The 15 17 to Paris
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15:17 to Paris

Kritik

15 17 to Paris DVD
„15:17 to Paris“ // Deutschland-Start: 19. April 2018 (Kino) // 6. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Seit ihrer Kindheit kennen sich Anthony Sadler, Alek Skarlatos und Spencer Stone bereits, waren Freunde an der Schule. Auch später, als sie erwachsen sind, halten sie diesen Kontakt aufrecht. Mehr noch, sie beschließen gemeinsam durch Europa zu reisen, sich die Städte anzuschauen und ein bisschen von der Kultur mitzunehmen. Sie haben dabei eine Menge Spaß, sagen auch zu Partys nicht nein, wenn sie sich bieten. Doch als sie eines Tages an Bord eines Zuges steigen, der von Amsterdam nach Paris fährt, wird sich ihr Leben für immer verändern …

Die Beschäftigung mit Helden, doch, die liegt Clint Eastwood. Früher, als er noch selbst vor der Kamera stand, spielte er die manchmal, wobei er seinerzeit eher ambivalente Fassungen davon zeigte. Inzwischen sind seine Schauspieltage lange vorbei, Ambivalenz liegt ihm ebenso wenig. Stattdessen ist er fasziniert von Menschen, die anderen das Leben retten und denen er in seinen Filmen ein Denkmal setzen möchte. In Sully stellte er uns den Piloten Chesley Sullenberger vor, dessen gewagte Landung auf dem Hudson River um die Welt ging. In 15:17 to Paris wiederum widmet er sich drei Freunden, die maßgeblich dazu beitrugen, dass ein geplanter Terroranschlag in einem Zug glimpflich ausging.

Kein Held ist vom Film gefallen
Die beiden Filme eint dabei nicht nur, dass sie von wahren Heldentaten erzählen, die Eastwood würdigt. Sie haben auch dasselbe Problem: Die jeweilige Heldentat dauerte nur ein paar Minuten. Wie kann man daraus einen ganzen Film machen? Erschwerend kommt hinzu, dass die jeweiligen Geschichten weltweit bekannt sind. Auf einen Überraschungseffekt kann man da also kaum bauen. Der Altmeister entschloss sich daher, weniger den Vorfall an sich, sondern die jeweiligen Helden in den Vordergrund zu rücken. Während das bei Sully bedeutete, vor allem die Folgen zu sehen und zu erfahren, wie der Titelheld mit seiner ungewollten Prominenz und Versicherungen hadert, steht in 15:17 to Paris die Vorgeschichte auf dem Programm.

Das ist zwangsläufig weniger dramatisch, sondern sehr viel mehr mit dem Alltag befasst. Und um das Ganze noch etwas zu verstärken, fasste Clint Eastwood den ungewöhnlichen Entschluss, die drei realen Helden Anthony Sadler, Alek Skarlatos und Spencer Stone sich einfach selbst spielen zu lassen. Solche Grenzgänge zwischen Fakt und Fiktion gibt es natürlich immer mal wieder. The Rider oder Ordinary Time taten das beispielsweise auch, wenn Laiendarsteller Variationen ihres Lebens vorführen. Doch in den Fällen kamen die jeweiligen Filmemacherinnen auch aus dem Dokumentarischen, konnten deshalb sehr geschickt beide filmischen Formen ineinander übergehen lassen.

Unglaubwürdig und langweilig
Eastwood fehlt in dieser Hinsicht das Geschick. Es fehlt ihm auch das Gespür für die Schönheit des Alltäglichen. Wo seine Kolleginnen mit ihrem Talent für das Wahrhaftige überzeugten, da ist 15:17 to Paris gleichzeitig zu künstlich und zu banal. Es mangelt dem Drama die raue Natur, um als Abbildung des Lebens dienen zu können, ist vielmehr die Imitation von Leben – was auch am Auftreten der drei Helden liegt. Und an den plumpen, bedeutungsschwangeren Dialogen, die vorab die Berufung der drei vorwegnehmen sollen. Gleichzeitig ist das alles aber auch schrecklich langweilig. Da ist nichts in dem Lebenslauf der drei, weder als Kind noch als Erwachsener, das einen Grund liefern würde, sich dafür interessieren zu müssen.

Der eigentliche Vorfall, sprich der Anschlag und dessen Vereitlung, sind da schon deutlich sehenswerter. In diesen Szenen merkt man, dass die Filmlegende Eastwood entsprechende Erfahrungen gesammelt hat und weiß, wie man solche Ausnahmesituationen zu inszenieren hat. Aber das sind eben nur wenige Minuten, nicht genug, um die mit etwas mehr als anderthalb Stunden dauernde Laufzeit zu rechtfertigen. In der Summe ist 15:17 to Paris allenfalls als missglücktes filmisches Experiment sehenswert. Wer hingegen den Film mit der Erwartung anschaut, spannend unterhalten zu werden, der kann sich die Zugreise sparen. Da bietet der Flugzeugthriller 7500 beispielsweise mehr und ist trotz der fiktiven Geschichte glaubwürdiger als diese Entgleisung.

Credits

OT: „The 15:17 to Paris“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Dorothy Blyskal
Musik: Christian Jacob
Kamera: Tom Stern
Besetzung: Anthony Sadler, Alek Skarlatos, Spencer Stone

Bilder

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In „15:17 to Paris“ will Clint Eastwood drei realen Helden ein Denkmal setzen, die vor einigen Jahren einen Anschlag in einem Zug verhinderten. Der Vorfall selbst ist spannend inszeniert. Die ewig lange Vorgeschichte langweilt hingegen schnell und ist trotz der Besetzung mit den realen Personen auch nicht sonderlich glaubwürdig.
4
von 10