Kritik

Starman

„Starman“ // Deutschland-Start: 6. September 1985 (Kino) // 20. August 2009 (DVD/Blu-ray)

Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes Scott (Jeff Bridges) verbringt Jenny (Karen Allen) ihre Tage vornehmlich mit der Erinnerung an ihn und der Trauer um den Verlust. Nachdem sie eines Abends, nachdem sie wieder einmal alte Filmaufnahmen von sich und Scott gesehen hat, zu Bett gegangen ist, wird sie von einer Reihe merkwürdiger Geräusche wach. Als sie den seltsamen Lichtern und Geräuschen auf den Grund geht, findet sie im Wohnzimmer einen Außerirdischen vor, der sich in ihren verstorbenen Mann verwandelt. Nach dem ersten Schock hilft Jenny dem Wesen nach Arizona zu gelangen, wo es in drei Tagen von einem Raumschiff seines Heimatplaneten abgeholt wird. Während ihrer Fahrt durch die Staaten verändert sich Jennys zunächst noch sehr verhaltene Reaktion auf den Außerirdischen, wegen seiner Ähnlichkeit zu Scott und weil seine Kenntnisse der englischen Sprache sowie der Gegebenheiten der Erde immer klarer werden. Jedoch blieb die Landung des Außerirdischen nicht unbeobachtet, denn kurz nach dessen Bruchlandung haben bereits die Geheimdienste und die Armee, angeführt vom Leiter der NSA George Fox (Richard Jaeckel), die Jagd nach der außerirdischen Lebensform begonnen. Immer dichter sind die „Scott“ und Jenny auf den Fersen auf ihrer Fahrt nach Arizona, auf welcher der Besucher von einem anderen Planeten die schönen, aber auch die dunklen Seiten der Menschheit kennenlernt.

Der Mythos vom guten Alien
Nach einer Reihe vor allem kommerzieller Fehlschläge hatte Regisseur John Carpenter wohl genug von Thriller- und Horrorgenre und übernahm die Regie bei Starman, einem Projekt, welches sich schon seit langem in der Planung befand. Gerade weil das Drehbuch viele Parallelen zu Steven Spielbergs E.T. – Der Außerirdische aufwies, wurde es mehrfach umgeschrieben und hatte, als Carpenter die Regie angeboten wurde, bereits eine ganze Reihe von Veränderungen hinter sich. Dennoch wurde Starman nach Halloween der erfolgreichste Film John Carpenters, aber zugleich auch der gefälligste.

Die Figur des Außerirdischen, ob im Fernsehen oder im Kino, ist gerade im Kino der 80er Jahre eine ambivalente Figur, eine, an die Hoffnungen für eine gute Zukunft verbunden sind, aber auch Ängste vor dem Unbekannten und der Übernahme des Menschlichen. Während der freundliche Gnom aus Steven Spielbergs Welterfolg das eine Extrem beschrieb, zeigten Filme wie John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt das genaue Gegenteil einer schleichenden, sich verändernden, beinahe virus-artigen Kreatur. Der von Jeff Bridges gespielte Starman passt in gewisser Weise in die letzte Kategorie, wobei die Anpassung an den Planeten eng geknüpft ist an die Voyager Golden Record, einer Datenplatte, welche 1977 an Bord der Raumsonden Voyager 1 und 2 ins Weltall angebracht wurde und Botschaften, Bilder und Lieder enthielt. So ist bereits ein wichtiger Schritt zur „Sozialisierung“ auf dem Planeten Erde abgeschlossen und der Starman vielmehr als Forscher zu sehen, als jemand, der das Angebot zur Kontaktaufnahme annahm und zum Dank erst einmal mit Raketen und Düsenjets begrüßt wurde.

In der Rolle des Starman ist der ansonsten quirlige und lebhafte Jeff Bridges sehr zurückgenommen, beinahe hölzern muss er doch die Umgangsformen der Erde noch lernen. Bridges’ sensibles Spiel zeigt die „Menschwerdung“ dieses Wesens, aber auch die tiefe Irritation ob der Widersprüche der Menschheit.

Eine Sprache, ein Frieden
Gerade im Kontext des Kalten Krieges und der Reagan-Jahre erscheint die Perspektive eines Außerirdischen auf die Welt, ihre guten wie auch schlechten Seiten durchaus üblich. Wie schon das Alien E.T. ist auch der Starman ein Wesen der Unschuld und des Wissens, welches mit einer Mischung aus Forscherneugier und Entsetzen auf die Gegebenheiten der Erde schaut, was insbesondere in den Dialogen von Bridges’ Figur mit Karen Allens Figur deutlich wird.

In der schmalzigen Romanze zwischen Jenny und dem Starman erkennt man als Zuschauer jene Vision der einen Sprache und des Friedens, wie Starman seinen Planeten beschreibt. So verwandelt sich die Geschichte dann schließlich in eine massentaugliche Kinoromanze, die ihr Potenzial nicht voll ausschöpft.

Credits

OT: „Starman“
Land: USA
Jahr: 1984
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Bruce A. Evans. Raynold Gideon, Dean Riesner
Musik: Jack Nitzsche
Kamera: Donald M. Morgan
Besetzung: Jeff Bridges, Karen Allen, Charles Martin Smith, Richard Jaeckel

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1985 Bester Hauptdarsteller Jeff Bridges Nominierung
Golden Globe Awards 1985 Bester Hauptdarsteller – Drama Jeff Bridges Nominierung
Beste Musik Jack Nitzsche Nominierung

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Starman
4.13 (82.5%) 8 Artikel bewerten

Starman
„Starman“ ist eine Mischung aus Romanze und Science-Fiction-Film, die besonders durch das Spiel der beiden Hauptdarsteller angenehm auffällt. Gleichzeitig ist dies aber auch der gefälligste Film Carpenters, der seine Talente als Big-Budget-Regisseur zwar zeigen kann, aber dafür den Biss und die Atmosphäre seiner anderen Werke vermissen lässt.
6von 10

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