(„Nintendo Quest“ directed by Robert McCallum, 2015)

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„Nintendo Quest“ ist seit 25. November auf DVD erhältlich

Es gibt ja selbst auferlegte Challenges, bei denen man als Außenstehender ein wenig hilflos auf das Treiben starrt. Warum sollte man sich so etwas aufhalsen wollen? Freiwillig? Jay Bartlett zum Beispiel. Der ist nicht nur bekennender Star-Wars-Fan, was man an seiner Shirts-Garderobe sieht, welche sich offensichtlich ausschließlich aus Motiven der Sternensaga zusammensetzt. Er verfolgt auch einen Traum: sämtliche 687 Spiele für das Nintendo Entertainment System zu besitzen, die seinerzeit offiziell für den nordamerikanischen Markt lizensiert wurden. Nun ist das allein schon eine Mammutaufgabe, in Zeiten des Internets und mit entsprechenden finanziellen Mitteln und genügend Zeit ausgestattet aber durchaus machbar. Der Clou bei Nintendo Quest: Eben das ist hier nicht der Fall.

In nur 30 Tagen soll Jay alle Spiele zusammenbekommen, ohne dabei ebay und Co. zur Hilfe zu rufen. Und auch das Geld ist knapp, eine bestimmte Summe darf nicht überschritten werden. Wie hoch diese ist, das verschweigen uns der Spielenarr und der ihn begleitende Regisseur Robert McCallum jedoch. Allgemein zeigen sich die beiden auffallend zurückhaltend, wenn es um das Benennen konkreter Preise geht. Nur selten lässt sich der Schatzsucher in die Karten schauen, was er für dieses oder jenes Spiel hinblättern musste. Das ist mindestens befremdlich, wenn nicht gar enttäuschend, da auf diese Weise weniger gut rüberkommt, mit welchen Mühen, mit welchem Aufwand alles verbunden ist.

Aber um Fakten geht es bei Nintendo Quest ohnehin nur am Rande. Einige Infos gibt es, etwa warum manche Spiele so selten sind, auch über die Spielefirma Nintendo selbst werden einige einleitende Worte geteilt. Ansonsten ist der Dokumentarfilm eher losgelöst von seiner Materie: Anstatt alte Spiele vorzustellen oder Menschen zu zeigen, welche sie gerade spielen, erzählen die Leute lieber von ihrem Hobby. Davon, was sie dazu getrieben hat, von eigenen Erfahrungen und Erinnerungen. Oder auch mal von sich selbst. Nicht das Spielen steht im Vordergrund, sondern die Spieler.

Die Dokumentation ist daher eher weniger für Leute gedacht, die etwas über die Faszination der Videospiele erfahren wollen, sondern für solche, die ihr längst selbst erlegen sind. Ein Film von Fans für Fans. Diese werden hier dann auch ihren Spaß haben, sich immer wieder selbst wiederentdecken. Wenn sich beispielsweise Jay durch die Kisten von Second-Hand-Läden wühlt und dabei für ihn unglaubliche Entdeckungen macht, dann strahlen seine Augen so voller Glück, dass man nicht einmal in der Materie drin sein muss, um dieses Gefühl nachempfinden zu können.

Aber es hilft natürlich, selbst ein (Ex-)Spieler zu sein: Die berühmten Tonfolgen von Super Mario Bros. oder Legend of Zelda zu hören, an den speziellen Konami-Cheat-Code erinnert zu werden oder die Cover-Kunstwerke zu bewundern, wie sie typisch für die 80er sind, das ist schon mit viel Nostalgie verbunden. Vielleicht sogar auch dem einen oder anderen Gänsehautmoment. Dass die deutsche DVD in eine schwarze Extrahülle verpackt wurde, die an die damaligen NES-Verpackungen angelehnt ist, passt ins Bild: ein im Grunde überflüssiges Gimmick, welches bei der angesprochenen Zielgruppe aber doch für ein breites Grinsen sorgt. Das reicht sicher nicht aus, um anschließend loszuziehen und es Jay nachtun zu wollen. Aber so mancher Zuschauer wird anschließend ein bisschen wehmütig an seine Kindheit zurückdenken, als alles noch etwas einfacher war, dabei den Entschluss fassen, beim nächsten Besuch der Eltern doch mal wieder die alten Geräte auszupacken und sich in fremde, aber zugleich vertraute Welten zu begeben.



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Nintendo Quest
„Nintendo Quest“ ist ein schamlos an das Nostalgieempfinden der Zuschauer appellierender Dokumentarfilm. Die Informationen über Videospiele sind dabei eher spärlich, die Suche nach alten Games erzählt lieber von den Spielern selbst als von ihrem Hobby.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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