And Your Bird Can Sing

And Your Bird Can Sing

And Your Bird Can Sing
„And Your Bird Can Sing“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Die ganz großen Ambitionen haben die Jungs in der WG sicher nicht. Während der eine (Tasuku Emoto) zumindest noch eine Arbeit in einem Buchladen hat – auch wenn er das mit dem Arbeiten nicht ganz so genau nimmt –, macht Shizuo (Shota Sometani) … nichts. Sie leben von einem Tag zum nächsten, mal auch von Nacht zu Nacht. Verpflichtungen müssen da schon mal einem kleinen Besäufnis weichen. Erst als Sachiko (Shizuka Ishibashi) zum Duo hinzustößt, die ebenfalls in dem Buchladen arbeitet, kommt ein wenig Bewegung in die Geschichte. Denn die will dann doch noch ein bisschen mehr vom Leben.

Bald 30 Jahre ist Yasushi Satô inzwischen bereits tot. Aber noch immer finden Filmemacher in den Werken des japanischen Autors Inspirationen, um etwas über das hier und jetzt zu sagen. In Over the Fence trafen ein schwermütiger Arbeitsloser und eine lebenshungrige Durchgeknallte aufeinander, um gemeinsame nach dem Glück zu suchen. Und auch And Your Bird Can Sing bringt uns Menschen näher, die irgendwie aus dem Tritt geraten sind, nicht so richtig wissen, was sie eigentlich mit ihrem Leben anfangen wollen.

Stress mich nicht
Wobei die Figuren das hier gar nicht so sehr stört, zumindest nach außen hin. And Your Bird Can Sing, so erscheint es zunächst, ist ein typischer Slacker-Film. Ein Film über Leute, die noch nicht so ganz im Ernst des Lebens angekommen sind, aber auch nicht vorhaben, etwas daran zu ändern. Warum auch? Man kann stattdessen ja ein bisschen feiergehen. Oder einfach mal schlafen. Das wird irgendwann schon von allein anders werden, hinterherlaufen muss man dem Stress nicht.

Das hört sich entspannt an. Aber ist es auch spannend? Wie interessant kann es schon sein, jungen Menschen beim Nichtstun zuzusehen? Die Frage lässt sich nicht ganz so einfach beantworten, wie zu vermuten wäre. Die beiden Jungs für sich genommen laden tatsächlich wenig dazu ein, ihnen allzu viel Gesellschaft leisten zu wollen – zumindest als Zuschauer. Und wäre da nicht noch nicht Sachiko, mit recht viel Pfeffer von Ishibashi (The Tokyo Night Sky Is Always the Densest Shade of Blue) verkörpert, man wüsste nicht so recht, was das hier sollte. Ob man das kollektive Faulenzen mit seiner Anwesenheit beehren sollte. Figuren begleiten soll, die zu faul sind, um eine Persönlichkeit zu entwickeln. Die im Fall der Hauptfigur nicht einmal einen Namen haben.

Das Etwas hinter dem Nichts
Wobei es hin und wieder die leisen Zwischentöne sind, kaum hörbar, die den Beitrag von der Nippon Connection 2019 auszeichnen. Das Gefühl, dass da einiges nicht gesagt wird. Dass man auch zu sich selbst nicht wirklich die Wahrheit sagt. And Your Bird Can Sing ist ein Film über ein bestimmtes Alter zwischen Schule und Studium, zwischen altem und neuem Stress. Ein Alter, das ein bisschen nach Freiheit riecht. Das im nächsten Moment aber auch irgendwie leer wirkt, ohne Sinn. Ohne ein echtes Glück auch: Feiern und Alkohol und laute Musik überlagern nur zeitweise, dass die Figuren nichts haben.

Der tragischste Moment ist dann auch, wenn das flüchtige Glück schon wieder zu zerrinnen droht. Wenn all das Lachen, all das Tanzen und Feiern nur dazu führt, wieder am Anfang zu stehen. Eine plötzlich überwältigende Wut klar macht, dass da mehr ist, dass das Leben mehr sein muss als das ziellose Treiben durch eine Welt, die sich nicht für dich interessiert. Dass es sich vielleicht doch mal lohnen würde, wieder hinterherzulaufen. Aber dann ist es vielleicht doch zu spät: And Your Bird Can Sing bleibt sich auch da treu, lieber im Vagen zu bleiben, die eine oder andere Frage offen zu lassen, während wir darauf warten, was noch passieren mag. Oder eben auch nicht passieren mag.



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„And Your Bird Can Sing“ stellt uns zwei japanische Mitbewohner vor, die vor sich hin leben, ohne wirklich etwas zu tun. Das fängt schön die Atmosphäre eines bestimmten Alters ein, hat zumindest an manchen Stellen auch ein bisschen was zu erzählen, wenn man genauer hinhört. Spannend ist der Film jedoch sicher nicht, vor allem die eher persönlichkeitsarmen jungen Männer sind manchmal eine Geduldsprobe.
6
von 10