2019 war ein abwechslungsreiches Jahr für Ed Skrein, und ein actionreiches obendrein. Zuerst spielte er einen bösen Cyborg in der Manga-Adaption Alita: Battle Angel, vor Kurzem ließ er sich für das Fantasyabenteuer Maleficent: Mächte der Finsternis Flügel und Hörner wachsen, nun steht Roland Emmerichs Kriegsepos Midway – Für die Freiheit (Kinostart: 7. November 2019) vor der Tür. Darin verkörpert der britische Schauspieler den realen Soldaten Richard „Dick“ Best, der im Zweiten Weltkrieg in der Seeschlacht von Midway kämpfte und damit zu dem Sieg der US-Amerikaner über Japan beitrug. Wir haben ihn bei einem Special Screening seines neuen Films getroffen und ein wenig über seine Rolle ausgequetscht.

In Midway – Für die Freiheit spielst du den tollkühnen Flieger Dick Best. Warum wolltest du diesen Film machen?
Da gab es viele, viele Gründe. Zunächst einmal die Figur: Dick Best war für mich in vielerlei Hinsicht eine Traumrolle. Er ist ein Held, aber keiner von dieser strahlenden, makellosen Sorte. Er hat auch dunkle Seiten an sich, obwohl er ein guter Mensch ist. Er hat so viele unterschiedliche Facetten, je nachdem ob er bei seiner Frau ist oder seinen Männern oder seinen besten Freunden. Er ist bei jedem etwas anders, was für mich einen runden Charakter ausmacht. Außerdem wollte ich unbedingt mit Roland Emmerich zusammenarbeiten, einem Mann, mit dessen Filmen ich aufgewachsen bin. Ein Mann, der wirkliche Blockbuster-Filme macht. Obwohl mein Herz für die Arthouse-Independent-Szene schlägt, war das einfach eine aufregende Chance für mich, eine Hauptrolle in einem seiner Filme zu übernehmen. Mit ihm zusammenzuarbeiten, von ihm zu lernen. Ganz zu schweigen von dem großartigen Cast: Woody Harrelson, Patrick Wilson, Luke Evans, Mandy Moore. Aber auch die Geschichte war ein Grund. Der Zweite Weltkrieg hat uns alle beeinflusst. Es ist wichtig, sich an den Horror des Krieges zu erinnern, um den Frieden auch weiter zu bewahren. Midway ist ein Film über Bruderschaft und Familie. Und das sind Punkte, die mir auch selbst wichtig sind. Ich brauche meine Familie, meine Freunde.

Wie sehr kannst du dich selbst mit Best identifizieren?
Sehr stark. Ich konnte mich über das Thema der Familie in ihn hineinfühlen, zu hundert Prozent. Anne Best mag im Film nicht so wahnsinnig oft zu sehen sein, aber sie spielt eine essentielle Rolle für Dick. Ein Mann, der die Verkörperung von Mut und Führung und Stärke ist, der seine Stärke aber durch seine Frau erlangt. Die eine Szene im Schlafzimmer mit ihr, als er zerbrechlich ist und kaputt, ohne die Stärke von Anne hätte er nicht weitermachen können. Und das ist bei mir genauso: Ohne meine Familie hätte ich diese emotionale Stärke nicht, die ich brauche. Ich habe zwei Kinder und kann deshalb sehr gut dieses Bedürfnis nachempfinden, die eigene Familie beschützen zu müssen.

Und bist du auch so ein Draufgänger wie Dick?
Nein, nicht wirklich. Ich war da früher noch etwas verrückter drauf. Wenn ich mit meinem Sohn zum Vergnügungspark gehe, dann bin ich nach einer Fahrt mit den Attraktionen meistens schon bedient. Ich verzichte auch dankend, wenn man mich einlädt, irgendwo ganz schnell mit dem Auto lang zu rasen. Dann doch lieber 20 Meilen die Stunde und dabei coole Musik hören. Ich würde ja gern behaupten, ein Draufgänger zu sein so wie er. Aber im wahren Leben bin ich dann wohl doch eher langweilig.

Midway Für die Freiheit

In „Midway“ verörpert Ed Skrein den tollkühnen Piloten Dick Best, der im Zweiten Weltkrieg kämpfte (© Universum Film).

Du wärst demnach auch nicht daran interessiert, einmal selbst zu fliegen?
Mit einem Bomber auf einen japanischen Flugzeugträger zuzurasen und eine 800-Pfund-Bombe abzuwerfen, nur um dann im letzten Moment noch einmal abzuheben und zurück zum Flugzeugträger mitten im Pazifik zu fliegen, mit nur wenig Treibstoff, schon der Gedanke daran erschreckt mich zu Tode.

