(„Desert Flower“ directed by Sherry Horman, 2009)

Die bewegende Autobiographie von Waris Dirie, die 1997 erstmals als Buch erschienen ist, auf Zelluloid zu bannen mag ein nobles Vorhaben sein, das Ganze in rund 2 Stunden Laufzeit reingezwängt hat aber so seine Schwächen. Das in der Filmwelt relativ unbekannte Modemodel Liya Kebede, die angeblich in Lord Of War zu sehen war aber wohl in der Masse unterging, hatte die schwierige Aufgabe die weltbekannte Dirie zu mimen, doch meistert sie dies wie ich finde sehr gekonnt. Man kauft der Äthiopierin ihre tragische Kindheit ab in der sie wegen eines uralten, angeblich religiös bedingten Rituals im Genitalbereich verstümmelt wurde.

Tatsächlich wird die grausame und lebensgefährliche Beschneidung noch heute Tag für Tag in vielen Ländern der Welt, überwiegend aber in Afrika, praktiziert. Der Abspann erinnert den Unwissenden nochmals daran dass er es hier mit einer wahren Geschichte zu tun hat und dass Millionen von Frauen dieses brutale Schicksal erwartet. Aufgewachsen irgendwo in der Wüste von Somalia als Nomadenkind flüchtet Waris bereits als Kind nach Mogadischu zu ihrer Oma, von wo aus sie später London erreichen wird. Diese Bilder der Vergangenheit werden durch etwas zu kurz geratene Flashbacks  wiedergegeben, zu Beginn befindet sich der Zuschauer nämlich schon mit Waris in der britischen Metropole und ihren ersten Schritten als „freier“ Mensch. Ihren Werdegang zum Top-Model und schließlich die berühmte Rede vor den UN-Rat runden das Ganze inhaltlich ab.

Auch wenn ich das Buch selbst nicht gelesen habe, merkt man dass das Screenplay von Smita Bhide zugunsten einzelner Momente gestrafft wurde. Anstatt das Unmögliche zu versuchen, nämlich das Ganze Buch Zeile für Zeile zu verfilmen, konzentriert man sich auf Schlüsselmomente und lässt sich dabei Zeit. Einzelne Szenen ziehen sich deshalb relativ in die Länge was zuweilen auch etwas ermüdend wirkt. Auch hätte ich mir ein bisschen mehr Liebe zum Detail gewünscht. Ich meine damit weniger eine Makroaufnahme einer Klitoris-Abtrennung à la Antichrist aber gerade diesen doch fundamentalen Akt der Gewalt hätte man intensiver und somit noch abstoßender einbringen sollen, so wie dies auch die Vorlage tut (ein Mitzuschauer hat die Autobiographie gelesen, daher mein Wissen darüber).

Nichts desto trotz bietet Wüstenblume aber auch heitere Momente, meistens wenn  Waris und ihre erste wahre Freundin Marylin (Sally Hawkins) interagieren. Gefallen fand ich dann auch noch an Timothy Spall (The Damned United) der hier den Starfotografen Terry Donaldson verkörpert und Waris effektiv entdeckt. Die (mittlerweile Ex) UN-Sonderbeauftragte Dirie beteiligte sich hier „nur“ als Co-Produzentin. Alles im allem ein durchaus sehenswerter Streifen der leicht dahin tendiert auf Kosten der Detailtreue ein größtmögliches Publikum anzulocken und womöglich sogar ein wenig als Werbespot für die Waris Dirie Foundation in Wien dient, was in diesem Fall ja nichts Schlechtes bedeuten muss.



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