Maleficent Maechte der Finsternis

„Maleficent: Mächte der Finsternis“ // Deutschland-Start: 17. Oktober 2019 (Kino)

Lange hat Prinzessin Aurora (Elle Fanning) den Tag herbeigesehnt, nun ist er endlich da: Prinz Philipp (Harris Dickinson) hat um ihre Hand angehalten! Während Aurora überglücklich ist, nicht zuletzt weil dies eine Aussöhnung zwischen dem Waldkönigreich und dem Königreich der Menschen bedeutet, ist ihre Mutter Maleficent (Angelina Jolie) alles andere als begeistert. Zu tief sitzt nach diversen hässlichen Erfahrungen das Misstrauen der Fee gegenüber den Menschen. Aber auch die Gegenseite hat ihre Vorbehalte, allen voran Philipps Mutter Ingrith (Michelle Pfeiffer). Und die Königin ist dazu bereit, alles zu tun, um ihr Reich vor den suspekten Waldbewohnern zu beschützen …

Ursprünglich mag das mit einiger Skepsis verbunden gewesen sein, inzwischen gehören die Live-Action-Remakes alter Zeichentrickklassiker jedoch zu den festen Säulen im Filmgeschäft von Disney. Auch wenn der eine oder andere Titel floppt, wie dieses Jahr Dumbo, andere spülen dafür umso mehr Geld in die Kassen ein. Bei Aladdin lagen die Einspielergebnisse jenseits der nicht nur symbolisch wertvollen Milliarden-Grenze, Der König der Löwen schleicht sich langsam auf die 1,7 Milliarden Dollar an. Und damit der Geldstrom möglichst erst gar nicht die Chance zum Versiegen hat, werden nicht nur kräftig weitere Remakes in Auftrag gegeben. Jetzt gibt es sogar schon die ersten Fortsetzungen dieser Remakes.

Moment, hatten wir das nicht schon?
Der Versuch eines Remake-Sequels geriet jedoch zu einem Desaster. Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln spielte 2016 gerade einmal 300 Millionen ein, das war nicht einmal ein Drittel des Ergebnisses des sechs Jahre zuvor erschienenen Vorgängers Alice im Wunderland. Schon spekulieren die ersten, dass auch Maleficent: Mächte der Finsternis zum Flop werden könnte. Schließlich liegt dessen Vorgänger Maleficent: Die dunkle Fee auch bereits sechs Jahre zurück. Das ist in einer Zeit, in der man vor lauter Sequels kaum noch geradeaus schauen kann, schon sehr lange. Hinzu kommt: Die Uminterpretation des klassischen Märchens endete auf eine Weise, die überhaupt keinen zweiten Teil voraussetzte. Im Gegenteil, die Vereinigung von Menschen- und Feenreich machte eine zweite Geschichte ziemlich überflüssig.

Die schlechte Nachricht vorweg: Die Befürchtungen zu einem zweiten Teil haben sich bewahrtet. Auch wenn Linda Woolverton, die das Drehbuch des ersten Teils schrieb, die Geschichte für den zweiten entwickelte, so kann sie doch nicht wirklich dem Dilemma entkommen, das ein abgeschlossenes Happy End mit sich bringt. Also erzählen sie und Regisseur Joachim Rønning (Kon-Tiki) das Märchen mehr oder weniger ein zweites Mal. Erneut kommt es zum Kampf zwischen Mensch und Fabelwesen, erneut steht Prinzessin Aurora zwischen den Fronten. Selbst der ewige Schlaf, der durch eine Spindel ausgelöst wurde, kommt ein zweites Mal zum Einsatz. Das kann man nun faul nennen oder dreist, es ist vor allem eins: langweilig. Wo die Neuinterpretation vor fünf Jahren teils noch durch überraschende Momente glänzte, hat man hier schon vorab nahezu alles gesehen.

Epische Schlachten, exzellente Duelle
Und doch sind es zwei Elemente, die einen ein wenig über die Enttäuschung und das Gefühl der fehlenden Relevanz hinwegtrösten. Das eine ist der Auftritt von Michelle Pfeiffer (mother!) als wunderbar intrigante und doch auch tragische Menschenkönigin. Das ungleiche Duell zwischen ihr und Wiederkehrerin Angelina Jolie ist eine Begegnung auf Augenhöhe, wie es das im ersten Teil noch nicht gegeben hat. Und auch sonst ist die Besetzung exzellent. Die zweite Stärke ist, dass Maleficent: Mächte der Finsternis einen Bereich abdeckt, der heutzutage im Kino nahezu ausgestorben ist: Fantasy-Abenteuer. Hier gibt es eben nicht nur kleine pummelige Feen und trällernde Prinzessinnen. Rønning lässt die Kontrahenten in einer riesigen Schlacht gegeneinander antreten, beschwört monströse Armeen und scheut sich auch nicht vor überraschend finsteren Momenten zurück.

Ob das aber für einen erneuten Kassenerfolg reichen wird, das ist zumindest fraglich. Diverse Elemente, die zuvor andere Remakehits ausmachten, fehlen. Es gibt kein einziges Lied, die anfängliche Romanze zwischen Aurora und Philipp rückt schnell in den Hintergrund. Selbst die lustigen Sidekicks haben kaum etwas zu melden: Die drei kleinen Feen sind kaum zu sehen, Sam Riley als magischer Rabe geht es nur etwas besser. Dadurch ist Maleficent: Mächte der Finsternis ein Film, der irgendwie zwischen den Stühlen sitzt, als Dark Fantasy mit immerhin FSK 12 die Familien abschreckt, als großes Abenteuer jedoch noch den Disney-Ballast mitschleppt, zudem gleichzeitig überflüssig ist und doch viel zu sagen und zu zeigen hat.



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Maleficent: Mächte der Finsternis
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Maleficent: Mächte der Finsternis
„Maleficent: Mächte der Finsternis“ wiederholt über weite Strecken die Geschichte des Vorgängers, was den Kampf zwischen Mensch und Feen recht überflüssig und etwas langweilig macht. Die exzellente Besetzung und die überraschend großen Schlachten der beiden Seiten machen das Fantasy-Abenteuer dann aber doch irgendwie sehenswert, zumal vergleichbare Filme sehr selten geworden sind.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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