(„Before I Wake“ directed by Mike Flanagan, 2016)

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„Before I Wake“ läuft ab 10. November im Kino

Auch wenn sie hart an sich arbeiten und Therapien besuchen, der Verlust ihres tragisch ertrunkenen Sohnes lässt Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Janes) einfach nicht los. Und so versucht das von Trauer zerfressene Ehepaar etwas anderes: Sie wollen den achtjährigen Cody (Jacob Tremblay) adoptieren und auf diese Weise die Lücke in ihrem Leben schließen. Und zunächst sieht es auch danach aus, als könne dieser Plan aufgehen, der Neuzugang ist ein höflicher, netter, absolut problemloser Junge. Wären da nur nicht die starken Schlafstörungen von Cody jede Nacht, die mit einem seltsamen Monster zusammenhängen, das ihn verfolgen soll. Bald macht die Familie aber noch andere Beobachtungen, die ihnen nicht ganz geheuer sind.

James Wan (Conjuring – Die Heimsuchung, Insidious), Adam Wingard (You’re Next, Blair Witch), Scott Derrickson (Sinister) oder auch Fede Alvarez (Evil Dead, Don’t Breathe) – das unerwartete Horrorrevival in den Kinos hat in den letzten Jahren eine Reihe von Regisseuren bzw. Drehbuchautoren zu Stars gemacht. Und auch Mike Flanagan arbeitet derzeit hart daran, zu der Elite aufzustoßen. Gleich drei Genrebeiträge ließ er dieses Jahr auf hiesige Zuschauer los, das überraschend wohlwollend aufgenommene Prequel Ouija: Ursprung des Bösen, das Netflix-Original Hush und eben auch Before I Wake. Und selbst wenn hier nicht alles so überzeugend ausfällt, wie man es gern hätte, so beweist der Streifen doch, dass man von dem Amerikaner in Zukunft noch einiges erhoffen darf.

Wie schon in dem Geheimtipp Oculus sind es vor allem zwei Punkte, welche auch den neuen Film von Flanagan auszeichnen. Da wäre zum einen das Spiel mit der Wahrnehmung, welches längere Zeit offen lässt, ob die nächtlichen Erscheinungen real oder doch nur eingebildet sind – schließlich ist in Before I Wake jeder irgendwo psychisch angeknackst. Während das aber noch zum Repertoire vieler Kollegen gehört, kümmert sich Flanagan stärker um seine Protagonisten, als man es gewohnt ist. Man muss bei dem nächtlichen Kampf um Schlaf und erlösende Alpträume nicht jede einzelne Handlung gut finden, nachvollziehbar sind sie jedoch.

Schön ist beispielsweise, wie Jessie und Mark anfangs etwas unbeholfen und unsicher ihren neuen Ziehsohn aufnehmen, ihm ein Zuhause geben wollen, was schon lange keins mehr ist. Als Drama um Verlust und Trauer, Verdrängung und Träumereien funktioniert Before I Wake dann auch recht gut, nicht zuletzt, da er mit Jacob Tremblay (Raum) einen der derzeit begehrtesten Kinderschauspieler ins Projekt holen konnte. Schwierig ist jedoch, wenn der Film nicht bewegen, sondern auf die Folter spannen will. Denn das gelingt der Genremischung sehr viel weniger gut.

Das mag sicher teilweise an dem eher geringen Budget liegen, welches nicht immer überzeugende Effekte nach sich zieht – was besonders zum Ende hin sehr unglücklich ist. Aber selbst wenn das Alptraummonster und andere Schockelemente etwas weniger nach Computer aussehen würden, bekommt man hier nur selten Anlass, auch tatsächlich einmal Angst zu bekommen. Denn das Konzept hinter den Ereignissen ist interessant, lässt dafür nur wenig Spielraum. Die Folge: Die Abwechslung ist gering, das Auftauchen des Ungeheuers ist zu verlässlich und gleichförmig, als dass es einen wirklich noch aus dem Kinosessel katapultieren könnte. Das ist schade um die clevere Idee und die schönen Figuren, die gerade beim todtraurigen Finale noch einmal gut zusammenfinden, denen es insgesamt aber an Feinschliff fehlt.

Before I Wake
3.6 (72%) 20 Artikel bewerten

Before I Wake
Vorsicht vor dem Einschlafen! „Before I Wake“ gefällt mit einer interessanten Grundidee und einer stärker personenbezogenen Geschichte, funktioniert als Drama jedoch besser denn als Horrorfilm. Berührend ist das Schicksal der von Alpträumen geplagten Familie, spannend jedoch weniger.
5von 10

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