(OT: „Gekijōban Horikku: Manatsu no Yo no Yume“, Regie: Tsutomu Mizushima, Japan, 2005)

xxxHolic Der FilmWenn das mal kein Zufall ist. Erst kommt eine junge Frau zu Yūko und bittet sie, ihr bei einer seltsamen Angelegenheit zu helfen: Ihr goldener Schlüssel würde einfach nicht die Tür ihrer Villa öffnen. Und dann erhält die magiebegabte Yūko noch eine eigenartige Einladung zu eben jener Villa. Das lässt sie sich nicht zweimal sagen und macht sich daher mit Watanuki und Dōmeki auf den Weg, das Anwesen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei stellen sie fest, dass sie nicht die einzigen Gäste sind: Eine Reihe von Menschen sind dort versammelt, jeder für sich ein begeisterter Sammler. Nur der Gastgeber will sich nicht blicken lassen. Und das ist nur der Auftakt zu einer Nacht, die keiner von ihnen je vergessen wird.

Auch wenn sie unter dem gemeinsamen Namen Clamp auftreten, die Künstlerinnen der Manga-Gruppe sind kaum auf eine bestimmte Richtung festzunageln. Da waren viele kindliche Werke dabei, die auf ein weibliches Publikum abzielten (Card Captor Sakura). Aber auch düstere Geschichten erzählen die Japanerinnen ganz gerne mal, etwa bei ihrem Debüt RG Veda oder dem nicht abgeschlossenen Klassiker X. Und auch in xxxHolic, welches 2003 als Manga begann und 2006 als Animeserie umgesetzt wurde, tauchen sie ganz gerne mal in fantasievolle Abgründe ein.

Mit Mut zu Lücke unterhaltsam
Man muss beide nicht zwangsweise gesehen haben, um die Filmversion anschauen zu können. Wer es etwas eiliger hat, kann auch direkt hiermit einsteigen, muss sich aber darauf einstellen, dass Kontexte völlig fehlen. Regisseur Tsutomu Mizushima (Blood-C – Die komplette Serie, Another) verzichtet darauf, Situation oder Figuren großartig vorstellen zu wollen. Woher Yūko ihre Kräfte hat bleibt ebenso unklar wie ihre Beziehung zu den beiden jungen Männern. Und auch die Querverbindung zur anderen Clamp-Geschichte Tsubasa Chronicle – beide Filme teilen sich eine Box, eine Szene verweist auf die Schwesterproduktion – bleiben ein Mysterium. Notwendig ist das aber auch nicht, xxxHolic macht auch so jede Menge Spaß.

Zum einen hält der Film viele komische Situationen bereit. Watanuki und Dōmeki geraten eigentlich ständig aneinander, müssen aber dennoch – oder gerade deswegen – das Abenteuer gemeinsam durchstehen. Auch die Begegnung mit den eigenwilligen Sammlern bringt den einen oder anderen Lacher mit sich. Vor allem aber, wenn die Nacht hereinbricht und die Villa zu einem Eigenleben erwacht, wird es wunderbar kurios. Ohne größere Unterbrechungen geraten die zwei in seltsame Situationen, begegnen Wesen aus einer anderen Welt. Eine Art Alice im Wunderland wenn man so will, nur eben in einem Haus.

Humor und Horror Hand in Hand
Gleichzeitig wird mit Elementen des Haunted-House-Genres gespielt. Nicht nur des Versteckspielens wegen erinnert xxxHolic hier an den Horrorkurzfilm Kakurenbo – Hide and Seek. Während bei Letzterem aber Grusel und Schrecken im Vordergrund stehen, gleicht das hier eher einem surrealen Trip. Das Animationsstudio Production I.G, welches sowohl bei psychedelischen (Dead Leaves) wie auch unheimlichen Animes (Ghost Hound) auskennt, hat hier ein Werk geschaffen, das für alle Freunde des Sonderbaren ein wahres Fest fürs Auge darstellt.

Nicht einmal die menschlichen Charaktere sind normal, mit ihren übertrieben langen Beinen sind die schlaksigen Protagonisten ebenso wenig in der Realität verhaftet wie ihr sich ständig veränderndes Umfeld. Visueller Wermutstropfen sind hingegen die zahlreichen CGI-Elemente, welche 12 Jahre später mehr als veraltet sind. Ansonsten aber erwartet einen hier eine bunte Mischung aus bizarren Wesen und unwirklichen Schauplätzen. Manches davon ist tatsächlich spannend, was bei Animes in diesem Bereich keine Selbstverständlichkeit ist. Dafür werden nicht einmal übertriebene Blutorgien gebraucht, Spannung entsteht hier noch klassisch aus dem Unbekannten und Unfassbaren. Wer also ein Faible für traditionelle und zugleich abgefahrene Schauermärchen hat, sollte bei dem seinerzeit in Annecy für den großen Preis nominierten Animationsfilm unbedingt mal reinschauen.

xxxHolic – Der Film
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xxxHolic – Der Film
Eine mysteriöse Villa, ein verschwundener Gastgeber und jede Menge komischer Figuren: Die Manga-Adaption „xxxHolic“ wandelt gekonnt an der Grenze zwischen Humor und Spannung und wird im weiteren Verlauf zu einem selten gesehenen surrealen Trip. Der hat zwar ein paar Schönheitsfehler und hält sich beim Inhalt zurück, bannt einen aber bis zuletzt aufgrund der unvorhersehbaren Einfälle an den Fernseher.
7von 10

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