Detektei Blunt
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Detektei Blunt – Die komplette Serie

(„Agatha Christie’s Partners in Crime“ directed by Tony Wharmby, Christopher Hodson and Paul Annett, 1983)

Detektei Blunt
„Detektei Blunt – Die komplette Serie“ ist seit 27. Februar auf DVD erhältlich

Woher nehmen und nicht stehlen? Der Erste Weltkrieg ist vorbei, das Leben in England kehrt erst langsam zur Normalität zurück. Der ehemalige Soldat Tommy Beresford (James Warwick) und die frühere Krankenschwester Prudence „Tuppence“ Cowley (Francesca Annis) stehen damit ohne Arbeit da und brauchen dringend eine neue Einnahmequelle. Auf der Suche nach Geld und Abenteuern schlittern die beiden unversehens in eine gefährliche Spionagegeschichte hinein. Aufhören? Kommt nicht in Frage, denn dafür macht den Nachwuchsschnüfflern die Detektivarbeit einfach zu viel Spaß.

Hercule Poirot und Miss Marple – selbst wer sich nicht zu den eingefleischten Krimifans zählt, wird die beiden Romanfiguren von Agatha Christie kennen. Dabei schuf die englische Bestsellerautorin noch diverse andere Ermittler, die sich jedoch nie aus dem Schatten ihrer berühmten Kollegen lösen konnten. Und zumindest bei den Beresfords war das schon etwas erstaunlich, denn sie zählen nicht nur zu den frühesten Charakteren – ihr erster Auftritt war 1922 in „Ein gefährlicher Gegner“, dem zweiten Kriminalroman Christies überhaupt –, sondern auch zu den langlebigsten, bis 1973 waren sie regelmäßig im Einsatz. Eine weitere Besonderheit: Während Poirot und Marple über all die Romane und Geschichten hinweg unverändert blieben, führten die Beresfords ein tatsächliches Leben, heirateten, bekamen Kinder, wurden gemeinsam alt.

Mag sein, dass es genau diese Normalität war, welche ihrem großen Durchbruch immer im Weg stand: Im Gegensatz zum exzentrischen belgischen Meisterdetektiv und der besserwissenden Altjungfer blieb das Paar immer etwas farblos, sieht man einmal von der ausgeprägten Hutleidenschaft von Tuppence ab. Ein bisschen Humor sollte in der Serie Detektei Blunt, welches auf dem ersten Roman und der Kurzgeschichtensammlung „Die Büchse der Pandora“ beruht, für die nötige Unterhaltung sorgen. Der Plan geht streckenweise sogar auf. Auch wenn sie sicher nicht mit Peter Ustinov (Tod auf dem Nil, Das Böse unter der Sonne) und Margret Rutherford (16 Uhr 50 ab Paddington, Vier Frauen und ein Mord) konkurrieren können, amüsant sind die gelegentlichen Wortgefechte der beiden immer wieder, auch der ständig traumtanzende Gehilfe Albert (Reece Dinsdale) gehört zu den Stärken der Serie aus dem Jahr 1983.

Doch so humorvoll diese auch ist, die eigentlichen Kriminalfälle gehören nicht unbedingt zu den besten aus dem umfangreichen Christie-Opus. Das mag am Alter liegen, denn die Vorlagen gehören wie gesagt zu ihren frühesten Veröffentlichungen überhaupt. Vielleicht aber auch daran, dass nach dem Auftakt ausschließlich Kurzgeschichten adaptiert wurden, und die boten für 50 Minuten einfach nicht genug Stoff. Oft genug verfängt sich Detektei Blunt so im Leerlauf, nichts passiert wirklich, was sonst auf wenigen Seiten geschah, muss nun deutlich aufgeblasen werden. Richtig spannend wird die TV-Produktion daher nie, nur selten darf man als Zuschauer wirkliche Rätselnüsse knacken.

Und auch beim Drumherum muss man sich im Vergleich zu den großen Filmen mit sehr viel weniger zufriedengeben: Anders als bei den absurd hochkarätig besetzten Kinoproduktionen Mord im Orientexpress, Tod auf dem Nil oder Mord im Spiegel wird man hier kaum bekannte Gesichter entdecken – von Honor Blackman (Mit Schirm, Charme und Melone) in der Pilotfolge einmal abgesehen. Die Ausstattung ist ebenfalls weniger opulent, wobei man sich bei den Kostümen durchaus Mühe gab und das Flair der 1920er teils schön einfing. Doch das reicht so alles nicht ganz, zusammen mit den schwachen Actionszenen ist Detektei Blunt für ein heutiges Publikum nicht mehr als Durchschnitt. Vielleicht macht es der zweite Versuch ja besser, denn für Ende 2015 ist anlässlich des 125. Geburtstages von Agatha Christie eine neue Serie um Tommy und Tuppence angekündigt.



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Die Besetzung ist gut, die Serie teilweise amüsant, auch die Kostüme sind nett anzusehen. Doch dafür hapert es bei den eigentlichen Fällen, die Krimiserie rund um die beiden weniger bekannten Agatha-Christie-Detektive ist nicht mehr als Durchschnitt.
5
von 10