(„Wild Bill“ directed by Dexter Fletcher, 2011)

Wild Bill – Vom Leben beschissen!Der Vater im Knast wegen Drogen, versuchten Mordes und diverser anderer Vergehen, die Mutter hockt mit ihrem Liebhaber irgendwo in Spanien – wirklich zu beneiden sind die beiden Brüder Dean und Jimmy da nicht. Der Ältere, Dean (Will Poulter) scheint dennoch das Beste aus den miesen Voraussetzungen gemacht zu haben. Viel Geld bringt der 15-Jährige zwar nicht vom Bau mit nach Hause, aber es reicht, um die beiden durchzufüttern. Und dann wäre da noch Steph (Charlotte Spencer), an der der Jugendliche Gefallen gefunden hat. Jimmy (Sammy Williams) hingegen strauchelt da mit seinen 11 Jahren deutlich mehr und wird, gelockt durch die Versuchungen des schnellen Geldes, zum Handlanger des Drogendealers T. (Leo Gregory).

Wie der Sohn, so auch der Vater. Als Bill (Charlie Creed-Miles) aus dem Gefängnis entlassen wird, dauert es nicht lange, bis seine früheren Drogenfreunde bei ihm auf der Matte stehen, ihn mit neuem Stoff versorgen, mit Alkohol zuschütten und dann völlig besoffen in der Wohnung der Kinder zurücklassen. Die sind wenig begeistert, vor allem Dean will mit seinem Erzeuger nichts zu tun haben. Und doch muss er genau das, als das Jugendamt erfährt, dass die Minderjährigen alleine wohnen. Aus der Not heraus treffen Bill und sein Sohn daher eine Abmachung: Bill bleibt bei ihnen, so lange, bis die Behörden von ihren Plänen absehen, die beiden ins Heim zu stecken. Dafür verrät Dean nichts von den Drogen, die er seinem Vater abgenommen und versteckt hat. Denn wenn von denen die Polizei spitzkriegt, heißt es Bye Bye Freiheit, willkommen zurück im Knast.Wild Bill – Vom Leben beschissen! Szene 1

Der Untertitel Vom Leben beschissen lässt ja eher auf eine Komödie schließen, tatsächlich inszenierte Dexter Fletcher die Geschichte um ein Vatersohngespann aber als Mischung aus Drogendrama und Milieustudie. Zumindest mit dem Thema Drogen war der Engländer bestens vertraut, denn bevor er bei Wild Bill sein Debüt als Regisseur und Koautor gab, konnte er bereits eine lange Karriere als Schauspieler vorweisen – unter anderem auch in Bube, Dame, König, grAS. Anders als vielleicht zu befürchten gewesen wäre, ist sein Wechsel hinter die Kamera sogar richtig ordentlich geworden. Anstatt sich in deren Tristesse zu suhlen, lockert er die Geschichte mit lakonischem, deutlich britischem Humor auf.

Weniger gelungen sind die Figuren, die ein bisschen zu sehr nach Reißbrett schmecken: die Nutte mit dem Herz aus Gold, der aufrechte Einzelkämpfersohn, der fiese Drogenlord und im Mittelpunkt Bill, der zwar viel Mist gebaut hat, aber im Grunde ein anständiger Kerl ist, der nur eben die Chance brauchte, über sich selbst hinauszuwachsen. Das ist ebenso bekannt wie die vorhersehbare Geschichte, die natürlich damit endet, dass die Familie wieder zusammenfindet. Für einen Debütfilm ist das in Ordnung, beim nächsten Mal darf es aber schon ein bisschen mehr sein.Wild Bill – Vom Leben beschissen! Szene 2

Was Wild Bill aufwertet ist neben dem gelungenen Humor vor allem die Darstellung der beiden Hauptdarsteller. Gerade wenn Charlie Creed-Miles und Will Poulter zusammen auftreten, bringt das einzelne intensive Momente hervor. Die schönste Szene ist aber, wenn Bill und Dean auf dem Balkon stehen, aus Rechnungen und ähnlich unnützem Papierkram kleine Flieger basteln, die sie über London hinwegsegeln lassen. In dem Moment möchte man wirklich daran glauben, dass alles gut werden kann, wenn man sich nur Mühe gibt. Dass man selbst dann noch ein anständiges Leben führen kann mit einem Exknacki als Vater und einer Mutter, die sich aus dem Staub gemacht hat.

Wild Bill – Vom Leben beschissen! erscheint am 9. Januar auf DVD und Blu-ray



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Wild Bill – Vom Leben beschissen!
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Wild Bill – Vom Leben beschissen!
In seinem Regie- und Drehbuchdebüt Wild Bill verlässt sich Dexter Fletcher zwar etwas zu sehr auf bekannte Handlungsmuster und Figuren. Dafür entschädigen aber der wunderbare typisch britische Humor und zwei starke Hauptdarsteller.
6von 10

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