(„Stripes“, directed by Ivan Reitman, 1981)

„You better hit those bunks my little babies, or Sergeant Hulka with the „big toe“ is gonna see how far he can stick it up your ass.”

Bevor Bill Murray nur noch alte verbitterte Männer spielen durfte, spielte er junge verbitterte Männer.  In Ghostbusters den misanthropischen Geisterjäger Peter Venkman, in Die Geister, die ich rief den Fernsehproduzenten Frank Cross, der keine Freunde hat, seine Familie vernachlässigt und erst mithilfe von diversen Geistern sein Herz entdeckt, in Und täglich grüßt das Murmeltier den Fernsehwetterfrosch Phil, der auf die Gefühle seiner Mitmenschen nur wenig Rücksicht nimmt, bis er Rita begegnet oder in Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch John.

John hat allerdings auch allen Grund deprimiert zu sein, denn an einem einzigen Tag verliert er seinen Job als Taxifahrer, sein Auto und seine Freundin, die ihn für einen jämmerlichen Versager hält. John hat kaum noch Hoffnung, noch etwas aus seinem Leben machen zu können, bis er im Fernsehen einen Bericht über die Armee sieht. Er überredet seinen Kumpel Russell (Harold Ramis), sich bei der Armee zu melden, um ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben und um richtige Männer zu werden. Dabei haben sie sich diese Einrichtung eher als kostenloses Fitnessstudio mit gelegentlichen Kaffee- und Kuchenkränzchen vorgestellt. Ihre Überraschung ist daher umso größer, als sie schließlich ihrem Vorgesetzten Sergeant Hulka (Warren Oates) gegenüberstehen, der für Witze nicht das Geringste übrig hat und daher auch mit den zwei neuen Spaßvögeln nicht viel anfangen kann. Diese versuchen nun, aus der harten Zeit das Beste zu machen, welches einzutreffen scheint, als Sergeant Hulka verletzt wird und die Chaostruppe sich bis zum Ende der Grundausbildung selbst ausbilden muss. Das Chaos ist perfekt, als John und Russell mit einem Wohnwagen der Armee nach Deutschland flüchten wollen …

Stripes ist – auch wenn manch einer dies gerne behauptet – nicht die erste amerikanische Militärparodie der 80er, die Maßstäbe setzte und viele weitere ähnlich gelagerte Satiren nach sich zog. Bereits ein Jahr zuvor behauptete sich Goldie Hawn als Frau in Private Benjamin bei der Armee. Nun klassifiziert sich Stripes natürlich hervorragend als Komödienklassiker, nicht nur, weil er von demselben Team gedreht wurde, dass im Amerika der 80er Jahre bahnbrechende Kassenhits wie Animal House oder Ghostbusters hinlegte. Jahrelang war diese Militärparodie nur in gekürzter Fassung im Fernsehen oder auf DVD zu sehen, bis eine um 18 Minuten verlängerte Fassung auf DVD dem Publikum zugänglich gemacht wurde.

Leider hat diese Verlängerung dem Film eher geschadet denn genutzt, denn die Komödie krankt zu sehr an ihrer Laufzeit von zwei Stunden. Ohne die gekürzte Fassung zu kennen, fällt es hier leicht, die Szenen herauszufinden, die nun hinzugefügt wurden, denn einige von ihnen bringen den Film keinesfalls weiter oder erfüllen einen höheren Sinn, geschweige denn, dass sie gelungene Pointen servieren können, so wie eine sehr alberne Szene mit John und Russell im Dschungel bei Ureinwohnern oder ein Blick in die Hotelzimmer der beiden Deserteure, die sich dort mit ihren Freundinnen vergnügen, damit der Zuschauer sich an Brüsten erfreuen kann. Das ist insofern bedauerlich, als dass es den Film aufhält, ihn unnötig in die Länge zieht, wo dieses Werk äußerst vielversprechend beginnt und von den Ausnahmen abgesehen hervorragend unterhalten kann.

Stripes macht tatsächlich viel Spaß, was nicht nur am lakonischen Bill Murray liegt, sondern auch an Warren Oates (In der Hitze der Nacht) als griesgrämigen Knochen, der aus den neuen Waschlappen echte Männer machen will. Als solche stellt diese Satire auch eine hervorragende Parodie dar, indem hier auf sehr amüsante Weise gezeigt wird, was viele Menschen sich unter der Armee vorstellen, als was sich diese aber letztendlich entpuppt sowie das typische maskuline Gebaren, was einem dort beigebracht werden soll. Ausgeschmückt wird diese anarchistische Farce mit zahlreichen skurrilen Nebenfiguren wie John Larroquette als Captain, der mit Kriegshelm auf dem Kopf in seinem Büro wie ein kleiner Junge mit Spielfiguren hantiert oder John Candy als übergewichtigen Scherkeks, der Aggressionsprobleme hat und nur in die Armee eingetreten ist, um kostenlos ein paar Pfunde zu verlieren. Selbst als die Gagdichte in dieser Komödie allmählich sinkt, so eignet sie sich dennoch als kurzweilige Sonntagnachmittag-Unterhaltung, wobei gerade das Finale Maßstäbe für ähnlich gelagerte Filme setzte und in ähnlicher Art wenig später in Spione wie wir mit Chevy Chase und Dan Aykroyd wiederzufinden ist.

Für Liebhaber von amerikanischen Militärparodien bietet Immer Ärger mit Sergeant Bilko zweifellos quantitativ höher angesiedelten Pointen, doch trotz einiger Längen macht  Stripes, unter anderem aufgrund der sympathischen Figuren, noch immer Spaß. Leider ist dies eines der Beispiele dafür, wie neue, zusätzliche Szenen einem Klassiker nicht nur gut tun können. Dem Zuschauer wird hiermit ein Bärendienst getan.

Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch
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Ich glaub' mich knutscht ein Elch
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