(„Love From A Stranger“ directed by Rowland V. Lee, 1937)

Love From A StrangerZeit ihres Lebens hat die einfache Büroangestellte Carol (Ann Harding) von einem luxuriösen und abenteuerlichen Leben geträumt. Und nun scheint dieser Traum zum Greifen nah zu sein: Der Gewinn bei einer Lotterie macht sie zu einer vermögenden Frau. Auf dem Weg nach Paris, wo sie zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Kate (Binnie Hale) das Geld abholen will, trifft sie den charmanten Gerald (Basil Rathbone) wieder, der zuvor ihre alte Wohnung mieten wollte. Carol, frisch von ihrem Freund Ronald (Bruce Seton) getrennt, verfällt dem gutaussehenden Fremden und ist kurze Zeit darauf bereits seine Frau. Aber ist Gerald wirklich der, für den er sich ausgibt? Ronald, der nie über die Trennung hinwegkam, ist zumindest fest davon überzeugt.

Wenn die Rede von Agatha-Christie-Verfilmungen ist, fallen einem spontan immer die hochkarätig besetzten Kinowerke aus den 60ern bis 80ern ein. Dabei hatte es schon viel früher Versuche gegeben, die Geschichten der Krimiautorin für die große Leinwand zu adaptieren. Eine der ersten stammt aus dem Jahr 1937, heißt Love From A Stranger und basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück, das wiederum seinen Ursprung in der 1934 veröffentlichten Kurzgeschichte „Philomel Cottage“ hat.

Bemerkenswert ist der in den USA auch unter dem Titel A Night in Terror gezeigte Film aber nicht nur aufgrund seines Alters, sondern auch seiner Besetzung: Der spätere Sherlock-Holmes-Darsteller Basil Rathbone (Die Abenteuer des Sherlock Holmes, Der Hund von Baskerville) schlüpft hier in die Rolle des Schurken. Die recht simple Magd Emmy wiederum wird von Joan Hicksen verkörpert, die später noch in anderen Christie-Filmen mitspielte (16 Uhr 50 ab Paddington, Warum haben sie nicht Evans gefragt?), bevor sie fast 50 (!) Jahre nach Love From A Stranger mit Die Tote in der Bibliothek selbst Miss Marple verkörpern durfte.

Die darstellerischen Leistungen sind dann auch durch die Bank sehr gut, quasi das Hauptargument, sich Love From A Stranger einmal anzuschauen. Schon der Auftakt überzeugt, wenn sich Carol als Frau gegenüber Ronald behauptet oder kleine komische Wortgefechte mit ihrer hypochondrischen Tante liefert. Vor allem aber zum Schluss hin, wenn die Spannungsschraube angezogen wird, dürfen Harding und Rathbone ihre Klasse zeigen. Das ist zwar manchmal reichlich überzogen, der Film immer wieder von Overacting und Theatralik geprägt. Da es aber gerade auch darum geht, wie Menschen die Kontrolle über sich verlieren, sei es aus Paranoia oder anderen Gründen, passt das hier gut zum Geschehen und hat einige verflucht intensive Szenen zur Folge.

Das Geschehen an sich ist dabei jedoch über lange Zeit nicht übermäßig spannend, die Wurzeln der Kurzgeschichte und des Theaterstück sind deutlich zu spüren. So spielt die verhängnisvolle Beziehung in einer sehr überschaubaren Anzahl an Schauplätzen, Handlung gibt es kaum, dafür vor allem Dialoge. Dadurch braucht Love From A Stranger relativ lange, bis die Geschichte mal in die Gänge kommt, mit einem Krimi hat der Film zuvor eher wenig zu tun, er ist eher eine Mischung aus Drama, Komödie und Romanze. Für die zweite Hälfte lohnt sich die Sichtung aber immer noch, auch bald 80 Jahre später. Auf Deutsch ist das Frühwerk nie erschienen, wer es als DVD sein eigen nennen möchte, muss zum Import greifen. Alternativ wartet mal wieder YouTube, wo der komplette Film hochgeladen wurde.

Love From A Stranger
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Love From A Stranger
Wer ist der Mann an meiner Seite? Basierend auf einer Kurzgeschichte von Agatha Christie erzählt „Love From A Stranger“ die Geschichte einer Frau und ihres mysteriösen Gatten. Der Film ist reich an Dialogen, weniger an Handlung, weshalb die erste Hälfte nicht übermäßig spannend ist. Erst später läuft der Krimi zur Hochform auf, auch dank der hochkarätigen Besetzung.
6von 10

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