(„The Promise“, Regie: Terry George, Spanien/USA, 2016)

The Promise

„The Promise“ läuft ab 17. August 2017 im Kino

Der erste Weltkrieg steht kurz bevor, die Hauptstadt des Osmanischen Reiches ist geplagt von anhaltenden Unruhen und der Medizinstudent Mikael Boghosian (Oscar Isaac) ist mittendrin. Dort lernt er die schöne Künstlerin Ana Khesarian (Charlotte Le Bon) kennen und lieben. Wäre da nur nicht der amerikanische Fotojournalist Chris Myers (Christian Bale) – ihr Geliebter. Bevor sich jedoch das Liebestrio über den jeweiligen Beziehungsstatus einig wird, zwingt die drei der Krieg zur Flucht. Unter der Gefahr des andauernden Genozid gegen das armenische Volk muss jeder von ihnen über seine Grenzen hinaus wachsen. Ein einschneidendes Erlebnis, welches ihre Liebe auf eine lebensbedrohliche Probe stellt und die Zukunft des Landes nachhaltig prägt.

Der armenische Völkermord in den Jahren 1915 und 1916 gilt bis heute als einer der wohl grausamsten Genozide des 20. Jahrhunderts. Trotz umfangreicher Dokumentation der Vorkommnisse streitet die türkische Geschichtsschreibung jegliche Einwirkung ab. Für Laien dürfte dieses Thema wohl weniger Zugangspunkte bilden, für die betroffene Völkergruppe ist Regisseur Terry Georges (Hotel Ruanda) neuestes Werk dagegen eine Herzensangelegenheit. Um diese einem größeren Publikum und breiteren Plattform zu präsentieren, lehnt er sich an die darstellerische Präsenz von Größen wie Oscar Isaac (Star Wars: Episode VII), Charlotte Le Bon (Bastille Day) und Christian Bale (The Big Short), die das tragende Liebestrio bilden.

Weniger ist mehr
Das ermöglicht dem Zuschauer gleich zu Beginn eine klare Handlungssetzung. Der junge Mikael, der in die große Stadt zieht, um endlich Medizin zu studieren und sich verliebt; die schöne Künstlerin Ana, die viele Jahre in Frankreich gelebt hat, aber genau wie Mikael die armenischen Wurzeln teilt; und der gerechte Chris, der den Morden auf den Grund geht und dabei selber Gefahr läuft, von höchster Ebene zum Schweigen gebracht zu werden. Das Liebeswirrwarr ist im Endeffekt nur Mittel zum Zweck. Anstatt der großen Romanze, gibt es Liebe in bedachter Dosis; melodramatische Beziehungsprobleme sucht man vergebens, stattdessen trifft sie das wahre Leben mit ungewohnter Härte. Das mag bei heutigen Romanzen-Standards etwas unorthodox klingen, ist in Betracht auf die schwerwiegende Substanz der Hintergrundgeschichte aber angebracht.

Eine grausame Welt
Schnell wird klar, dass jeder um sein Leben fürchten muss. In der gewaltsamen Verfolgung des armenischen Volks gibt es keine Gefangenen – zumindest nicht für lange. Hunderttausende ließen damals ihr Leben. Kann sich Mikael noch mit Hilfe vor den ersten Anzeichen bewahren, ist die Flucht das letzte Mittel. Doch vorher wird er von dem Militär gefasst und in ein Gefangenenlager verfrachtet, während Ana und Chris in anderer Instanz die Überlebenden in Sicherheit bringen. Das späte Aufeinandertreffen in Mikaels Heimat ist der Auftakt einer folgenden Tragödie, die das Ausmaß der Lage auf den Punkt bringt und die Weichen auf Veränderung stellt. Sie entschließen sich, für ihre Freiheit zu kämpfen, was im endgültigen Aufmarsch der türkischen Miliz gipfelt.

Eine Geschichtsstunde der Neuzeit
Zugegebenermaßen ist der Liebesvorwand um die Protagonisten von vorne herein mit einer bitteren Note versehen, welches in der sensiblen Natur der Thematik liegt. Hat man die Erwartungen an eine leidenschaftliche Liebelei im Schatten des Krieges einmal abgelegt, entfalten sich die einzelnen Nuancen. Die teils sehr bildliche Gewaltdarstellung gibt genügend Anreize, ein authentisches Bild der Ereignisse zu zeichnen, ohne dabei reißerisch zu wirken. Die drei Protagonisten nehmen unterschiedliche Positionen im gezeigten Szenario ein und erweitern die Perspektive. Der Handlungsinhalt ist bewusst simplistisch, Notizen zur politischen Lage gibt es nur selten. Trotzdem ist der Ursprung der Geschichte deutlich zu erkennen und wirft einen längst überfälligen Blick auf jenen blutgetränkten Abschnitt der armenischen Geschichtsbücher.

The Promise – Die Erinnerung bleibt
4.51 (90.26%) 39 Artikel bewerten

The Promise – Die Erinnerung bleibt
Ein neumodischer Tauchgang in den armenischen Genozid Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein dünnes Liebesdrama, dass die eigentliche Hintergrundgeschichte für den Laien mundgerecht serviert, ohne überladend, aber zeitweise ziellos zu wirken.
6von 10

Über den Autor

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.