einen Film der 80er Jahre mehr als fortgeschritten und gerade für einen Carpenter-Film eher unüblich. Vergleicht man beispielsweise Jack Burton mit einem Snake Plissken aus Die Klapperschlange merkt man gleich, wie die Idee des Helden in vielen Szenen aus Big Trouble geradezu demontiert wird.

So hat Big Trouble in Little China mit der Zeit sehr viel an Charme gewonnen, gerade für heutige Zuschauer. Einzig und allein die unnötig vielen Charaktere, eventuell den zahlreichen Änderungen am Skript geschuldet, sind ein Negativpunkt, verheddern die Geschichte in eher redundanten Nebenschauplätzen und machen zum Beispiel Kim Cattralls Figur gänzlich überflüssig.

Credits

OT: „Big Trouble in Little China“
Land: USA
Jahr: 1986
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, David Z. Weinstein
Musik: John Carpenter, Alan Howarth
Kamera: Dean Cundey
Besetzung: Kurt Russell, Kim Cattrall, Dennis Dun, James Hong, Victor Wong, Suzee Pai

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Big Trouble in Little China
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Big Trouble in Little China
„Big Trouble in Little China“ ist eine Achterbahnfahrt von einem Film, ein wilder Mix aus verschiedenen Einflüssen. Gespickt mit passenden Effekten, einem tollen Soundtrack sowie einer herrlich (selbstironischen) Leistung Kurt Russells ist "Big Trouble" einer der unterhaltsamsten Filme John Carpenters und hat vielleicht nicht viel Tiefgang zu bieten, macht dafür aber sehr viel Spaß.
7von 10

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