Gans im Glueck

„Gans im Glück“ D-Release // Kino: 9. August 2018

So richtig viel hat Gänserich Peng ja nicht für andere übrig. Bewundert? Oh ja, das wird er gern, weshalb er regelmäßig seine Schar mit Kunstflügen durcheinanderbringt. Sich um andere zu kümmern, das liegt ihm jedoch weniger. Als er eines Tages den beiden Entenküken Lissy und Lucky begegnet, denkt er deshalb auch zunächst nicht daran, ihnen bei der Suche nach ihrer Familie zu helfen. Schlussendlich willigt er aber doch ein, könnten die zwei ihm doch ganz nützlich sein, wenn er selbst versucht, zu seiner eigenen Schar zurückzufinden. Doch je mehr Zeit er mit den beiden verbringt, umso mehr muss er sich eingestehen, dass er die zwei vielleicht doch ganz gern hat – was für ihn eine völlig neue Erfahrung darstellt.

China ist der Kinomarkt der Zukunft, darüber sind sich die meisten einig. Was dort schon jetzt Filme teilweise einspielen – siehe etwa The Mermaid oder Wolf Warrior 2 –, da läuft westlichen Studiobossen das Wasser im Munde zusammen. Da der Markt aber nur sehr schwer von ausländischen Firmen zu knacken ist, gibt es immer wieder kuriose Beispiele für Coproduktionen oder plötzlich auftauchende chinesische Elemente, um sich dem dortigen Publikum anzubiedern. Dieses Jahr waren es unter anderem The Meg, Pacific Rim: Uprising und Skyscraper, die auf diese Weise mächtig Kasse machen wollten. Im Bereich Animation halten sich solche Versuche bislang noch zurück. Aber es gibt sie, wie das Beispiel Gans im Glück zeigt.

Woher kommst du?
Als eine solche Copriduktion ist der Film zunächst aber kaum zu erkennen. Die chinesischen Namen, welche es in der US-Fassung noch gab, wurden in der deutschen Fassung westlich zugänglicher gemacht. Die Geschichte um drei Vögel, die zu einer gemeinsamen Schar werden, ist ohnehin ein international leicht zugängliches Thema, wie das zumindest verwandte Animationsabenteuer Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper zeigt. Lediglich bei den Landschaften gibt es offensichtliche Einflüsse aus dem Reich der Mitte, wenn die Reise über Felder führt, durch Wälder und Dörfer.

Das ist visuell erstaunlich gut gelungen. Zwar haben Peng und seine gefiederten Freunde aufgrund des massiven Schnabels nur wenig Möglichkeiten der mimischen Entfaltung. Die Animationen erfüllen aber allemal ihren Zweck, die Hintergründe sind teilweise sogar richtig schön geworden. Wer bei der Kombination China und CGI-Animation an solche optischen Verbrechen wie 3 Little Pigs and the Magic Lamp denkt, der sieht hier: Es geht auch anders. Es geht vor allem besser. Die Landschaften sind idyllisch und atmosphärisch, an einigen Stellen ist es fast schon schade, dass die Reise gleich wieder weitergehen muss.

Ein Vogel wie du und ich
Der Inhalt kann da nicht so ganz mithalten. Der Anfang ist relativ anstrengend, wenn dem immerhin vier Mann starken Drehbuchteam außer ein paar Furzwitzen nichts eingefallen ist, um das Publikum an sich zu binden. Und dass Gans im Glück zum Ende hin auf eine Annäherung zwischen dem egoistischen Gänserich und den beiden Küken hinausläuft, das wissen wir schon zu Beginn der Reise. Zwischendrin gibt es aber tatsächlich immer mal wieder amüsant Momente, beispielsweise wenn ein von Persönlichkeitsstörungen geplagter Kater Jagd auf Peng macht.

Und ein bisschen was Pädagogisches ist in Gans im Glück ja ohnehin dabei. Vor allem Peng muss erkennen, dass man gemeinsam stärker ist, dass das Kollektiv Vorrang vor individueller Entfaltung hat – der Film sollte ja schließlich in China laufen. Das ist irgendwo zwischen nett und berechnend, insgesamt wenig ambitioniert, zwischendrin dafür auch mal süß, vor allem temporeich: Hier passiert ständig etwas, damit die jungen Zuschauer auch ja nicht das Interesse verlieren. Nur die obligatorisch aufdringlichen Popsongs hätten mal wieder nicht sein müssen.

Gans im Glück
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Gans im Glück
Wenn ein egoistischer Gänserich und zwei hilfsbedürftige Entenküken sich zusammenschließen, weiß man eigentlich schon, wohin die Reise geht. Überraschend ist „Gans im Glück“ sicher nicht, teilweise durch die diversen Furzwitze und die aufdringlichen Popsongs auch recht anstrengend. Dafür gibt es gelegentlich gelungene Gags, zudem überraschend schöne, chinesisch inspirierte Landschaften.
5von 10

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