(„Je suis mort mais j’ai des amis“ directed by Guillaume Malandrin, Stéphane Malandrin, 2015)

Ich bin tot mach was draus

„Ich bin tot, mach was draus!“ läuft ab 28. April im Kino

Seit einigen Jahrzehnten schon stehen Yvan (Bouli Lanners), Wim (Wim Willaert), Pierre (Serge Riaboukine) und Jipé (Jacky Lambert) gemeinsam als „Grand Ours“ auf der Bühne, den ganz großen Durchbruch hat die Rockband jedoch nie geschafft. Das könnte sich nun ändern, wurde das in die Jahre gekommene belgische Quartett doch für seine erste US-Tournee gebucht! Unglücklicherweise droht der Traum gleich wieder zu platzen, als Jipé kurz vor dem Start überraschend verstirbt. Die anderen drei beschließen, dennoch an ihrem Plan festzuhalten und mit der Asche ihres Band-Kollegen im Gepäck eine etwas andere Abschiedstournee zu starten.

Auch wenn das belgische Kino hierzulande nie die großen Erfolge der französischen Kollegen wiederholen konnte, für Liebhaber kleiner, gemeiner Filme hat es immer mal wieder Delikatessen am Start gehabt. Von dem Mockumentary-Klassiker Mann beißt Hund bis zu den Religionssatiren In the Name of the Son und Das brandneue Testament, unsere Nachbarn pflegen einen derart schwarzen Humor, wie man ihn sich in Deutschland kaum vorstellen kann. Auf den ersten Blick scheint auch Ich bin tot, mach was draus! in diese Kerbe zu schlagen, zumindest lassen Thema und Titel darauf schließen. Am Ende gehen die beiden Brüder Guillaume und Stéphane Malandrin bei ihrer zweiten Regiearbeit aber in eine deutlich warmherzigere Richtung.

Das soll nicht heißen, dass die beiden nicht ebenfalls für das genüssliche Spiel mit dem Tabubruch zu erwärmen sind. Schon die Art und Weise, wie sie die Überreste in an sich nehmen, zeugt nicht unbedingt von dem allergrößten Respekt. Und natürlich geht während des anschließenden Roundtrips so einiges schief, immer wieder wird die Asche zweckentfremdet, landet nicht ganz dort, wo sie sein sollte. Das ist durchaus amüsant, wenn auch auf Dauer nicht allzu abwechslungsreich, zu Lachanfällen lädt die Ansammlung von Slapsticknummern nicht unbedingt ein.

Aber das wollten die Brüder Malandrin wohl auch nicht. Noch bevor es raus in die große weite Welt geht, gesellt sich zu dem Trio ein vierter Mann dazu: Dany (Lyes Salem), ein junger, arabischer Soldat und heimlicher Geliebter des Verstorbenen. Das sorgt nicht nur für einen komischen Kontrast, schließlich passen hemdsärmeliges Rockergehabe und Homosexualität nicht ganz so zusammen, sondern auch für einen allmählichen Seelenstriptease der älteren Herren. Wie kann es sein, dass sie so lange miteinander musizieren und dennoch so wenig voneinander wissen? Wer sind die anderen überhaupt, mit denen sie so lange eine Bühne teilten?

Den Tod eines Freundes zu nutzen, um über das eigene Leben nachzudenken und Unausgesprochenes ans Tageslicht zu zerren, das ist jetzt nicht unbedingt ein taufrisches Szenario, die großen umwerfenden Erkenntnisse hat Ich bin tot, mach was draus! auch nicht zu bieten. Das bewährte Konzept wird bei den Belgiern aber unterhaltsam umgesetzt, die Mischung aus nachdenklich-melancholischen und skurril-witzigen Momenten stimmt. Gerade für die Freunde kurioser Figuren ist die Tragikomödie eine Überlegung wert, die alten, irgendwie liebenswerten Käuze lassen einen über den tendenziell weniger aufregenden Inhalt hinwegsehen. Schade nur, dass der Musikaspekt relativ dünn ist, da hätte man angesichts des Themas und der Protagonisten doch deutlich mehr Auftritte und Nummern erwarten können.

Ich bin tot, mach was draus!
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Ich bin tot, mach was draus!
Drei gealterte Rocker gehen zusammen mit den sterblichen Überresten eines Bandmitglieds auf Abschiedstournee, das ist trotz der einen oder anderen Geschmacklosigkeit harmloser, als man es erwarten dürfte. Aber auch wenn die Lacher nicht ganz so zahlreich sind, die belgische Tragikomödie ist sympathisch, etwas skurril und dabei auch warmherzig.
6von 10

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