(OT: „Shingeki no Kyojin“, Regie: Tetsurō Araki, Japan, 2013)

Attack on Titan Volume 1

„Attack on Titan – Staffel 1“ ist auf vier Volumes verteilt auf DVD und Blu-ray erhältlich

Auf einmal waren sie da, keiner weiß warum oder woher sie kamen. Klar ist nur, dass die Riesen ausgesprochen gefährlich sind, Appetit auf Menschenfleisch haben und einen Großteil der Bevölkerung ausgelöscht haben. Deren kümmerliche Rest hat sich in einer Stadt verbarrikadiert, die von 50 Meter hohen Mauern geschützt sind. Jegliche Versuche, die Welt da draußen zu erkunden und das Rätsel hinter den Titanen zu lösen, schlug fehl, kaum jemand kehrte von den Erkundungstrupps zurück. Dennoch schließen sich immer wieder junge Männer und Frauen diesem wahnwitzigen Unternehmen an. Männer wie der junge Eren Jäger, der bei einem erneuten Angriff der Ungetüme seine Eltern verloren hat.

Man hatte zwischenzeitlich die Hoffnung ja schon aufgeben: Oftmals angekündigt, wurde der Release von Attack in Titan immer und immer wieder verschoben, bis er für viele schon zu einem Running Gag geworden war. Inzwischen liegt die erste Staffel der Serie aber komplett auf Deutsch vor, während nun das Warten auf Staffel zwei beginnt. Aber lohnt sich das? Wird die Serie dem gigantischen Hype gerecht, der jahrelang darum veranstaltet wurde? Die Antwort ist nicht ganz so einfach. Denn wo Licht, da auch Schatten, während einiges in dem Anime tatsächlich sehr sehenswert ist, wird es an anderen Stellen furchteinflößend – auf eine nicht beabsichtigte Weise.

Von allem etwas, und doch wieder anders
Das Szenario selbst, das dem gleichnamigen Manha von Hajime Isayama entstammt, ist zumindest interessant. Attack on Titan kombiniert ein mittelalterliches Ambiente mit etwas Science-Fiction und viel Mystery. Woher die Titanen kommen, weiß kein Mensch. Auch nicht, warum es sie in so vielen Formen und Größen gibt oder weshalb sie ausschließlich Jagd auf Menschen machen. Ein bisschen erinnern sie dann auch an Zombies, sind ähnlich verfressen und gehirntot. Nur eben größer. Sehr viel größer. Dass da ein bisschen mehr dahinterstecken muss, wird vergleichsweise früh verraten. Und auch dass Eren Verbindungen zu den hünenhaften Mördern hat, von denen er nix ahnte.

Spannend ist die Serie vor allem dann, wenn diesen Geheimnissen nachgegangen wird. Leider tut sie das aber nicht oft. Stattdessen: viele große Reden und Geheimniskrämerei. Anstatt auf den Punkt zu kommen, tritt der Anime lieber auf der Stelle und widmet sich seinen Figuren. Das ist an und für sich nicht verkehrt, fällt hier aber wenig beglückend aus. Die leisen Ansätze zur Gesellschaftskritik – angesichts knapper Ressourcen können nicht alle überleben – versumpfen schnell in Klischees. Aber auch bei den Dialogen übernimmt man sich zu oft, will intelligenter und nachdenklicher sein, als man es am Ende ist. Die vielen Figuren, die hier teilweise herumwuseln bei dem Versuch, gegen die übermächtige Gefahr zu bestehen, sie sind meistens Wegwerfprodukte.

Die Schonfrist ist vorbei
Immerhin: Genau das tut Isayama. Wegwerfen. Man sollte sich nicht zu sehr an einzelne Protagonisten gewöhnen, viele verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Und das meist auf eine sehr unschöne Weise: Wer nicht von den Riesen gefressen wird, wird in Stücke gerissen oder gleich von den gigantischen Füßen zerstampft. Überhaupt ist Attack on Titan streckenweise erstaunlich brutal. Blut fließt hier regelmäßig in Strömen, Gebäude müssen grundsätzlich damit rechnen, zu jeder Zeit beim Kampf kleingeschlagen zu werden, manchmal ist die Mischung aus Body Horror und Psychoterror wie ein Schlag in die Magengegend.

Die Umsetzung von Tetsurō Araki (Death Note, Highschool of the Dead) ist trotz des Großaufgebots etwas zwiespältig. Im Großen und Ganzen sieht der Anime zwar schon ordentlich aus. Irritierend ist jedoch, wie sehr sich das noch neue Animationsstudio Wit Studio (Seraph of the End: Vampire Reign, The Rolling Girls) zusammen mit den Veteranen von Production I.G ((Ghost Hound, Psycho-Pass)) auf die Arbeit mit den Computern verlässt. Wenn wir der neuen Technik wenigstens flüssige Animationen verdanken dürften. Aber ausgerechnet da gibt es große Defizite. Oft ruckelt es hier sehr unschön, streckenweise begnügt man sich gar mit Standbildern – bei einer derart auf Action ausgelegten Serie sicher nicht ideal. Die detaillierten Hintergründe sind aber durchaus gut anzusehen, bei den Actionszenen gibt es schwindelerregende Kamerafahrten, durch die ungewöhnlich dicken Konturen der Figuren bekommt Attack on Titan zudem ein eigenes Gesicht. Anschauen kann man sich das Ergebnis also sicher und dabei grübeln, was denn nun hinter allem steckt. Aufgrund des nicht immer fesselnden, teils arg stockenden Inhalts ist die Serie dann aber doch nicht der Überflieger, der gerne in ihr gesehen wird.

Attack on Titan – Staffel 1
4 (80%) 18 Artikel bewerten

Attack on Titan – Staffel 1
Gigantische Angreifer, gigantischer Spaß? So ganz geht diese Gleichung nicht auf. Das Szenario ist interessant, die Actionszenen rasant und teils erstaunlich brutal. Der Inhalt kommt aber oft nicht vom Fleck, die Figuren sind Wegwerfware. Und auch bei der sehr computerlastigen Optik wäre mehr drin gewesen.
6von 10

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Eine Antwort

  1. schubert

    das ist ein bisschen zu brutal „zerrissen“,oder nicht? das animes,oder generell japanische fernsehserien,dazu neigen,jedem einzelnen charakter „tiefe“zu verleihen und wichtige ereignisse über mehrere folgen in die länge zu ziehen,ist absolut typisch! und wenn man das nicht mag,mag man gar keinen anime!das setting und die storyline sind eine absolut solide arbeit! das die animation lagt,hab ich jetzt noch nicht gesehen,aber wenn es so ist,ist das natürlich unverzeibar! aber ansonsten … 7,5/10

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