(„The Twisted Tales of Felix the Cat“ directed by Lynne Naylor and others, 1995)

Felix the CatTom gegen Jerry, Sratchy gegen Itchy – wann immer sich Comickatzen mit ihren Mauskollegen anlegten, zogen erstere den Kürzeren. Doch kein Zweikampf endete mit einer vergleichbar großen Niederlage des Stubentigers wie der, der sich in den 1920ern zutrug. Auf der einen Seite des Rings: Felix the Cat, ein schwarzer Kater mit großen weißen Augen und einem noch größeren Grinsen. Und auf der anderen Seite die Maus, Micky Maus. Damals, so schien es, konnte nichts und niemand Felix aufhalten. Ein gefeierter Filmstar, der neben Hollywoodgrößen wie Douglas Fairbanks und Charlie Chaplin auftrat, und Aushängeschild von einem beispiellosen Merchandisingimperium war. Felix hatte nur ein Problem: Er konnte nicht sprechen. Während Micky 1928 mit Steamboat Willie, dem ersten vertonten Zeichentrickfilm, Filmgeschichte schrieb, verpasste Felix den Anschluss und geriet bald in Vergessenheit. Comebackversuche gab es danach noch einige, aber gegen das Mausimperium konnte er nichts mehr ausrichten.

Einer dieser Versuche markierten Die schrägen Geschichten von Felix the Cat von 1995, die hier als Komplettbox veröffentlicht werden. Dabei vereint die TV-Serie Elemente des Ur-Felix mit welchen aus einer Serie, die in den späten 50ern entstand. Aus letzterer stammen Ideen wie Felix’ Zaubertasche, die alle möglichen Formen annehmen kann. Viel mehr als die erste Neuauflage werden hier jedoch die oft surrealen Szenarien und Ereignisse des Originals zum Vorbild genommen. Dass eine Zeichentrickfigur mit seinem eigenen Schatten kämpft, mag ja noch zum Standardrepertoire des Mediums gehören. Ein aus Matsch bestehender und ständig Grog saufender König, der die Kanalisation beherrscht, ist da schon bedeutend eigenartiger. Und spätestens wenn Felix an den schwarzen Umrandungen von Häusern und Charakteren zieht und die daraufhin in sich zusammenfallen, wird auch dem letzten klar: Real ist hier gar nichts.Felix the Cat Szene 1

Wer am Surrealen oder auch Unerwarteten Gefallen findet, wird deshalb die Kreativität hinter dieser Serie bestimmt zu schätzen wissen. Selbst dann sollte man sich die schrägen Abenteuer aber besser nur in kleinen Dosen geben, sonst wird es schnell anstrengend. Denn was hier alles in nur sieben Minuten gepackt wird – die Länge einer normalen Folge – ist nur schwer zu toppen: fortlaufende Geschichten oder Dialoge sind eher selten, dafür gibt es oft Orts- und Handlungswechsel im Sekundentakt. Fast möchte man meinen, die Serie wäre explizit für Kinder gedacht, die an ADHS leiden. Kindgerecht ist die Serie ansonsten aber schon. Ähnlich zynisch wie seine Kollegen Hobbes und Garfield – von Fritz ganz zu schweigen – wird Felix nie, vielmehr besteht das Vergnügen darin, sich von den unvorhergesehenen Einfällen überraschen zu lassen.Felix the Cat Szene 2

Der Zeichenstil hält sich übrigens eng an die Vorlage, gerade die Hintergründe und die Figuren sind angenehm nostalgisch gehalten. Glücklicherweise versuchten die Macher der Serie also nicht, das Cartoonurgestein mit Gewalt zu modernisieren. Nur der gelegentliche Einsatz von Computern verrät, dass Die schrägen Geschichten von Felix the Cat in den 1990ern entstanden sind. Vorsicht aber, wer die Box auf Amazon kaufen möchte: Dort steht fälschlicherweise, dass es sich um die Serie aus den späten 50ern handelt. Und die war deutlich konventioneller gehalten.

Felix the Cat ist seit 26. April auf DVD erhältlich 

Felix the Cat
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Felix the Cat
Felix the Cat ist eine sehr surreale Neuauflage des bekannten Zeichentrickkaters. Auf Dauer vielleicht etwas anstrengend, zeichnet sich die TV-Serie in kleineren Dosen durch nostalgische Bilder, großen Einfallsreichtum und ein rasantes Tempo aus.
7von 10

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