The Clovehitch Killer

„The Clovehitch Killer“ // Deutschland-Start: 1. August 2019 (DVD/Blu-ray)

Bislang war das Leben des 16-jährigen Tyler Burnside (Charlie Plummer) eigentlich nicht besonders aufregend gewesen. Er wohnt in einer Kleinstadt, geht mit seiner Familie regelmäßig in die Kirche, träumt davon, bei den Pfadfindern Abzeichen zu machen. Doch dann stößt er eines Tages im Truck seines Vaters Don (Dylan McDermott) auf das Bild einer gefesselten Frau. Verwirrt beginnt er der Sache nachzugehen und stößt dabei auf die Geschichte eines Serienmörders, der zehn Jahre zuvor sein Unwesen getrieben haben soll. Was wenn sein Vater es gewesen ist? Tyler will es genauer wissen und tut sich daher mit der Außenseiterin Kassi (Madisen Beaty) zusammen.

Zuletzt erfreuten sich Geschichten um junge Protagonisten und Protagonistinnen, die einer finsteren Sache auf der Spur sind, großer Beliebtheit. Das kann mal in die fantastische Richtung gehen wie bei Es oder Stranger Things. Aber auch in der (fiktiven) Realität kann jugendliche Neugierde sehr gefährlich sein, wie Summer of 84 bewies, in der eine Freundesclique einem Mörder hinterherschnüffeln. The Clovehitch Killer geht da in eine ganz ähnliche Richtung. Mit einem großen Unterschied: Der Verdächtige ist nicht irgendein Nachbar, der sich komisch verhält. Hier ist es der eigene Vater, dem das Heldenduo nicht mehr über den Weg traut.

… und was dann?
Das sorgt natürlich für eine ganz andere Form von Spannung und Ambivalenz. Während man sich als Zuschauer meistens schon darauf freut, wie der Täter überführt wird, da ist das hier doch schon ein ganzes Stück unangenehmer. Denn was, wenn Don wirklich der Täter ist? Was macht das mit seiner Familie? Was macht das mit Tyler, der offensichtlich sehr an ihm hängt? The Clovehitch Killer ist deshalb nicht allein ein Thriller um die Jagd auf einen Serienmörder. Der Film hat auch sehr dramatische Elemente, die sich darum drehen, wie mit der hypothetischen Schuld eines engen Familienmitglieds umzugehen ist.

Wobei sich Drehbuchautor Christopher Ford (Cop Car, Spider-Man: Homecoming) ein bisschen vor einer zu tiefen Auseinandersetzung mit diesem Thema drückt. Wenn Tyler sich schwer damit tut, seinen Vater mit den grausamen Morden in Verbindung zu bringen, ist das mehr als verständlich. Selbst wer nicht besonders gut mit den Eltern klar kommt, für Mörder will man sie dann doch nicht halten. An anderen Stellen fragt man sich aber schon, warum sich die einzelnen Figuren verhalten, wie sie es tun. Da wären tiefere Einblicke in die Psyche der Charaktere schon hilfreich gewesen. Manches widerspricht auch dem gesunden Menschenverstand.

Langsames Vorspiel
Das ist insofern auffällig, weil sich The Clovehitch Killer stärker auf die Figuren konzentriert und sich die üblichen Serienmörder-Szenen aufspart. Hier wird eben nicht unentwegt jemand umgebracht. Genauer ist nicht einmal klar, ob der Mörder überhaupt noch in der Stadt ist, weil seit Jahren kein neuer Fall bekannt wurde. Zuschauer und Zuschauerinnen, die nur darauf warten, dass Frauen in dunklen Gassen oder in den Wäldern ermordet werden, die werden sehr lange warten müssen. Die Spannung des Films besteht vorrangig in der Frage, ob Don wirklich der Täter ist und wie Tyler damit umgehen würde, wenn das wahr ist. Wirkliche Lebensgefahr besteht dabei nicht.

Diese etwas andere, sehr ruhige Herangehensweise an das Thema sollte man schon mögen können, um hier auf seine Kosten zu kommen. Sollte dies der Fall sein, wird man mit einer ordentlich düsteren Atmosphäre sowie überzeugenden Darstellerleistungen belohnt. Vor allem Dylan McDermott sticht an der Stelle hervor: Wer den Schauspieler für seine actiongeladenen Rollen (Automata, Freezer – Rache eiskalt serviert) kennt, wird ihn hier als etwas unbeholfenen Vater kaum wiedererkennen, dem man auf Anhieb tatsächlich nicht ansieht, worauf sein Verhalten genau zurückzuführen ist. Das ist vor allem in der ersten Hälfte sehenswert. Die zweite schwächelt hingegen, wenn The Clovehitch Killer doch ein regulärer Thriller sein will und sich auf ein paar alte Tricks verlässt, die in dem Zusammenhang ein bisschen billig sind. Und auch das Ende ist eher enttäuschend.



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The Clovehitch Killer
3.52 (70.43%) 23 Artikel bewerten

The Clovehitch Killer
Was, wenn mein Vater ein Serienmörder ist? In „The Clovehitch Killer“ hat ein Jugendlicher einen ganz bösen Verdacht und versucht, die Wahrheit herauszubekommen. Das ist atmosphärisch ganz gut, auch die Darsteller sind sehenswert. Nach der ruhigen ersten Hälfte will der Thriller aber doch regulär Spannung erzeugen, was irgendwie nicht so richtig klappt, zum Ende hin auch enttäuscht.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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