Ploey

„Ploey“ // Deutschland-Start: 18. Oktober 2018 (Kino)

Der frisch geschlüpfte Regenpfeifer Ploey hat einen großen Traum: Er möchte einmal den Schwarm Zugvögel in den Süden anführen, so wie es sein Vater jedes Jahr tut. Doch dieses Mal soll alles anders sein. Erst stirbt sein Vater bei dem Versuch, Ploey vor dem gefräßigen Falken Shadow zu beschützen. Und dann wird das Küken auch noch von den anderen Vögeln allein zurückgelassen in dem Glauben, es wäre von der Katze erwischt wurden. Gemeinsam mit dem Schneehuhn Giron tritt Ploey nun eine eigene Reise an, zum weit entfernten Paradise Valley – und muss dabei doch immer an seine Familie denken.

Auch wenn es bei den aktuellen Temperaturen eigentlich keinen Anlass mehr dafür gibt, in Richtung Süden zu fliegen, zumindest dem Kalendar nach kommt Ploey – Du fliegst niemals allein zu einem sehr passenden Zeitpunkt in die Kinos. Schließlich stehen jetzt die weiten Reisen der Zugvögel an, die sich zusammenschließen, um der Kälte der Heimat zu entfliehen. Das ist immer ein dankbares Thema für Animationsfilme, Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper und Gans im Glück nahmen ganz ähnliche Szenarios, um große Abenteuer für kleine Zuschauer zu erzählen.

Es gibt viele Abgründe zu überwinden
Wobei: Zu klein sollten sie hier nicht sein. Der Film beginnt damit, dass Ploeys Vater Shadow zum Opfer fällt. Auch Giron hat traurige Erfahrungen gesammelt. Und wenn Ploey aufgrund seines Traumas nicht mehr fliegen kann, dann ist das auch nicht unbedingt das, was sich der eigene Nachwuchs von einem Film erwünscht. Natürlich wird sich das im Laufe der gut 80 Minuten wieder ändern: Ploey ist ein klassisches Abenteuer, in dem ein junger Protagonist lernen muss, seine Ängste zu überwinden und über sich hinauszuwachsen. Bei dem am Ende auch alles gut wird.

Zu diesem Zweck gibt es den obligatorischen Bösewicht, dem man seinen fiesen Charakter schon an der Schnabelspitze ansieht. Ploey versucht dann auch nicht erst, aus diesem mehr zu machen als eine Funktion, in dem Kampf guter David gegen böser Goliath ist kein Platz für Zwischentöne. Oder tatsächliche Überraschungen. Die isländisch-belgische Coproduktion hat keinerlei Ambitionen, von den etablierten Flugbahnen abzuweichen und unterwegs spannende neue Plätze zu entdecken. Auch wenn das Abenteuer für Ploey wahnsinnig groß und aufregend erscheint, für das Publikum gilt das nur bedingt.

Ordentliche Umsetzung
Visuell stimmt beim Beitrag vom Kinder- und Jugendfilmfest Schlingel 2018 dafür die Abwechslung. Wunderwerke sollte man sich von einer solchen europäischen Low-Budget-Produktion natürlich nicht erwarten, an vielen Stellen wird da doch eher grob modelliert. Der Isländer Árni Ólafur Ásgeirsson und sein Team machen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Sache aber zumindest ordentlich, nutzen auch die immer wieder gern gesehenen Nordlichter, um kleine Augen groß werden zu lassen. Eine tatsächliche Bereicherung für das deutsche Kino ist Ploey eher nicht, dafür ist die Mischung aus Wohlfühlszenen, brenzligen Momenten und kleinen Humoreinlagen zu gewöhnlich. Der Film tut aber auch nicht weh, macht das, was er soll, nicht mehr, nicht weniger.

Ploey – Du fliegst niemals allein
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Ploey – Du fliegst niemals allein
Wenn in „Ploey“ ein kleiner Vogel allein durch den Winter kommen muss, dann bedeutet das ein Flugabenteuer entlang etablierter Bahnen. Ein bisschen Spannung, ein bisschen Humor, dazu ein Held, der erst noch einer werden muss und ein klar definierter Böser. Das ist alles nichts Besonderes, aber solide umgesetzt.
5von 10

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