(„Tarzan & Jane“ directed by Victor Cook, Steve Loter, 2002)

Man kannte das ja schon in den späten 90ern bzw. frühen 00er Jahren: Wenn Disney einen Hit landete, wurde dieser durch Direct-to-Video-Produktionen oder Fernsehserien gerne doppelt verwertet. Oder auch dreifach. Siehe Tarzan. Der oftmals als letzter Teil der Disney Renaissance bezeichnete Film war mit einem Einspielergebnis von 450 Millionen Dollar so profitabel, dass das noch die eine oder andere Million mehr herausgequetscht werden sollte. Und so produzierte man 2001 noch die Serie Disneys Tarzan, 2005 folgte eine Filmfortsetzung namens Tarzan 2, die aber wie der Fernsehbruder ein Midquel war, sprich eine Geschichte erzählte, die parallel zum ersten Teil stattfand.

Tarzan & Jane tut das auch, was kein echtes Wunder ist, handelt es sich dabei doch um den Zusammenschnitt mehrerer zuvor unveröffentlichter Folgen der Serie. Das weckt üble Erinnerungen, war doch auch Die Schöne und das Biest: Belles zauberhafte Welt auf diese Weise entstanden. Im Grunde lässt sich die (unschöne) Erfahrung von dort auch 1:1 auf den Film hier übertragen. Immerhin gab man sich die Mühe, eine Art Rahmenhandlung einzuführen. Anstatt wie beim hausinternen Kollegen einfach nur die Einzelgeschichten aneinanderzuklatschen, werden sie hier im Kontext von Flashbacks ausgegraben. Man sitzt zusammen, Mann, Frau und Tier, plaudert ein bisschen und erinnert sich vergangener Tage.

Mit der berühmten Vorlage von Edgar Rice Burroughs hat das natürlich nichts mehr zu tun, der wilde Mann aus dem Dschungel ist kaum mehr wiederzuerkennen, der Dschungel selbst ebenso wenig. Aber das galt ja schon für die Kinofassung, die der besseren Vermarktbarkeit wegen einige lustige Tierchen eingeführt, die düsteren Elemente abgemildert oder entfernt hat. Also nichts Neues auf dem Schwarzen Kontinent. So wie man hier allgemein nicht unbedingt den Willen zur Veränderung zeigt, zumindest nicht in eine positive Richtung.

Sich über die visuelle Umsetzung aufregen zu wollen, wäre reine Zeitverschwendung. Die ist wie bei den vielen Billigproduktionen des Mäuseimperiums ein schwacher Abklatsch des Originals. Ein bisschen schwächer noch sogar, da hier nicht die üblichen Verdächtigen der DisneyToon Studios am Werk waren, sondern Disney Television Animation. Und auch wenn sich Tarzan & Jane als Film verkaufen möchte, die TV-Wurzeln sind hier auf Schritt und Tritt zu sehen. Die Animationen sind deutlich steifer, als wir es zuvor von dem gelenkigen Affenmenschen gewohnt waren. Der Dschungel wurde offensichtlich sehr ausgedünnt, zumindest auf den Bildern ist kaum mehr etwas zu sehen. Und die dynamischen Kamerafahrten sind während der Erinnerungstour wohl auch wegrationalisiert worden. Leider hat es zudem die prominenten Sprecher erwischt, die bei der Filmfortsetzung noch mitmachen, sich aber nicht für Fernsehunterhaltung hergeben wollten.

Wenn wenigstens der Film ein bisschen was zu erzählen hätte. Tarzan 2 beispielsweise setzte verstärkt auf Humor, um die offensichtlichen Einschränkungen beim Budget auszugleichen, was dem Ergebnis auch gut getan hat. Mehr als nette Unterhaltung war das zwar nicht. Aber doch mehr als das, was der TV-Bruder so zu bieten hat. Man bemüht sich zwar redlich, ein paar Abenteuerelemente einzuführen – mal wird mit Panthern gekämpft, mal geht es in einen Vulkan, zum Ende meldet sich auch der Krieg zu Wort –, aber es ist nicht genug, um wirklich Spannung zu erzeugen. Zumal der eigentliche Gedanke, einen Menschen im Umfeld der Wildnis zu zeigen, hier völlig verlorengeht, wenn bei jeder Episode neue Besucher vorbeikommen, der eigentlich unerreichbare Dschungel zum banalen Touristenort degradiert wird. Die junge Zielgruppe wird es nicht stören, wenn sie hier eine beliebige Samstagmorgen-Serie zu sehen bekommt, die sich hinter exotischen Federn versteckt. Wie bei den meisten Disney-Spin-offs wäre die Welt ohne diese Resteverwertung aber sicher nicht ärmer dran gewesen.



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Tarzan & Jane
Wer nicht gerade ein eingefleischter Fan des Disney-Films ist, kann sich diesen TV-Rest-Verschnitt sparen. Und selbst die sollten sich genau überlegen, ob sie die optisch schwachbrüstige und inhaltlich banalisierte Fassung des wilden Dschungels wirklich brauchen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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