„Goodbye Christopher Robin“, UK, 2017
Regie: Simon Curtis; Drehbuch: Frank Cottrell-Boyce, Simon Vaughan; Musik: Carter Burwell
Darsteller: Domhnall Gleeson, Margot Robbie, Kelly Macdonald, Will Tilston

Goodbye Christopher Robin

„Goodbye Christopher Robin“ läuft ab 7. Juni 2018 im Kino

Wie wieder ein normales Leben beginnen, nachdem man den Schrecken des Krieges erlebt hat? So ergeht es Alan Alexander Milne (Domhnall Gleeson), der traumatisiert von den Erfahrungen im Ersten Weltkrieg keine Zeile mehr aufs Papier bringt. Ein Tapetenwechsel muss her, so wird beschlossen. Gemeinsam mit seiner Frau Daphne (Margot Robbie) und Sohn Christopher Robin (Will Tilston) zieht er aufs Land, um sich wieder auf das Schreiben von Theaterstücken konzentrieren zu können. Doch die Vergangenheit verfolgt ihn auch dorthin. Erst als er beginnt, Geschichten über Christopher und dessen Plüschbär Puuh zu schreiben, findet er wieder Freude in seinem Leben – und einen unerwarteten Erfolg.

Bei der Aufzählung von Disneys wichtigsten Franchises wird das rund um Winnie Puuh ganz gern mal vergessen. Das ist sicherlich verständlich, da die diversen Animationsfilme nie besonders erfolgreich waren. Der letzte Versuch, filmisch mit ihm Kasse zu machen – Winnie Puuh aus dem Jahr 2011 –, ging sogar kräftig daneben. Und das obwohl es eines der zauberhaftesten Werke des Mäuseimperiums der letzten Jahre war. Dafür aber nimmt das Unternehmen mit Merchandising jede Menge Geld ein, der so unscheinbare, simple Bär bedeutet noch immer ein Milliardengeschäft. Und so gibt es dieses Jahr dann auch gleich zwei Filme, die von der ungebrochenen Popularität profitieren wollen.

Woher kam dieser Bär eigentlich?
Während der im Sommer startende CGI-Real-Mix Christopher Robin von Disney selbst stammt und von dem mittlerweile erwachsenen Jungen erzählt, befasst sich Goodbye Christopher Robin mit dem Menschen hinter der Figur. Genauer erzählt der Film, wie es überhaupt zu dem berühmten Bären kam, aber auch was er in Folge für die Familie bedeutete. Und beide Elemente entpuppen sich als überraschend traurig und ernst. Ausgerechnet das süße Spielzeug, in das sich Millionen von Kindern kuschelten, von dem sie sich vorlesen ließen, entstand aus Schmerz und führte auch zu einem solchen.

Der größere Schwerpunkt des Films liegt darauf, wie sich das Leben der Familie Milne durch den enormen Erfolg veränderte. Sohn Christopher, der zur Hauptfigur seines Vaters wurde, avancierte ungewollt zum Kinderstar, musste Interviews geben und sich mit Fans treffen – Jahrzehnte, bevor Fernsehen oder soziale Medien das zu einer Alltäglichkeit machten. Auch wenn Goodbye Christopher Robin größtenteils in den 1920ern und 1930ern spielt, die Bücher selbst auch ein bisschen altmodisch heute wirken, das Drama hat auf diese Weise doch auch einer heutigen Generation eine Menge zu erzählen. Von den Schattenseiten des Ruhmes zum Beispiel.

Das Dunkel in der Ferne
Sonderlich stark in die Tiefe geht der Film dabei nicht. Das Kriegstrauma, das Milne mit sich herumschleppte, spielt nur als Initiator der Puuh-Geschichte eine Rolle. Und wenn wir Zeuge werden, wie Christopher von seinen Eltern als Produkt missbraucht wird, dann geschieht das auf eine eher humorvolle und überzogene Weise. Simon Curtis, der zuvor unter anderem beim oscarnominierten My Week with Marilyn Regie führte, möchte seinem Publikum dann doch nicht ganz so viel zumuten, bleibt nahe bei den Kindern. Selbst in den dunkelsten Momenten – und von denen gibt es in Goodbye Christopher Robin einige –, entfernt er sich lieber nicht zu weit weg von der sonnendurchfluteten Idylle.

Aber auch wenn der Film letztendlich ein bisschen zu nett bleibt, die Eltern nicht viel mehr als Karikaturen sein dürfen, irgendwie geht das Ganze dann doch zu Herzen. Man leidet mit dem Jungen, wenn er mal wieder im Stich gelassen wurde, freut sich auf die gemeinsamen Momente mit dem Vater. Vor allem wenn Will Tilston als junger Christopher und Domhnall Gleeson (Peter Hase, Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht) in seltener Zweisamkeit den Wald erkunden, dann ist die Leinwand von dieser Magie und der Fantasie beflügelt, welche die Bücher von Milne auszeichnen. Und auch dieser Melancholie, die einen befällt, wenn ein Sommer zu Ende geht, der Alltag wartet und aus kleinen Jungen langsam Erwachsene werden.

Goodbye Christopher Robin
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Goodbye Christopher Robin
Die Geschichten um Winnie Puuh haben Millionen von Kindern erfreut. Dabei ist die Geschichte hinter diesen Geschichten erstaunlich düster und traurig: Zwischen Kriegstrauma und Vernachlässigung durch die Eltern erzählt „Goodbye Christopher Robin“, wie eng manchmal Licht und Schatten beieinander liegen. So ganz traut sich der Film dann zwar doch nicht in die dunklen Abgründe, emotionale Momente erzeugt aber auch diese Light-Variante genügend.
7von 10

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