„The Clapper“, USA, 2017
Regie: Dito Montiel; Drehbuch: Dito Montiel; Vorlage: Dito Montiel; Musik: Jimmy Haun, David Wittman
Darsteller: Ed Helms, Amanda Seyfried, Russell Peters, Tracy Morgan

The Clapper

„The Clapper“ ist seit 2. Mai 2018 auf Netflix verfügbar

So richtig hohe Ansprüche hat Eddie (Ed Helms) eigentlich nicht an sein Leben. Seinen Lebensunterhalt verdienen er und Kumpel Chris (Tracy Morgan) damit, in Werbesendungen an den richtigen Stellen zu klatschen oder Fragen zu stellen. Ansonsten verbringt er seine Zeit gern an einer Tankstelle, wo er mit seinem Schwarm Judy (Amanda Seyfried) ein paar Minuten täglich verbringen kann – unter dem Vorwand dort etwas zu kaufen. Dieses unaufgeregte Leben wird jedoch eines Tages empfindlich gestört, als der Talkshow-Gastgeber Jayme Stillerman (Russell Peters) auf ihn aufmerksam wird und ihn zum Thema seiner Sendung macht. Eddie verliert daraufhin seinen Job, wird jedoch zu einer nationalen Berühmtheit. Denn jetzt will jeder die Geschichte hinter dem Klatscher wissen.

Es soll ja Leute geben, die immer noch davon überzeugt sind, dass das im Fernsehen alles wahr ist. Umso kurioser muss die Vorstellung sein, dass manche Sendungen falsche Zuschauer bezahlen, um zu klatschen und Stichwortgeber zu sein. Einmal hinter diese falschen Kulissen zu schauen, die Mechanismen und Gepflogenheiten dieser an Betrug grenzenden Sendungen aufzugreifen, das wäre sicher ein spannendes Thema. Regisseur Dito Montiel, der hier seinen eigenen Roman Eddie Krumble Is the Clapper verfilmt, hat daran jedoch seltsam wenig Interesse.

Jeder kann ein Star sein!
Stattdessen richtet der Amerikaner, der zuletzt die Dramen Boulevard und Man Down inszeniert hat, seine Augen auf einen anderen Bereich des Medienungeheuers. Sympathisch ist es durchaus, wie er Sendungen an den Pranger stellt, die der Quote wegen einfache Menschen ausnutzen. Gleiches gilt für die Eigenheit der YouTube-Generation, dass ein absoluter Niemand plötzlich zum Star werden kann. Nicht weil er etwas erreicht hätte. Hype muss nicht mit Leistungen oder Stärken zusammenhängen. Manchmal reicht es einfach, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Oder zu falschen Zeit am falschen Ort. Ein wenig spielt Montiel ja damit, dass dieser schnelle Ruhm nicht unbedingt ein Segen sein muss. Dass es nicht wünschenswert ist, wenn auf einmal jeder dein Gesicht kennt. Doch auch hier zeigt der Filmemacher ein befremdliches Desinteresse an dem Thema. Stattdessen bemüht er sich, aus der Geschichte eines berühmten Nobodys unbedingt eine Romanze machen zu müssen. Dass Eddie ein Klatscher ist, wird schnell vergessen, die absurde Idolsehnsucht der Gesellschaft ebenfalls. Viel lieber möchte The Clapper dann ein Film über einen Kauz sein, der am Ende sein Mädchen bekommt.

Sie lieben sich … weil?
Das kann man natürlich machen, wenn man unbedingt möchte – auch wenn es bedeutet, ein wirklich originelles Szenario unnötig zu verheizen. Problematisch wird es jedoch, wenn dieser Aspekt ebenfalls kaum ausgearbeitet wird. Warum Judy sich ausgerechnet in Eddie verlieben sollte, das verheimlicht uns das Drehbuch. Es verrät uns umgekehrt aber auch über sie herzlich wenig. Beide sind irgendwie da, der Klatscher und die Tankwartin, werden beide irgendwie ein Paar, ohne dass man genau wüsste warum. Es fehlt die Geschichte, es fehlt die Entwicklung, es fehlt auch die Chemie, um der Romanze einen emotionellen Boden zu geben.

Das Ergebnis ist am Ende nicht so schlecht, wie sich das anhören mag. Es ist auch nicht so schlecht, wie die verheerenden Kritiken in den USA versprechen. Es bleibt jedoch am Ende ein Film, der nichts Halbes und nichts Ganzes ist. The Clapper ist eine Romanze ohne Romantik, eine Komödie ohne nennenswerte Witze, eine Satire, die sich zu früh aus dem Staub macht und lieber ein bisschen was fürs Herz liefern will. Das lässt sich gut im Hintergrund anschauen, während man mit Wichtigerem beschäftigt ist oder zumindest so tut. Aber da wäre doch insgesamt sehr viel mehr drin gewesen als diese unausgegorene Mischung.



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The Clapper
3.12 (62.35%) 34 Artikel bewerten

The Clapper
Ein professioneller Klatscher wird ungewollt zur Berühmtheit – das ist als Szenario richtig originell. Nur weiß „The Clapper“ damit nicht wirklich was anzufangen. Der Film funktioniert weder als Komödie noch als Satire, da er gleichzeitig auch eine ebenfalls halbgare Romanze sein will. Anschauen kann man sich das Ergebnis, das Potenzial bleibt aber auf befremdliche Weise ungenutzt.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Monika Löffler-Eilfeld

    Die Synchronisation dieses Films ist Grottenschlecht( the clapper)
    Die Stimmen sind so schlecht, es hört sich an wie auf diesen Verkaufsendern

    Antworten

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