Kritik

Carriers – Flucht vor der tödlichen Seuche

„Carriers – Flucht vor der tödlichen Seuche“ // Deutschland-Start: 1. Oktober 2009 (Kino) // 26. Februar 2010 (DVD/Blu-ray)

Das Virus kam plötzlich, dafür umso heftiger: In relativ kurzer Zeit ist ein Großteil der Menschheit an der Pandemie gestorben, auch wegen der enorm hohen Ansteckungsrate. Die Brüder Brian (Chris Pine) und Danny (Lou Taylor Pucci) gehören zu denjenigen, die bislang davongekommen sind, auch dank einiger strenger Regeln, die sie aufgestellt haben. Und damit das auch so bleibt, wollen sie zusammen mit Brians Freundin Bobby (Piper Pirabo) und Dannys Schulkameradin Kate (Emily VanCamp) zu einem Strand fahren und dort die Pandemie einfach aussitzen. Doch der Weg dorthin ist weit, immer wieder begegnen die vier anderen Leuten, die ebenfalls ums Überleben kämpfen – darunter auch Frank (Christopher Meloni) und dessen bereits infizierte kleine Tochter Jodie (Kiernan Shipka), die auf eine Heilung hoffen …

Die aktualisierte Virus-Vergangenheit
Im Zuge der Corona-Pandemie rückten 2020 auch wieder eine Reihe älterer Filme in den Fokus, die sich mit dem Thema befassten und Gesellschaften zeigten, in denen ein tödliches und hochgradig ansteckendes Virus die Runde macht. Teilweise geschah das gezielt, etwa mit dem exhumierten südkoreanischen Horrorstreiften Pandemie, der sieben Jahre nach der Fertigstellung auf einmal in unseren Kinos lief. Am anderen Ende der Skala stand der Thriller Contagion, der gerade aufgrund seiner realistischen Darstellung der Übertragung und Reaktionen einen unerhofften Popularitätsschub genoss.

Irgendwo dazwischen befand sich Carriers – Flucht vor der tödlichen Seuche, der damit schon zum zweiten Mal aufgrund äußerer Umstände Aufmerksamkeit erhielt. Eigentlich war der Film bereits 2006 abgedreht, schimmelte dann aber in den Katakomben des Studios vor sich hin, bevor Chris Pine durch seine Darstellung als Captain Kirk in Star Trek auf einmal bekannt wurde. Und das wollte man mit dem älteren Film ausnutzen. Beim Viren-Thriller war es hingegen nun der Inhalt, welcher den Eröffnungsfilm vom Fantasy Filmfest 2009 auf einmal wieder interessant machte. Denn wem Contagion zu nüchtern und distanziert war, der konnte hier anhand einiger speziell ausgewählter Figuren erleben, was es heißt, in einer solchen pandemiegeplagten Welt unterwegs zu sein.

Wobei Carriers an vielen Stellen eher einem herkömmlichen Endzeitfilm ähnelt. Ob man sie nun aus Zombietiteln kennt oder Werken, in denen beispielsweise eine Naturkatstrophe oder ein Nuklearschlag das Leben ausgelöscht hat, viele Szenen kommen einem schon bekannt vor. Die meisten Orte sind menschenleer, es gibt nur vereinzelt noch Hinweise darauf, dass da früher mal jemand gewohnt hat. Diejenigen, die der Katastrophe entkommen sind, rücken anders, als man es sich vielleicht erhoffen könnte, nicht näher zusammen. Vielmehr bekämpfen sie sich gegenseitig, nehmen sich gegenseitig Nahrung und Benzin weg. Auch wenn Millionen bereits gestorben sind, am Ende ist sich jeder selbst der nächste.

Düsterer Einblick in die menschlichen Abgründe
Carriers ist dann auch weniger für ein Publikum geeignet, das mithilfe von Filmen Hoffnung schöpfen und von einer besseren Welt träumen will. Vielmehr ist es beeindruckend, wie zynisch hier die menschliche Natur als grundlegend selbstsüchtig und zerstörerisch dargestellt wird. Die Brüder Àlex Pastor und David Pastor, welche später auch in The Last Days und Dein Zuhause gehört mir tief in die menschlichen Abgründe geblickt haben, lieferten mit ihrem Langfilmdebüt einen überaus düsteren Genrevertreter ab. Dann und wann blitzt zwar schon noch so etwas wie Empathie auf, kleine Schimmer in der Finsternis. Lange hält das aber nicht an, im nächsten Moment wartet schon der Tod, verursacht eben nicht durch das Virus, sondern die Menschen.

Größere Glaubwürdigkeit sollte man sich davon nicht erwarten oder auch tatsächliche Abwechslung. In einer Reihe von meist unzusammenhängenden Episoden erzählt das spanische Regie- und Drehbuchduo davon, wie die vier unterwegs irgendwelchen Leuten begegnen, was immer irgendwie mit Gewalt oder zumindest der Androhung von Gewalt einhergeht. Eine wirkliche Entwicklung findet dabei nicht statt, weder auf die Geschichte, noch die Figuren bezogen. Allenfalls die Gruppendynamik bzw. das Verhältnis zwischen den zwei Brüdern sticht da hervor. Die Emotionalität, welche in einigen besonders harten Szenen erzeugt werden soll, greift daher nur zum Teil. Man kommt den meisten einfach nicht nah genug, um wirklich mitzufiebern. Dennoch ist Carriers sicherlich einer der besseren Vertreter dieses Segments, eben weil es die Pastors vermeiden, die Endzeitstimmung aufweichen zu wollen und aufzeigen, dass eine Flucht manchmal nicht möglich ist.

Credits

OT: „Carriers“
Land: USA
Jahr: 2009
Regie: Àlex Pastor, David Pastor
Drehbuch: Àlex Pastor, David Pastor
Musik: Peter Nashel, Brick Garner
Kamera: Benoît Debie
Besetzung: Lou Taylor Pucci, Chris Pine, Piper Perabo, Emily VanCamp, Christopher Meloni, Kiernan Shipka

Bilder

Trailer

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Carriers – Flucht vor der tödlichen Seuche
„Carriers – Flucht vor der tödlichen Seuche“ spielt in einer Welt, in der ein tödliches Virus ein Großteil der Menschheit ausgelöscht hat und die Überlebenden sich gegenseitig bekämpfen. Bemerkenswert ist daran vor allem, wie konsequent düster und zynisch die Geschichte ist, selbst wenn ein wenig die Abwechslung fehlt und bei den Figuren mehr nötig gewesen wäre.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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