(„The Damned United“ directed by Tom Hooper, 2009)

Ein weiterer Film von  der Insel und auch dieser trifft meinen Geschmack. Basierend auf den Roman von David Peace skizziert Regisseur Tom Hooper die Karriere der britischen Fußballtrainerlegende Brian Clough. Im Film wird dieser von Michael Sheen (Underworld-Trilogie) verkörpert, der hier überraschend gut aufspielt. Nachdem Clough den kleinen Verein Hartlepools United gemeinsam mit Co-Trainer Peter Taylor (Timothy Spall) erfolgreich betreut hat wechselt das  Duo zum sehr schwachen Zweitligisten Derby County. In den kommenden Jahren wird ihnen eine kleine Sensation gelingen: sie führen Derby nicht nur in die höchste englische Fußballliga, sondern erkämpfen 1972 sogar den Meistertitel.

Ende der 60er und 70er wird der britische und europäische Fußball aber von Leeds United rund um Trainer Don Revie (Colm Meaney) dominiert. Clough lehnt nicht nur vehement die brutale und in seinen Augen unfaire Spielweise der Nordengländer ab, sondern hegt seinen ganz persönlichen Groll gegenüber Revie. Sein verbitterter Ehrgeiz Leeds auf dem Spielfeld zu schlagen treibt ihn zu den bereits genannten Höchstleistungen an, der wahre Stratege und Denker von Derby scheint allerdings Taylor zu sein, der sich in der Öffentlichkeit aber lieber in Cloughs Schatten bewegt.

Revie wird schließlich zum Nationaltrainer berufen was den Vorstand von Leeds United veranlasst Clough als seinen Nachfolger an Board zu holen. Die folgenden berühmten 44 Tage beim Blau-Gelben-Verein sollten allerdings Brian Cloughs Karrieretiefpunkt darstellen. Die Mannschaft wurde zu sehr von seinem Rivalen Revie geprägt, es gibt keine Kommunikation zum Starensemble und sein blinder Hass führt nur dazu dass Leeds sich nach fünf Spieltagen an Vorletzter Stelle wiederfindet.

Meine Inhaltsangabe erweckt vielleicht den Anschein The Damned United, sei ein platter Flick für Sportfreaks, dem ist aber überhaupt nicht so. Vielmehr geht es hier um die tragische Figur Brian Clough selbst, dessen zwischenmenschliche Beziehungen und natürlich auch um seine sportlichen Erfolge. Nur ein bis zwei Mal werden aber tatsächlich Szenen auf dem Spielfeld gezeigt, ansonsten beschränkt man sich auf das Leben rund um den Sportplatz. Clough wird wie ein besessener Perfektionist portraitiert, der sich aber weniger hinter Statistiken und Taktiktafeln versteckt, sondern eher einem leidenschaftlichen Fan gleicht. Exemplarisch sind hierzu auch die Szenen in denen er sich der eigenen Vereinsleitung widersetzt. Zu offensichtlich wird hier dass er überhaut kein Verständnis für den wirtschaftlichen Part und dessen Management hat.

Wenn er zu Beginn gegenüber Revie so etwas wie Respekt und Hochachtung empfindet ändert sich dies nach dem ersten Aufeinander treffen sehr schnell: der von den Zeitungen mit „bester Trainer Englands“ betitelte Revie würdigt Clough nicht eines Blicks, gibt ihm nicht einmal die Hand sondern wirkt einfach nur arrogant und überheblich. Ich persönlich kann mir kaum vorstellen dass ein Profi wegen einer Lappalie wie dieser die Fassung verliert und über Jahre einen solch tiefgründigen Hass aufbaut. Anderseits könnte man behaupten Clough sei nie wirklich ein Teil dieses „Clubs“ gewesen, was auch seine Sprüche und abfälligen Bemerkungen gegen Verband und Fußballestablishment bestätigen.

Der Film unterhält jedenfalls mit viel Witz und gutem Schauspiel. Die knapp 100 Minuten sind gut in Szene gesetzt und die Kulisse wirkt echt. Empfehlenswert auch für Sportmuffel!

The Damned United – Der ewige Gegner
4 (80%) 10 Artikel bewerten

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4 Responses

  1. Breakout

    Colm Meaney als Fußballtrainer in England? Das stell ich mir großartig vor! Auch wenn es sich nicht anhört als würde er in dieser Rolle oft im Film auftauchen.

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  2. Candide

    Doch Colm Meaney kommt eigentlich schon öfters vor, die Hauptrolle hat aber dennoch Michael Sheen bekommen 😉
    Beide spielen ihre Rolle sehr gut, vielleicht habe ich Meaney zu wenig hervorgehoben.

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  3. peter plau

    Sehe ich alles ähnlich. Guter Film – nicht nur für Fußballfans.
    Aber: Michael Sheen auf seine Rolle in den sehr mittelmäßigen Underworld-Filmen zu reduzieren und zu schreiben, er spiele „überraschend gut“ auf ist schlicht ignorant. Gegenüber seinen letzten Glanzlichtern in Die Queen oder Frost/Nixon spielt er hier wie erwartet überzeugend.
    Schöne Internetpräsenz,
    Peter

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  4. Candide

    Ich wollte seine Karriere keineswegs auf Underworld reduzieren, ich verfügte bis dahin schlichtweg nicht die Kenntnis über seine weiteren Rollen. Die beiden Filme die Du zitierst habe ich bisher noch nicht gesehen und bei Königreich der Himmel war sein Part einfach zu mickrig um wirklich etwas dazu sagen zu können. Von daher spielt er für mich hier durchaus überraschend gut.

    Danke übrigens für das Kompliment 🙂

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