(„Kiwi og Strit“, Regie: Esben Toft Jacobsen, Dänemark, 2016)

Kiwi und Strit Vol 2Wer hat nicht schon aufgestöhnt, wenn das Kind im Nachbarhaus mal wieder meint, die Blockflöte auspacken zu müssen und mit quietschenden, wenig variantenreichen Tönen jeden Anflug von Musik erstickt? Und die eigene gute Laune gleich mit dazu. Schlimmer aber noch, wenn besagter Nachbar deine Flöte genommen und verschluckt hat. Aber was soll man von Strit auch anderes erwarten? Fröhlich ist er ja, für wirklich jeden Mist zu begeistern. Aber er hat auch dieses Talent, wirklich jede Situation ins absolute Chaos zu bugsieren. Und das ist gerade für Kiwi eine ziemliche Herausforderung, der es eigentlich gern gesittet und geordnet mag.

Wer bereits die erste Volume von Kiwi & Strit gesehen hat, der weiß recht gut, wie die obige Szene abgelaufen ist. Die ganz große Abwechslung bot die dänische Serie ja schon beim letzten Mal nicht, das ist bei den neun Folgen hier nicht anders. Die Dynamik der Geschichten besteht meistens darin, dass Kiwi etwas tun will, dabei aber von Strit gestört wird – ohne dass Letzterer das in der Form beabsichtigt. Manchmal merkt er nicht einmal, was er da wieder angerichtet hat. Nur selten weicht Regisseur Esben Toft Jacobsen (Johan und der Federkönig) von diesem Schema ab. Eine der Ausnahmen: die Episode Das Fahrrad-Rennen, wo sich Strit überaus pfiffig zeigt bei dem Versuch, seinen verbissenen Freund zu überrunden.

Einfach ist Trumpf
Vorstellen kann man sich dies wie eine Mischung aus Minions und Die Winzlinge – Operation Zuckerdose. Richtige Sprache gibt es auch hier nicht, da wird munter drauflosgebrabbelt. Allerdings sind Worte auch nicht wirklich notwendig, wenn die beiden Waldbewohner kleine Alltagsabenteuer erleben, die fast immer in irgendwelchen Slapstickszenen münden. Das ist eindeutig für Kinder gedacht: Nicht nur, dass der Inhalt äußerst simpel ist, bei einer Folgenlänge von fünf Minuten werden auch die jüngsten Zuschauer keine Probleme haben, den Geschichten zu folgen – zumal diese auf viel Wiederholung setzen. Insgesamt sind die Episoden auch etwas schwächer als bei der ersten Volume, die aus dem Ganzen doch noch mehr Fantasie und Witz herausholte.

Und doch hat die dänische Produktion Charme. Die kleinen Protagonisten – neben dem Duo tummeln sich auch diverse andere Viecher im Wald herum – sind wunderbar eigensinnig und verschroben, Märchengestalten, wie man sie nur selten noch in Filmen sehen darf. Allgemein ist die Optik sehr schön geworden. Schlicht, ja, so wie der Inhalt eben auch. Aber es ist sehr stimmig, was die Skandinavier uns da zeigen. Wenn wir mit den beiden durch den idyllischen Wald tollen, dann fühlt man, als wäre man selbst ein Kind, probiert aus, lernt die Welt jeden Tag aufs neue kennen. Kiwi & Strit ist dabei wohltuend altmodisch. Eine Liebeserklärung an eine Kindheit, die in dem Leben noch ein Abenteuer sah, das es jeden Tag zu bewältigen gibt.

Kiwi & Strit – Volume 2
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Kiwi & Strit – Volume 2
Auch die zweite Ausgabe von „Kiwi & Strit“ überzeugt durch kuriose Figuren und Charme, ist ein liebevoll-kindliches Alltagsabenteuer in einem abgelegenen Wald. Die neuen neun Folgen kommen aber nicht ganz an die Vorgänger heran, da die Abwechslung dieses Mal noch etwas geringer geworden ist, die wirklich witzigen Ideen fehlen.
6von 10

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