Der Fluch der gruenen Augen
© Pidax Film

Der Fluch der grünen Augen

Der Fluch der gruenen Augen
„Der Fluch der grünen Augen“ // Deutschland-Start: 10. April 1964 (Kino) // 18. Oktober 2019 (DVD)

Nach sieben Todesfällen steht die Polizei eines kleinen Dorfes vor einem Rätsel, denn keiner weiß so richtig, ob es sich um Morde handelt oder nicht. Schließlich wird Interpol gebeten, einen Experten, Inspektor Frank Dohren (Adrian Hoven), zu entsenden, dem der Auftrag eher lästig ist. Bereits seine Ankunft in dem kleinen Dorf verheißt nichts Gutes: Nicht nur bleibt sein Auto auf einmal mitten auf der Strecke stehen, er wird auch sogleich vom Wirt der einzigen Gaststätte im Dorf mit dem Aberglauben der Einwohner konfrontiert. Die denken nämlich, dass in einer nahen Grotte Vampire hausen, die nicht nur für die Morde, sondern auch für die häufigen Stromausfälle in der Stadt verantwortlich sind. Als Mann, der eher Fakten vertraut, glaubt Dohren natürlich keins der Gerüchte. Dennoch begegnet ihm im Dorf eine gewisse Feindseligkeit, eine Unruhe, die nicht zuletzt vom Anwesen des Professors von Adelsberg (Wolfgang Preiss) und dessen Diener John (John Kitzmiller), einem Afroamerikaner, auszugehen scheint. Jedoch hat Dohren nicht viel Zeit für ausführliche Ermittlungen, denn seine Bosse bei Interpol wollen Ergebnisse sehen und schon bald sterben die nächsten jungen Frauen.

Große Vorbilder
Der ungarische Regisseur Ákos Ráthonyi gehört zu jenen mittlerweile fast vergessenen Filmemachern, die gerade im deutschen Nachkriegskino Unterhaltungsfilme machten. Zu seinen Filmen gehören Titel wie Kätchen für Alles (1949) oder Frau Warrens Gewerbe (1959), die nicht nur diverse Genres bedienen, sondern zudem Ráthonyi Faible für die Oper und das Theater Respekt zollen. Auch die Edgar Wallace-Verfilmung Das Geheimnis der gelben Narzissen (1961) geht auf sein Konto, ein nicht unerheblicher Erfolg, der wohl nicht ganz unschuldig daran ist, dass Ráthonyi viele der für diese Filme typischen Elemente in Der Fluch der grünen Augen nutzte, der das Kunststück versucht, eine Krimihandlung in einen waschechten Horrorfilm zu transformieren.

Die Vorbilder des Drehbuchs von Kurt Roeken und Ákos Ráthonyi sind spätestens mit der Ankunft des Inspektors im Dorf offenbar. Während das Grundgerüst des mysteriösen Wissenschaftlers, des geheimnisumwitterten Schloss und der Aberglaube der Dorfbewohner deutliche Spuren der Dracula-Filme aufweist, besonders jene mit Bela Lugosi in der Rolle des legendären Grafen, so erinnert gerade das expressive Spiel mit Licht und Schatten an Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens. Auch Spuren von etwa Mario Bavas Meisterwerk Die Sunde, wenn Dracula kommt meint man zu erkennen, insbesondere im Aussehen der weiblichen Blutsauger.

Für einen Film der damaligen Zeit mag ein solcher Zitateteppich ganz ansprechend gewesen sein, wirkt aber aus heutiger Sicht etwas antiquiert und wenig eigenständig. Auch wenn die Bilder Hrvoje Sarics durchaus atmosphärisch sind, will nicht wirklich Spannung aufkommen über die gesamte Laufzeit des Films, was nicht zuletzt an der offensichtlichen Struktur des Films liegt, der die Natur der Morde wie auch die wirkliche Identität mancher Charakter berechenbar macht. Wenn ein Charakter einen Satz spricht wie „In meinem Alter schläft man nicht mehr“, mag dies manchen zum Schmunzeln bringen oder man wird genervt mit den Augen rollen.

Aberglaube und Ausgrenzung
Schade sind im Nachhinein die vielen verpassten Chancen von Der Fluch der grünen Augen, eigene, neue Wege zu beschreiten. Gerade um Charaktere wie den afroamerikanischen Diener John oder den körperlich behinderten Thomas deuten sich immer wieder Themen wie Ausgrenzung oder Rassismus an, der sich hinter Tradition und Aberglaube versteckt. Wenn John an seinem freien Tag die Gaststätte aufsucht, um ein Bier zu trinken, ist die Aggression im Raum spürbar, als dieser Fremde den Raum betritt, dieser Andere. Eine ähnliche Form der Ausgrenzung erfährt Thomas, der wegen seiner Wutausbrüche mit einer Mischung aus Mitleid und Verachtung in den Reihen der Dörfler geduldet wird.

Dies mögen innerhalb der Laufzeit des Films nur wenige Momente sein, aber sie deuten auf eine Möglichkeit hin, eine die erst Regisseure wie Kathryn Bigelow in Near Dark oder Jim Jarmusch in Only Lovers Left Alive wiederaufgegriffen haben, nämlich das Porträt des Vampirs als den ultimativen Außenseiter oder als Symbol für eben jene Aggression und Wut, die wir in uns tragen. Leider fehlt es Ákos Ráthonyi für diesen Schritt an Mut oder die Zeiten waren einfach noch nicht so weit.



(Anzeige)

„Der Fluch der grünen Augen“ ist eine Mischung aus Kriminalfilm und Horrorfilm, die an ihrer berechenbaren Struktur leidet und dadurch kaum Spannung erzeugt. Visuell ganz ordentlich, wenn auch deutlich an bestimmten Vorbildern orientiert, bleibt Ákos Ráthonyis Film ein Streifen, der leider heutzutage keinen mehr überzeugen kann.
3
von 10