(„Predestination“ directed by Michael Spierig and Peter Spierig, 2014)

Predestination

„Predestination“ ist seit 5. Februar auf DVD und Blu-ray erhältlich

Alles hat irgendwann einmal ein Ende, so auch die Karriere eines der besten Zeitreise-Agenten (Ethan Hawke). So oft ist er bereits in die Vergangenheit gereist, um zukünftige Verbrechen zu verhindern, dass er sich an ein eigenes Leben gar nicht mehr erinnern kann. Einen letzten Auftrag hat er jedoch. Und so macht er sich auf den Weg in die 1970er, um als Barmann getarnt Bekanntschaft mit einem unscheinbaren Gast (Sarah Snook) zu machen – denn dessen ungewöhnliche Lebensgeschichte wird Auswirkungen auf das Leben vieler Tausender Menschen haben.

„Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?“, lautet der maue Versuch des Barkeepers, seinen Gast aufzumuntern. Anfangs nur eine Randnotiz mausert sich die Frage bald zum zentralen Thema von Predestination. An der Lösung des Paradoxes haben Michael und Peter Spierig (Daybreakers) jedoch nur wenig Interesse, im Gegenteil. Während andere Zeitreisefilme die unweigerlichen Logiklöcher ignorieren oder maximal mit einem Augenzwinkern thematisieren (Looper), nehmen die Zwillingsbrüder sich derer dankbar an und treiben sie auf die Spitze. Der geschulte Zuschauer ahnt zwar schon früh, dass bei der Geschichte einzelne Details nicht stimmen, doch selbst Experten dürfte es schwer fallen, sämtliche Wendungen des Films vorherzusehen. Gerade zum Schluss, wenn dann auch die letzte Hemmung gefallen ist, wird man sprachlos zurückgelassen – ob positiv oder negativ hängt davon ab, wie sehr man vergleichbare Mindfucks zu schätzen weiß.

Doch es ist nicht nur der offensive Umgang mit Widersprüchen, der die australische Produktion von seinen Genrekollegen unterscheidet. Bemerkenswert ist auch, wie stark die Figuren hier im Vordergrund stehen. Nach einem actiongeladenen Auftakt nehmen die Spierig-Brüder komplett das Tempo heraus, lassen dem Gast mehr als eine halbe Stunde Zeit, seine Geschichte vorzutragen. Und die hat es in sich. Sie ist mysteriös genug, um die Spannung trotz des gemächlichen Erzähltempos hochzuhalten, gleichzeitig aber auch wahnsinnig traurig. Zwischenzeitlich wird das von ihr erlittene Schicksal so brutal, dass man sich noch einmal vergewissert, ob da tatsächlich auf der Hülle von einem Thriller die Rede war. Auch hier hält sich die Glaubwürdigkeit stark in Grenzen, ist aber so mitreißend von Sarah Snook gespielt, dass man hofft, bald noch mehr von ihr zu sehen.

Wer Science-Fiction-Filme, speziell solche zum Thema Zeitreise, jedoch primär zum Zwecke des Nervenkitzels schaut, wird das wenig trösten. Und auch wenn später wieder Gas gegeben wird, mit nicht immer so ganz überzeugendem Ergebnis, die Verfilmung der Kurzgeschichte „All You Zombies“ von Richard A. Heinlein (Starship Troopers) bleibt mehr Drama denn Thriller, zum Schluss wird die Fragestellung zudem in eine deutlich ethisch-philosophische Richtung verschoben. Auch die Optik tut wenig dafür, von einem größeren Publikum geliebt zu werden. Die Ausstattung ist atmosphärisch, gerade wenn wir in Erzählungen oder per Maschine zurück in die Vergangenheit reisen. Gerade in einem Genre, das mit futuristischen Techniken und abstrakten Schauplätzen sonst nur so um sich wirft, dürfte das so manchem aber zu wenig sein. Wer jedoch nicht mit dem Anspruch an Predestination herangeht, eine Miniaturausgabe der Blockbuster-Vorbilder zu bekommen und sich auf den Film einlässt, der darf sich auf ein sicher nicht perfektes, aber doch außergewöhnliches Kleinod freuen.

Predestination
4.67 (93.33%) 3 Artikel bewerten

Predestination
Action? Große Effekte? Eine schicke Optik? Nein, damit kann „Predestination“ nicht dienen. Dafür spielt der australische Science-Fiction-Film genüsslich mit Paradoxien sowie philosophischen Überlegungen und erzählt dabei ganz nebenbei eine zu Herzen gehende Geschichte.
7von 10

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