Man muss ja nicht zwangsläufig in einem Krieg fliegen. Du könntest auch ganz normale Flugstunden nehmen.
Das habe ich sogar tatsächlich, noch davor. Das war so unglaublich spaßig. Meine erste Frage war: Wo sind die Fallschirme? Daraufhin wurde mir gesagt, dass es keine Fallschirme gibt, weil wir gar nicht hoch genug fliegen, dass die funktionieren würden. Also bin ich ohne geflogen, und es war der Wahnsinn. Das würde ich nochmal machen.

Dieses Jahr haben wir dich in Battle Angel Alita und„Maleficent: Mächte der Finsternis gesehen, jetzt kommt Midway. Das sind alles Filme, die düster sind und in denen viel gekämpft wird. Fühlst du dich zu dieser Art Film hingezogen oder war es Zufall, dass die drei jetzt hintereinander kamen?
Ich denke schon, dass es Zufall war, weil davor war es Beale Street, als nächstes kommen Naked Singularity und Mona Lisa and the Blood Moon, zwei schöne kleine Streifen, in denen nicht gekämpft wird. Ich bin schon an solchen Filmen interessiert und liebe es zu kämpfen und zu trainieren und mache auch Martial Arts: Muay Thai, Kung Fu, Boxen oder auch Eskrima, eine philippinische Kampfkunst mit Stöcken und Messern. Aber ich genieße es auch, mal Rollen zu haben, wo ich nicht kämpfen muss und ungestört Cheeseburger essen kann. Oder Rotwein trinken, wenn mir danach ist. Wo ich auch einfach nur schauspielern kann. Wobei es natürlich auch seine Vorteile hat, wenn ich drei Monate lang trainieren muss und gezwungen bin, auf meine Cheeseburger zu verzichten und wirklich auf mich zu achten. Ich mag einfach alle Facetten, die dieser Job mit sich bringt. Die drei Rollen in Alita, Maleficent und Midway waren zwar alle drei dynamisch, aber auch sehr verschieden voneinander. In Alita war ich eine totale Fantasy-Figur, ein Cyborg, und konnte meinen eigenen London-Akzent benutzen. In Maleficent habe ich Flügel und Hörner und bin Teil des Disney-Kanons. In diesem Film musste ich einen amerikanischen Akzent benutzen und alles basierte auf der Realität. Alle Rollen waren auf ihre Weise spannend und ich will alles irgendwie abdecken, ohne mich einschränken zu müssen. Ich will alles mal ausprobieren und habe keine Angst vor dem Scheitern. Es gab auch Projekte, bei denen ich festgestellt habe, dass sie mir nicht so viel Spaß gemacht haben, wie ich vorher dachte. Ich habe nur Angst vor dem Bereuen, etwas nicht getan zu haben. Denn da ist noch so viel zum Ausprobieren, sowohl im Independent-Auteur-Sektor wie auch bei Action-Filmen.

Was steht noch auf deiner Liste, das du ausprobieren willst?
Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, was ich konkret machen will. Aber da gibt es noch genug, was ich bislang noch nicht gemacht habe. Ich habe beispielsweise noch nie einen Cowboy-Film gedreht. Und selbst innerhalb der Themen, die ich schon hatte, gibt es noch so viel. Ich würde gerne einen Film zum Zweiten Weltkrieg machen, wo ich ein Brite bin. Ich würde allgemein gern in London arbeiten und meine Leute dort repräsentieren, auch indem ich unseren eigenen Akzent verwende. Keinen alten Cockney-Akzent, sondern die Sprache, die heute in meiner Generation gesprochen wird. Ich nenne das immer das schöne Unbekannte. Ich weiß nicht, was mich als nächstes erwartet oder was ich in zwei Jahren machen werde. Und das finde ich sehr spannend.

Dann wünsche ich dir schon mal viel Erfolg, worauf auch immer es hinausläuft.
Nun, das werden wir dann sehen, wenn wir uns das nächste Mal treffen.

Zur Person
Ed Skrein wurde am 29. März 1983 in London geboren. Zunächst studierte er Kunst und machte sich auch als Rapper einen Namen. Seine erste Hauptrolle spielte er 2012 in dem Kriminalfilm Ill Manors – Stadt der Gewalt. Zu seinen weiteren Filmen zählen unter anderem das Wikingerabenteuer Northmen – A Viking Saga (2014), die Comic-Adaption Deadpool (2016) sowie das Rassismusdrama Beale Street (2018). 

Ed Skrein [Interview]
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