The Kids Are All Right

„The Kids Are All Right“ // Deutschland-Start: 18. November 2010 (Kino) // 19. September 2019 (DVD/Blu-ray)

Jules (Julianne Moore) und Nic (Annette Bening) führen eine beschauliche langjährige Beziehung, in der sie ihre beiden Kinder Joni (Mia Wasikowska) und Laser (Josh Hutcherson) groß ziehen, die sie durch eine Samenspende bekommen haben. Mit zwei Müttern ist die Familienkonstellation zwar anders als bei anderen Familien, doch die Probleme beschränken sich auf das übliche Chaos – bis die beiden Teenager ihren leiblichen Vater kennenlernen wollen. Hinter dem Rücken ihrer Mütter überraschen sie Paul (Mark Ruffalo) mit der Nachricht, dass er zweifacher Vater ist. Ein Treffen ist schnell organisiert und da Joni und Laser gern mehr Zeit mit ihm verbringen wollen, müssen dann auch Jules und Nic in den sauren Apfel beißen und ihren Spender kennenlernen. Doch durch diese Entscheidung hängt bald der Haussegen schief und droht, die Beziehung zu zerstören ….

The Kids Are All Right ist eine dieser Familiengeschichten, die zunächst nicht nur mit der thematischen Zeitlosigkeit zu bestechen wissen, sondern auch noch mit einem durchaus prominenten Cast punkten. Das Zusammenspiel von Julianne Moore (Still Alice) und Annette Bening (Film Stars Don’t Die in Liverpool) als lesbisches Paar funktioniert bis auf zwei drei kleinere Momente sehr gut. Während dabei Julianne Moore die aufgeschlossenere und direktere Frau Jules gibt, ist Jeannette Benings Character Nic ihren Kindern gegenüber oftmals doch zu verschlossen, zu zurückhaltend. Das Wechselspiel ihrer Beziehung wirkt hier sehr natürlich und ist auf jede Partnerschaft übertragbar.

Ein Paar wie jedes andere
An dieser Stelle macht der Film tatsächlich anfangs noch viel richtig, da die Situation des Paares, welches schon eine sehr lange Zeit zusammen ist, eben Beziehungshürden nehmen muss, die im Grunde fast jeder kennen dürfte oder zumindest im Ansatz schon mal irgendwie erlebt hat. Ganz so geglückt ist die Figurenentwicklung der beiden im weiteren Verlauf jedoch nicht. Gerade in Konfliktsituationen mit ihren beiden Teenagern merkt man den Figuren an, dass dort mehr Stillstand herrscht und man irgendwie nicht so richtig weiß, wie man die Konfrontationen auflösen soll. Während Jules zwar versucht offen über Sexualität mit ihrem Sohn zu sprechen, bremst Nic das Ganze wieder aus.

Diese Szenerie nicht weiterzuverfolgen, die beiden Frauen danach nochmal drüber sprechen zu lassen, warum sie dies oder jenes unberührt lassen wollen, beziehungsweise wie offen sie generell mit ihren Kindern umgehen wollen, ist an dieser Stelle leider viel verschenktes Potenzial. Diese und ähnliche Momente hätten detaillierter im späteren Verlauf der Familien- und der Figurendarstellung deutlich besser getan. Gerade im letzten Drittel verbaut sich der Film dadurch viel Atmosphäre und vor allem aber Charaktersympathien. Jules und Nic werden einfach zu oberflächlich und so richtig ist man als Zuschauer dann tatsächlich nicht mehr an einer Auflösung der Dramatik interessiert.

Und weiter …?
Ein noch schlimmeres Schicksal innerhalb der Dramaturgie ereilt dabei aber Mark Ruffalo in der Rolle des Samenspenders Paul, der das Familiengefüge gehörig ins Wanken bringt. Seine Figur mag anfangs noch eine der interessanteren sein. Allein wie sich die Beziehung zu seinen Kindern entwickelt und welche Ähnlichkeiten dabei hervortreten, obwohl sie sich noch nie vorher begegnet sind, ist schon nett anzusehen. Als Regisseurin und Co-Autorin Lisa Cholodenko aber nicht darauf verzichten kann, Jules und Paul gemeinsam ins Bett zu schicken, wirkt das nicht nur völlig überzogen, sondern auch vielmehr wie ein Racheakt. Eine erotische Spannung zwischen den beiden sucht man hier nämlich vergeblich, weswegen die Szenen zudem dann auch mehr als unnötig erscheinen. Paul wird in seiner Darstellung ab diesem Moment sogar nur noch zum männlichen Störenfried degradiert um irgend möglichst noch ein kleines Happy End für Jules und Nic zu erzwingen.

Cholodenko geht den Problemen ihres Skripts dann auch hier lieber aus dem Weg, lässt die Wut, die Enttäuschung und die Verwunderung im Raum stehen, als dass sie ihre Figuren den Dialog suchen lässt oder gar versucht jede Sicht der Beteiligten miteinzubeziehen. Und mit diesem verkorksten letzten Drittel von The Kids Are All Right manövriert sich der Film dann letzten Endes selbst in die Mittelmäßigkeit.



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The Kids Are All Right
3.75 (75%) 4 Artikel bewerten

The Kids Are All Right
Ein Familiendrama das zu einem Beziehungsdrama wird, welches dann im letzten Drittel mehr als enttäuscht. Das Skript lässt seine Figuren zugunsten eines erzwungenen und unausgegorenen Happy Ends im Verlauf so sehr auf der Strecke, dass nicht nur die männliche Hauptrolle in der totalen Bedeutungslosigkeit verschwindet. Die ersten zwei Drittel retten den Film gerade so in ein gutes Mittelmaß.
6von 10

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