TKKG DvD

„TKKG“ // Deutschland-Start: 6. Juni 2019 (Kino) // 21. November 2019 (DVD/Blu-ray)

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Tim (Ilyes Moutaoukkil) interessiert sich nicht sonderlich für die Schule, bekommt dank seiner Hochbegabung aber ein Stipendium für ein Internat. Dort wird er mit Willi aka Klößchen (Lorenzo Germeno), dem Sohn des bekannten Schokoladenherstellers Sauerlich (Antoine Monot Jr.), in ein Zimmer gesteckt. Die unterschiedlichen Jungs können sich anfangs nicht leiden, doch als sie eines Nachts den Absturz eines Flugzeugs beobachten, nehmen sie gemeinsam die Ermittlungen auf, unterstützt von ihren Mitschülern Karl (Manuel Santos Gelke) und Gaby (Emma-Louise Schimpf). Der Fall erfährt eine dramatische Wende, als Willis Vater entführt wird …

Klößchen wirkt zumindest rein optisch fehlbesetzt. Während es gut möglich ist, dass es keinen talentierteren Darsteller mit Klößchenmaßen gab, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Filmemacher negativem Feedback vorbeugen wollten und eine Figur, die sich die ganze Zeit mit Schokolade vollstopft, aus Prinzip nicht mit einer Person besetzten, die so aussieht als stopfe sie sich die ganze Zeit mit Schokolade voll. Ein aussichtsloses Unterfangen, da hilft es auch nichts, dass Klößchens Gewicht nur ein einziges Mal adressiert wird – von ihm und auf selbstironische Weise. Anders als das Original greift Filmklößchen nicht einmal besonders oft zur Schokolade. Wenn schon alles andere geändert wird, hätte vor dem Spitznamen nicht haltgemacht, sondern dieser ebenfalls angepasst werden sollen.

Die Wunder der Technik
Anpassungen gibt es immerhin einige. So tragen die Jugendlichen wie selbstverständlich Smartphones mit sich herum oder machen sich über das ihrer Ansicht nach veraltete Kommunikationsmittel E-Mail lustig. Im Laufe des Films werden mehrfach ein Laptop beziehungsweise eine Drohne als wichtiges Werkzeug eingesetzt. Fraglos ist die Kameraführung insbesondere in Kombination mit der Nachbearbeitung mit Erfolg oft darauf getrimmt, ein Gefühl der Nostalgie zu vermitteln, dennoch spielt der Film im Hier und Heute. Dem halbwegs aufmerksamen Zuschauer wird in einer Szene sogar ein konkretes Datum gezeigt, anhand dessen sich die Handlung (mit einem Spielraum von ein paar Tagen) zeitlich klar verorten lässt.

Die Kameraführung ist dann auch schon, wie etwa bei Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs (zu dem es erschreckend viele Parallelen gibt), so gut wie das einzige Argument, das sich mit Müh und Not für eine Kinoauswertung von TKKG anführen lässt. Vor allem die Nachtaufnahmen sind hervorragend gelungen, auch sonst gibt es visuell kaum etwas auszusetzen. Schauspielerisch dümpelt der Film auf durchschnittlichem Fernsehniveau dahin, was im Falle der Kinderdarsteller aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung nicht zu stark gewertet werden soll. Monot Jr. wirkt, als würde er ablesen, Milan Peschel hingegen, welcher gefühlt in jedem zweiten deutschen Film mitspielt und oft im Autopilotmodus unterwegs zu sein scheint, blüht hier beinahe auf und liefert eine mehr als solide Performance ab. Das schauspielerische Highlight ist Tom Schilling, aus zwei Gründen: Für die etwa ersten drei Viertel des Films, weil er sehr gut spielt; für das letzte Viertel des Films, weil er absolut over the top spielt, so als wäre ihm alles egal. Das klingt weit negativer als es ist, Schilling hat eindeutig Spaß daran, der sich auf den Zuschauer überträgt.

