(„Le Notti Bianche“ directed by Luchino Visconti, 1957)

Luchino Viscontis Verfilmung der Novelle Weiße Nächte aus der Feder Dostojewskis ist vor allem eines: eine großartig erzählte, traurig- schöne Liebesgeschichte.

Der einsame Träumer Mario (Marcello Mastroianni) trifft eines Nachts auf die verzweifelte Natalia (Maria Schell), die seit einem Jahr sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Verlobten Tenant (Jean Marais) wartet, und verliebt sich in sie. Die beiden schließen Freundschaft und treffen sich auch an den folgenden Abenden. Allmählich sieht Natalia ein, dass die Hoffnung auf die Rückkehr ihres Geliebten aussichtslos ist, und sie beginnt, Marios Zuneigung zu erwidern- doch dann nimmt die Geschichte eine tragische Wendung…

Le Notti Bianche gehört zu jenen Filmen, die keiner wortreichen Erläuterungen bedürfen, um der Faszination, die sie auf den Zuschauer ausüben, gerecht zu werden. Die eher konventionelle Handlung erscheint angesichts des hervorragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller geradezu nebensächlich, vielmehr bietet sie Maria Schell und Marcello Mastroianni die Möglichkeit, ihre Rollen außerordentlich facettenreich und differenziert zu interpretieren.

Dieses Meisterwerk, das gewissermaßen das „Kabinettstück“ innerhalb der umfangreichen Filmografie Viscontis darstellt und die endgültige Abkehr des Regisseurs von seiner neorealistischen Schaffensphase markiert, lebt von seiner optischen, sowie dramaturgischen Brillanz und ist zudem noch mit der wundervollen Musik Nino Rotas unterlegt. Visconti zeichnet das Bild einer tristen Welt voller Raufbolde, Flittchen, Obdachloser und Vergnügungssüchtiger- in genau diesem Umfeld entsteht eine derart intensive, aufrichtige Liebe zwischen zwei gesellschaftlichen Außenseitern, die doch von der ersten Begegnung der Protagonisten an zum Scheitern verurteilt ist.

Le Notti Bianche ist ein filmisches Juwel- einzigartig in seiner Inszenierung und unerreicht in seiner schlichten Schönheit.

Wertung: 5 von 5

Weiße Nächte
3.89 (77.78%) 9 Artikel bewerten

Über den Autor

3 Responses

  1. Breakout

    Einer meiner liebsten Erzählungen , die ich zufällig entdeckt, seitdem mehrfach gelesen und vielfach verschenkt habe, ist Dostojewskijs Weiße Nächte. Für mich ist Weiße Nächte das Kunstwerk, das die bitter-süße und tragisch-schöne Existenz des menschlichen Daseins in bester und schönster Form wiedergibt. Ich gestehe, dass ich sehr skeptisch bin, ob ein Film dieser Leistung Dostojewskijs gerecht werden kann, allerdings scheint der Streifen auf jeden Fall ein sehr guter Versuch gewesen zu sein.

    Und zuweilen muß ich mich fragen: Wo sind denn deine Träume? Und ich schüttele den Kopf und sage: Wie schnell vergeht doch die Zeit! Und dann frage ich mich wieder: Was hast du mit deinen Jahren gemacht? Wo hast du deine beste Zeit begraben? Hast du gelebt oder nicht? Sieh nur, sag ich zu mir selbst, wie kalt es in der Welt wird! Noch einige Jahre, und dann kommt die traurigste Einsamkeit, kommt mit der Krücke das zitterige Alter, und mit ihnen Gram und Leid. Deine phantastische Welt wird verblassen, deine Träume werden absterben, verwelken und abfallen wie das gelbe Laub von den Ästen … Ach Nastenka! Es ist so traurig, allein, ganz allein zu bleiben und nicht einmal etwas zu haben, was man beweinen könnte, nichts, gar nichts! … Denn alles, was man verloren hat, war eigentlich nichts, eine absolute Null, ein Hirngespinst!

    (Das ist allerdings eine weniger schöner Übersetzung als im kleinen Reclam-Büchlein.)

    Antworten
  2. F.Fröhner

    Ich finde, dass man den Film kaum mit der (selbstredend großartigen) Vorlage vergleichen kann, da Visconti die Liebesgeschichte fokussiert und in einen völlig anderen zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext bettet. Hätte Visconti versucht, den philosophischen Gehalt der Vorlage in den Film einzuflechten, wäre er fraglos gescheitert.

    Großes Kino!

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.