(„Flags Of Our Fathers“ directed by Clint Eastwood, 2006)

Vor einiger Zeit hatte ich dummerweise als erstes Letters From Iwo Jima angeschaut, von dem ich nicht sonderlich begeistert war. Wie auch schön aus den damaligen Kommentaren zu lesen ist, muss ich nun meinem Bloggerkollegen wohl oder übel Recht geben und meine zuvor doch recht harsche Beurteilung etwas revidieren. Wie in der vorangegangenen Besprechung bereits erklärt stellt Flags Of Our Fathers die andere Seite der Medaille dar. Diesmal beobachten wir also die amerikanische Seite bei der Schlacht um Iwo Jima, einer kleinen japanischen Insel. Anders als im zweiten Film steht hier aber weniger die Front im Mittelpunkt sondern die Hauptdarsteller befinden sich in den USA und nur durch ihre Erinnerungen machen wir einen Schwenk zurück auf die Insel.

Im Mittelpunkt stehen diesmal drei US-Soldaten denen es gelungen ist auf den Mount Suribachi – jener Berg der dann in Letters From Iwo Jima von innen zu sehen sein wird –  eine US-Flagge zu hissen und dabei abgelichtet wurden. Das Foto erhält eine riesige Resonanz und gibt der kriegsmüden und skeptischen Öffentlichkeit wieder Siegesglauben und Mut. Weil nicht die Gesichter der Soldaten auf dem Foto zu erkennen sind, glaubt nun jeder seinen Sohn, Bruder oder Bekannten erkennen zu können. Die Regierung und die Armee lassen sich natürlich nicht zweimal bitten und machen die betroffenen Soldaten zu medialen Stars. Eine Tour dieser Helden quer durch das Land sollen die Amerikaner wieder motivieren Kriegsanleihen zu erwerben und somit die leerstehenden Militärkassen zu füllen. Hinter dieser Fassade scheint es aber weniger nobel herzugehen, denn schließlich sind von den „Flaggenhissern“ fast alle in der Schlacht gefallen…

Clint Eastwood geht hier durchaus kritisch ins Gericht wenn er bei den Höhepunkten der Öffentlichkeitsshows mit Rückblenden das wahre Kriegsgeschehen einblendet. Seine drei Protagonisten sind recht unterschiedlicher Natur. Zum einen ist da Rene Gagnon (Jesse Bradford) der das Rampenlicht sichtlich genießt aber im Grunde nur ein Ersatzmann für einen der Gefallenen ist, andererseits gibt es dann noch John Bradley (Ryan Phillippe) und den Indianer Ira Hayes (Adam Beach). Letzteren nutzt Eastwood unter anderem um den in der Gesellschaft tief verwurzelten Rassismus aufzuzeigen. John ist es zwar unangenehm als Held postuliert zu werden und Tag für Tag eine Lüge leben zu müssen, glaubt aber auch die Notwendigkeit daran einzusehen. Ira hingegen verfällt der Alkoholsucht und glaubt somit seinen Alpträumen entkommen zu können.

Getrennt betrachtet finde ich Flags Of Our Fathers gelungener als Letters From Iwo Jima, was aber wohl daran liegt dass er kurz gesagt ausbalancierter ist. Geschickt wechselt hier der Regisseur zwischen Kriegsgeschehen und Heimat, gekonnt werden diverse Reaktionen von Müttern, Politikern oder eben den zurückkehrenden Soldaten gezeigt was mir bei Letters einfach fehlte. Wie bereits zu Beginn erwähnt habe ich aber dem zweiten Teil von Eastwoods WWII-Werk unrecht getan. Wenn Flags das Kartenhaus aus Lügen und Täuschung entlarvt, wechselt Letters ganz einfach die Perspektive und gibt uns ein nüchterneres Bild. Als Gesamtwerk gesehen reiht sich diese Arbeit nahtlos in Eastwoods Galerie von Filmjuwelen ein.

Flags Of Our Fathers
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