(„Deepwater Horizon“ directed by Peter Berg, 2016)

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„Deepwater Horizon“ läuft ab 24. November im Kino

Als der Chef-Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg) gemeinsam mit seiner Crew die Bohranlage „Deepwater Horizon“ betritt, weiß er noch nicht, dass er seine Familie womöglich nie wieder sehen wird. Bereits bei der Ankunft beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn dem Konzern BP kann es nicht schnell genug gehen. Die Bohrungen für die neue Ölquelle liegen hinter dem eigentlichen Zeitplan und verschlingen täglich gut eine halbe Million Dollar Kosten. Zu viel um anstehende Messungen fachgerecht durchführen zu lassen, zu wenig um dabei über Leichen zu gehen – so denkt man. Nachdem auch die Drucktests auf dem Bohrloch ohne eindeutige Ergebnisse verlaufen, die gegen eine Fortführung der Bohrung sprechen, werden die Maschinen wieder in Betrieb genommen und es kommt zum katastrophalen „Blowout“. Gewaltige Explosionen erschüttern die bis dahin stabile Bohrinsel und fordern ihre ersten Opfer. Die Besatzung versucht dem flammenden Inferno zu entkommen und die Verletzten in Sicherheit zu bringen, doch Hilfe ist kilometerweit entfernt und jede Sekunde zählt.

Die im April 2010 ereilte Tragödie im Golf von Mexiko, bei der elf Arbeiter ihr Leben verloren, sorgte noch Monate danach für Schlagzeilen und ist selbst Jahre nach der Abdichtung des Bohrlochs ein schmieriger Ölfilm im Auge vieler Umweltschützer. Wie weit dürfen Konzerne gehen? Welche Folgen hatte der Vorfall auf seine Umgebung? Was wurde unternommen, um so ein Unglück in Zukunft zu vermeiden? Fragen die ganze Dokumentationen füllen, aber nicht das Ziel von Regisseur Peter Berg sind. Der bewies in der Vergangenheit bereits, dass er mit Filmen wie Hancock und Battleship zwar keine politischen Diskussionen entfacht, dafür aber unterhaltsames Action-Kino serviert, mundgerecht zubereitet für den Otto Normalkinobesucher. Mit von der Partie und in der tragenden Hauptrolle, Mark Wahlberg (Daddy’s Home), mit dem er zuletzt bei Lone Survivor zusammen arbeitete.

Der zeigt sich von einer ungewohnt seriösen Seite und kann sogar durch emotionale Nuancen von seiner schauspielerischen Einbahnstraße der letzten Jahre ablenken. Ihm zur Seite steht ein starkes Ensemble an Hollywood-Hochkarätern, wie Kurt Russell (The Hateful 8) als sein Chef Jimmy Harrell, Kate Hudson (Wish I was Here) als seine Frau Felicia, John Malkovich (R.E.D. 2) als Vertreter des BP Konzerns Vidrin, Dylan O’Brien (Maze Runner 2) als Bohrarbeiter Caleb Holloway und selbst Peter Berg gibt sich in einer kleinen Nebenrolle wieder mal die Ehre. Und genau darin liegt die Stärke des Films. Läuft in der ersten Hälfte alles auf den Supergau hinaus, erfährt man einen kleinen Einblick in das Leben des Mike Williams, seiner Familie und Kollegen. Für ausschweifende Lebensgeschichten reicht es nicht, muss es auch gar nicht, um den Charakteren ein erstes Gemeinschaftsgefühl zu verleihen. Es wird geknutscht, gescherzt und sobald alle auf der Bohrplattform fern ihrer Familien sind, ist es Business as usual.

Mit der klassischen Definierung der bösen Konzernvertreter und der tugendhaften Arbeiter macht es sich Berg dennoch etwas einfach, bleibt aber seinem Ziel treu, eine erste persönliche Bindung zwischen Zuschauer und Protagonisten zu schaffen. Sind diese Anfänge jedoch einmal überbrückt, das Chaos im vollen Gange und die Bohrinsel kaum wieder zu erkennen, kippt das Action-Drama in eine biedere Katastrophenkollage à la Hollywood, wie man sie nur zu häufig schon gesehen hat und sie kaum von einander unterscheiden kann. Es läuft auf die volle Evakuierung der Plattform heraus, bei der der glorreiche Held als Letzter die brennende Plattform verlässt. Oder war zum Schluss doch alles nur ein Traum? Die Tragödie ist definitiv real, dessen Botschaft mehr schlecht als recht verwurschtelt wird. Es folgen Alibi-Fakten zur Nachgeschichte im Abspann, gefolgt von Kurzinfos zu den Protagonisten und deren Verbleib seit dem Unglück. Faule Ausflüchte vor einem Ereignis mit solch verheerenden Ausmaßen.

Deepwater Horizon
3.83 (76.67%) 6 Artikel bewerten

Deepwater Horizon
Peter Berg verpasst die Chance, mit dem Film ein Statement zu setzen, welches nicht schon in allen erdenklichen Farben von den Medien gepinselt wurde. Bemüht, aber am Ende doch zu sicher, fährt er seinen bekannten Action-Kino-Kutter entlang des Mainstreamkanals der Zuschauererwartungen.
6von 10

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