(„Everybody Wants Some!!“ directed by Richard Linklater, 2016)

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„Everybody Wants Some!!“ ist seit 3. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich

Endlich ein eigenes Leben! Als der Baseball-Spieler Jake (Blake Jenner) im August 1980 an ein College geht, träumt er wie viele andere auch von einer spannenden Zukunft. Bis es so weit ist und das erste Training der Mannschaft beginnt, gilt es jedoch noch drei Tage hinter sich zu bringen. An Möglichkeiten der Zerstreuung mangelt es nicht: ein bisschen Party, ein bisschen Spielen, vor allem aber Frauen – so sieht der Alltag für McReynolds (Tyler Hoechlin), Roper (Ryan Guzman), der Willoughby (Wyatt Russell), Nesbit (Ausin Amelio) und Finn (Glen Powell) aus. Während sich der Erfolg beim anderen Geschlecht für diverse Gruppenmitglieder eher in Grenzen hält, hat Jake deutlich mehr Glück: Beverly (Zoey Deutch) ist süß, intelligent und offensichtlich auch an ihm interessiert.

Es gehörte sicher zu den großen Sensationen des vergangenen Kinojahres: Boyhood, jenes über einen Zeitraum von zwölf Jahren gedrehtes Drama, welches einen Jungen auf dem Weg ins Erwachsenenalter begleitete. Der neue Film von Regisseur und Drehbuchautor Richard Linklater schließt da einerseits nahtlos an und ist doch ganz anders. Statt sich großer cineastischer Ambitionen hinzugeben, ist Everybody Wants Some!! ein recht genügsamer Film. Nicht nur, dass er an einem einzigen Wochenende spielt und damit nur wenig Raum für Entwicklung lässt, Linklater hat auch gar nicht vor, dieses Wochenende mit einer tatsächlichen Geschichte zu verbinden.

Es ist der Moment, der ihn interessiert. Genauer ein Moment, der inzwischen 36 Jahre zurückliegt. Dass wir hier im Jahr 1980 unterwegs sind, hätte niemand erst verraten müssen, das tut schon die Ausstattung zur Genüge. Ob es die Frisuren sind, die Kleidung, die Einrichtungsgegenstände oder auch die Musik von Blondie über Foreigner bis zu ZZ Top, Everybody Wants Some!! gelingt es sehr schön, uns mit auf eine kleine Zeitreise zu nehmen. Tatsächlich lebt die Komödie derart stark von dem Zeitkolorit, dass später Geborene etwas außen vor bleiben, nicht wirklich nachvollziehen können, worin die Faszination dieses Gute-Laune-Films eigentlich liegt.

Doch trotz dieses starken Nostalgiefaktors, Everybody Wants Some!! funktioniert ebenso gut als zeitloses Porträt eines bestimmten Alters. Frisch aus der Schule, noch nicht ganz in der Uni, eine Phase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, in der die Protagonisten langsam verstehen, was es heißt, da draußen in der Welt unterwegs zu sein. Linklater verzichtet dabei jedoch darauf, seinen jugendlichen Figuren unnötig Steine in den Weg zu legen. Klar gibt es die eine oder andere Meinungsverschiedenheit, gerade der zur Arroganz neigende McReynolds ist immer mal wieder im Mittelpunkt von Reibereien. Aber das ist nie von längerer Dauer: Passend zu dem durchgängigen Sonnenwetter im Südosten von Texas ist auch die Atmosphäre sonnig, unbeschwert, sorglos.

Man darf auch naiv und verklärend dazu sagen, zumal auch mal wieder alle Beteiligten ausgesprochen attraktiv sind – offensichtlich hat der auch in Bezug auf Handlung oder konkrete Gags bescheidene Film nicht vor, sich ernsthaft mit dem Leben auseinanderzusetzen. Und doch nimmt man Linklater ab, wie er hier einen Ausschnitt aus dem Leben einer Gruppe von College-Studenten präsentiert. Mit viel Charme und Verständnis begegnet er den Jungs, wie sie die Welt entdecken, diese gleichzeitig aber möglichst simpel halten wollen. Mit viel Sympathie dankt man es dem Filmemacher. Auch wenn die Protagonisten noch keine wirklichen Charaktere ausgebildet haben, man mag die Truppe irgendwie und ist zum Ende des Films sogar ein klein wenig traurig darüber, dass sich die Wege schon wieder trennen. Denn auch wenn es keine ungewöhnlichen Schicksale oder große Momente sind, mit denen Everybody Wants Some!! um das Publikum buhlt, sie sind so nah am Leben und in ihrer Einfachheit tröstlich, dass man der Komödie praktisch alles verzeihen könnte.

Everybody Wants Some!!
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Everybody Wants Some!!
Ein letztes Wochenende, bevor das College beginnt: „Everybody Wants Some!!“ erzählt mit viel sonnigem Gemüt, aber auch nostalgischem Retrogespür, wie einige Jungs auf dem Weg ins Erwachsenenalter sind, sich aber noch nicht wirklich dafür interessieren. Das ist ein bisschen verklärend, aber doch ein ungemein sympathischer Film über eine besondere Phase im Leben.
8von 10

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