Demon King Daimao
© SHOUTAROU MIZUKI/HOBBYJAPAN, DAIMAO PARTNERS

(„Ichiban Ushiro no Dai Maō“ directed by Takashi Watanabe, 2010)

Demon King Daimao Vol 1
„Demon King Daimao“ ist auf zwei Volumes verteilt auf DVD und Blu-ray erhältlich

Als sich Akuto Sai an der Constant Magic Academy einschreibt, dann mit dem Ziel, ein Priester zu werden, Gutes zu tun, den Menschen zu helfen. Sein Schicksal hat jedoch offensichtlich ganz andere Pläne für den Jüngling, zumindest wenn es nach dem hellseherisch begabten Raben geht, der traditionsgemäß bei Akutos Einführung dessen Zukunft vorhersagt. Ein Dämonenkönig soll er werden, so die Weissagung. Das ist nicht nur für den angehenden Studenten selbst ein Problem, wird so doch sein jahrelanger Plan durchkreuzt. Auch sein Umfeld muss diese Nachricht erst einmal verdauen. Während manche von seinen zukünftigen Fähigkeiten profitieren wollen, macht es sich die auf Gerechtigkeit bedachte Junko Hattori nun zum Ziel, den Unhold zu zerstören.

„Gut geklaut ist besser als schlecht erfunden“, wird sich wohl Shotaro Mizuki gedacht haben, als er seine Light-Novel-Reihe „Demon King Daimao“ begann, welche 2010 die Vorlage für eine Animeserie bildete. Man nehme einen männlichen Jüngling, der nicht übermäßig geschickt ist, aber über eine geheime, große Kraft verfügt, umgebe ihn mit einer Schar Damen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit das letzte Höschen verliert, baue noch ein paar Fantasyelemente ein und lasse das Ganze an einer Schule spielen. Gut, hier ist es genau genommen eine Magieruniversität. Auf die Geschichte hat der nicht ganz alltägliche Ort jedoch wenig Einfluss, von der Möglichkeit mithilfe von Büchern zu telefonieren einmal abgesehen ist der Schauplatz ohne jeden Belang.

Wer hierbei an High School DxD denkt, liegt schon ziemlich nah dran. Hier wie dort wird zunächst versucht, das Publikum zum Lachen zu bringen, in der Regel, indem Akuto in blöde Situationen stolpert, die von Hattori fehlgedeutet werden oder indem die weiblichen Protagonistinnen aufgrund „unglücklicher“ Umstände sich dem eigentlich rechtschaffenen jungen Mann im Evakostüm zeigen. Die sexuelle Komponente ist dann auch das bemerkenswertere Element im Vergleich zum recht müden Humor. Nicht, weil dieses neu oder ungewohnt wäre. Gerade im Light-Novel-Bereich und damit indirekt bei Animes gibt es keinen echten Mangel an derlei Harem-Ecchi-Shows, viele von denen schaffen neuerdings auch ihren Weg hierher. Demon King Daimao geht hierbei jedoch zum Teil weiter als die Konkurrenz. Zwar wird hier nie die absurde Dreistigkeit von Highschool of the Dead erreicht, dafür wird es inhaltlich umso expliziter – bis hin zu einer verstörenden Seegurken-Szene in der obligatorischen Strandfolge. Hinzu kommen eine lüsterne Tentakelschnecke, wie man sie seit den 80ern für ausgestorben hielt und der Ein-/Ausschalter einer künstlichen Maid, der praktischerweise direkt über dem Hintern gelegen ist und somit den Anlass für allerlei Panty Shots gibt.

Etwas besser wird es in der zweiten Hälfte, wenn die ohnehin kaum überzeugenden Witze zurückgeschraubt werden und auch nicht mehr ganz so penetrant nackte Brüste durchs Bild hüpfen. Stattdessen ist hier mit Rockmusik unterlegte Action angesagt. Und ein hohes Tempo. War Demon King Daimao zuerst ein doch gemütlicher Anime, der sich vor dem Zuschauer räkelte, überschlagen sich dann die Ereignisse, es wird immer dramatischer, unübersichtlicher – aber auch nicht wirklich spannender. Dafür gibt die spät eingefügte Religionskritik trotz eines netten Twists einfach nicht genug her, es gibt auch zu wenig Gründe, sich für das Schicksal der Protagonisten zu interessieren. Denn die wurden kaum aufgebaut. Das ist dann auch das größte Problem der Serie: Die guten Ansätze werden kaum benutzt.

Wenn ein kleiner Junge zum legendären Helden im Retrostil wird, geschieht das völlig ohne Ironie, die allgegenwärtige Magie ist einfach nur irgendwie da, das Animationsstudio Artland (Mushi-Shi, Legend of the Galactic Heroes) durfte ein paar nette Hintergründe kreieren, bekam aber wohl nicht genügend Geld, um auch die Figuren zu bewegen, gerade am Anfang ist das Ergebnis sehr dürftig. Und Takashi Watanabe, der mit Boogiepop Phantom immerhin für einen der interessantesten Fantasy-Anime überhaupt verantwortlich war, zeigt nach dem kürzlich veröffentlichten Dai Shogun erneut, dass er dem Ecchi-Comedy-Action-Fantasy-Mischmasch keine wirklich neuen Seiten abgewinnen kann. Wer das gar nicht erwartet, sondern wirklich nur nackte Frauen, ein bisschen Kampf und die üblichen Schmalspurneckereien will, der darf es hiermit versuchen. Wirklich schlechter als die Konkurrenz ist die Light-Novel-Verfilmung auch nicht.



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„Demon King Daimao“ ist eine jener Animeserien, die sich damit begnügen, Frauen auszuziehen, ein bisschen plumpen Humor einzubauen und später noch mit Religionskritik durchzogene Kämpfe. Das ist fast vollständig austauschbar und zudem optisch mäßig. Fans von Fantasy-Ecchi-Shows bekommen aber, was sie erwarten.
4
von 10