Die Schoene und das Biest Belles zauberhafte Welt
© Disney

Die Schöne und das Biest: Belles zauberhafte Welt

(„Beauty and the Beast: Belle’s Magical World“ directed by Bob Kline, Burt Medall, Barbara Dourmashkin, Cullen Blaine, Daniel de la Vega and Mitch Rochon, 1998)

Es war einmal ein Film, der maßgeblich dafür mitverantwortlich war, das zwischenzeitlich in Ungnade gefallene Disney Animationsimperium zu neuem Ruhm zu verhelfen. Nachdem mit Arielle, die Meerjungfrau schon ein beachtliches Comeback geschafft wurde, war es Die Schöne und das Biest, das 1991 den Mäusekonzern in ungekannte Sphären katapultierte: Nicht nur, dass die Adaption eines alten französischen Märchens der erste Animationsfilm war, der in den USA über 100 Millionen Dollar einspielte. Es war auch der erste, der für einen Oscar als bester Spielfilm des Jahres nominiert wurde.

Von derartigem Kritikerlob war das sieben Jahre später veröffentlichte Die Schöne und das Biest: Weihnachtszauber weit entfernt, wie so viele der billigen Fortsetzungen und Spin-offs war die Festvariante alles andere als ein Fest. Dass es aber noch mal ein ganzes Stück schlechter geht, das bewies das 1998 folgende Belles zauberhafte Welt. Ein wirkliches Wunder ist das nicht, zumindest für den, der die Zeichen richtig deuten konnte. Disney war in den späten 90ern bis Mitte der 00er Jahre nun nicht unbedingt bekannt dafür, bei seinen Direct-to-Video-Produktionen allzu hohe Ansprüche zu haben. Wenn dann wie hier eine im Vorfeld schon gestrichene Serie dazu genutzt wird, bereits abgedrehtes Material doch noch zu verkaufen, da schrillen die Alarmglocken kaum überhörbar.

Die ganz große Katastrophe ist das hier zwar nicht, aber doch eine rechte Enttäuschung – selbst wenn man nach Weihnachtszauber seine Ansprüche schon nach unten geschraubt hat. Bedauerlich ist beispielsweise, dass bei den Synchronsprechern Angela Lansbury weggefallen ist, auch kein Schwergewicht wie Tim Curry neu hinzustieß. Auch die beiden neuen Lieder sind kein wirklich würdiges Erbe für den legendären Soundtrack, der seinerzeit einen wichtigen Beitrag zum Ruhm des Klassikers leistete. Es ist aber vor allem die Optik der üblichen Verdächtigen DisneyToon Studios bzw. Disney Television Animation, welche hier durch die Bank weg enttäuscht. Die Figuren sind deutlich holpriger inszeniert, es kommen keine nennenswerten neuen Orte hinzu. Und selbst die geklauten haben viel an Glanz eingebüßt: Als hätte das Biest während des Winters dringend Heizmaterial gebraucht, ist ein Großteil der Einrichtung verschwunden. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Das billige Äußere wäre vielleicht noch erträglich gewesen, hätte Belles zauberhafte Welt wenigstens inhaltlich geglänzt. Aber an der Stelle wird es mindestens ebenso öde und farblos. Aufgrund des vorzeitig verstorbenen Serienerbes besteht der Film aus drei bzw. vier voneinander unabhängigen Geschichten, die eindeutig als TV-Berieselung der lieben Kleinen gedacht waren. Mal wird ein kleines Vögelchen gesund gepflegt, mal händeringend nach einer Entschuldigung gesucht. Immer gibt es einen Konflikt, der zuweilen ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist. Zum Schluss dann ein ebenso willkürliches Happy End in Verbindung mit einer gut gemeinten Moral. Eine Rahmenhandlung oder Entwicklung braucht man aufgrund der Entstehungsgeschichte natürlich nicht zu erwarten. Vergleichbar unmotiviert braucht ein Serien-Spin-off dann aber doch nicht zu sein. Ganz anspruchslose Zuschauer mögen sich darüber freuen, wenn die bekannten Figuren erneut über den Bildschirm watscheln. Nur haben sie beim zweiten Aufguss so viel des ursprünglichen Charmes verloren, so viel des Witzes, dass sich die Wiedersehensfreude bei den meisten in Grenzen halten dürfte.



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Optik und Musik sind schwächer. Aber auch sonst kann es das Midquel nicht mit dem bekannten Animationshit aufnehmen: Die aufs Serienformat ausgerichteten Mini-Geschichten sind lieblos zusammengeschrieben, lassen sowohl den Charme wie auch den Witz des Originals vermissen.
4
von 10