Wer hat sich denn das ausgedacht?
Was hingegen deutlich weniger Spaß macht, ist die Story. Selbst für einen Fernsehfilm weist das Skript zu viele Schwächen auf, fast als wäre vergessen worden, die erste Drehbuchfassung zu überarbeiten. Es sind viele kleinere und größere Fehler sowie Unachtsamkeiten, die zu diesem Eindruck führen. Nach dem Flugzeugabsturz etwa macht sich Karl mit einem selbstgebauten Metalldetektor auf die Suche nach einer Goldstatue (von deren Existenz plötzlich alle wissen, ohne dass es eine Erklärung dafür gegeben hätte); Karlchen betont den anderen Kindern gegenüber, dass sich damit Gegenstände mit hohem Goldanteil aufspüren lassen würden. Das Gerät schlägt tatsächlich aus und er findet … die leere Holzschatulle, in der die Statue einmal war …?

Egal, schnell weiter! Kurz darauf besuchen Tim, Klößchen und Gaby Herrn Sauerlich, um die Schatulle zurückzubringen. Danach sitzen die vier in seinem Auto, die Kinder auf der Rückbank, während Willis Vater erzählt, dass er ewig nicht mehr am Steuer gesessen hätte, und beginnt, sich nach dem Schlüssel umzusehen. Klößchen beugt sich genervt vor und klappt die Sonnenblende auf, aus welcher der Schlüssel fällt. Das soll wohl irgendwie ein Witz (oder der unbeholfene Versuch einer Charakterisierung?) sein. Aber würde man den Schlüssel nicht suchen, bevor man die Autotür öffnet und sich hineinsetzt? An der Szene ließe sich noch mehr kritisieren und da diese müde Pointe rein gar nichts rechtfertigt, hätte sie gleich ganz gestrichen werden sollen. Damit nicht genug, wird die nächste Szene ebenfalls negativ davon beeinflusst.

Ein bisschen mehr Sorgfalt bitte
Genauer (und man kommt hier wirklich vom Hundertsten ins Tausendste) lassen sich diese aufeinanderfolgenden Szenen ohne Spoiler leider nicht zerlegen, auch wenn die meisten erwachsenen Zuschauer bereits an diesem Punkt, keine 25 Minuten nach Filmbeginn, wissen werden, wer die Verbrecher sind, was dem versuchten Twist am Ende den Wind aus den Segeln nimmt – Kinder allerdings dürfte er überraschen. Zuletzt, im wahrsten Sinne des Wortes, wird im Abspann nur wenige Zeilen unter der korrekt gelisteten „GABY“ das „DOUBLE GABI“ aufgeführt. Die Y-Taste ist ungefähr eine Million Kilometer von der I-Taste entfernt und selbst falls eine amerikanische Tastatur benutzt wurde, kann das doch irgendwer mal Korrektur lesen, bevor der Film veröffentlicht wird. Ob Handlung oder Credits, vieles wirkt unglaublich faul. Fast als lautete das Produktionsmotto: „Ach mach einfach, Hauptsache schnell fertig werden, wem soll das schon auffallen?“

Neben diesen und vielen weiteren Logiklücken fallen die dauernden Anspielungen auf die Vorlage von Rolf Kalmuczak störend ins Gewicht. Wer die Originalserie nicht kennt, wird aus vielen komplett deplatziert wirkenden Bemerkungen nicht schlau werden. Wer die Bücher oder Hörspiele kennt, könnte den Eindruck bekommen, dass der Film sich scham- und erfolglos bei ihm anbiedern will. Doch genug der negativen Kritik, neben der Kameraführung gibt es schließlich einen weiteren Strohhalm der Hoffnung im Nadelhaufen TKKG: Auch wenn die vier Kinderprotagonisten noch etwas an schauspielerischer Erfahrung sammeln müssen, ist die Chemie zwischen ihnen nicht zu leugnen. Mit etwas Glück wird der bereits geplante zweite Teil besser Kapital daraus zu schlagen wissen, denn diese vier gemeinsam in einem guten Film zu sehen, dürfte recht interessant werden. Vermutlich wäre eine Fernsehserie aber die bessere Idee.



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TKKG
4 (80%) 13 Artikel bewerten

TKKG
"TKKG" erzählte die Entstehungsgeschichte der bekannten Detektivbande. Diese ist visuell kompetent inszeniert, krankt aber am schwankenden Schauspiel und vor allem der Story. Dennoch ist eine gewisse Chemie zwischen den Hauptdarstellern zu spüren und Kinder werden diesem Film deutlich mehr abgewinnen können als Erwachsene.
4von 10

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