(„Keoma“ directed by Enzo Castellari, 1976)

Man möchte meinen Frano Nero steht schlichtweg für Qualität. Dieser Spaghetti-Western von Enzo Castellari leidet allerdings an chronischer Langeweile. Versteht mich bitte nicht falsch: in diesem Gerne gibt es wesentlich schlechtere Vertreter, allerdings schafften es die ca. 95 Minuten der ungeschnittenen Fassung von diesem Streifen nicht so wirklich mich zu begeistern.

Die Story erzählt von Keoma (Frano Nero), der als Adoptivkind bei William Shannon (William Berger) und dessen drei leibliche Söhne Butch (Orso Maria Guerrini), Sam (Joshua Sinclair) und Lenny (Antonio Marsina) aufgewachsen ist. Keoma ist halb Indianer und halb Weißer und hat es deshalb von Anfang an nicht leicht. Durch Flashbacks erfährt der Zuschauer wie ihn seine Halbbrüder ständig prügelten und nie verstehen wollten, warum ihr Vater den „Bastard“ überhaupt mit nach Hause brachte.
Jahre später kehrt Keoma in seine alte Heimatstadt zurück. Er findet dort eine Spur der Verwüstung vor. Anscheinend raffen die Pocken die Bevölkerung dahin und eine Bande von Banditen macht sich dies zu nutzen indem sie den Ausnahmezustand für sich entdecken. Den Männern um Caldwell (Donald O’Brian) ist nämlich die brillante Idee in den Sinn gekommen die Stadt weiträumig abzuriegeln mit der Ausrede nur somit könnte die Seuche bekämpft werden. Der Bevölkerung wird dabei vorgegaukelt, die dafür zuständige Bezirksgemeinschaft wurde informiert und Medikamente und Essen müssten bald eintreffen. In der Zwischenzeit verkaufen aber die Gangster Lebensmittel und sonstigen Bedarf zu Wucherpreisen an die abgeschottete Bevölkerung. Unter der Bande befinden sich auch die drei Stiefgeschwister von Keoma. Da er sowieso noch eine Rechnung mit ihnen offen hat, beschließt der vollbärtige Halbindianer also für Gerechtigkeit zu Sorgen…

Franco Nero überzeugt zwar auch hier mit seinen stahlblauen Augen und seinem einzigartigen Blick aber so wirklich toll fand ich das Ganze dann nicht. Castellari spielt mit interessanten Effekten wie etwa Schusswechsel in Slow-Motion (und das im Jahr 1976!) oder beispielsweise genialen Kamerafahrten und Perspektiven aber das reicht mir einfach nicht. Die Outlaws sind sehr schlecht besetzt und die Story ist mehr als dünn; dass Keoma indianische Wurzeln hat ist eigentlich nur an seinem Outfit zu erkennen und wenn man es sich einbilden möchte noch eben daran, dass er ein guter Messerwerfer ist. Es wurde einfach zu wenig das durchaus vorhandene Potenzial genutzt, Punkt. Vielleicht hätte es bereits ein genialer Klaus Kinski oder Eli Wallach als Bösewicht getan, ich weiß es nicht.

War ich erst neulich von Castellaris Inglorious Bastards begeistert, so muss ich diesmal hiervon abraten. Der Film taugt nur bedingt und sollte wirklich nur echten Fans des Genres oder von Franco Nero zugemutet werden. Was ich allerdings sehr interessant – wenn auch fehl am Platz – fand, war die musikalische Untermalung von den „fratelli“ De Angelis die mit einer ganz speziellen Score und passenden Texten den Versuch unternommen haben die Story zu erweitern. Anzumerken ist noch, dass die deutsche Uncut-Fassung die in der Standardversion geschnittenen Stellen nicht synchronisiert hat. Der englischsprachige Originalton wird dort aber mit Untertiteln ergänzt.

Keoma – Melodie des Sterbens
4.06 (81.25%) 16 Artikel bewerten

Keoma - Melodie des Sterbens
6von 10

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4 Responses

  1. Inspector Santini

    Kann man getrost als „geil langweillig“ bezeichnen.Ist zwar schon etwas länger her,dass ich diese „Pferdeoper“ gesehen habe, aber besonders die nervige Score ist mir noch gut in Erinnerung.Guido und Maurizio haben es dann aber tatsächlich noch geschafft ,ein Jahr später bei Mannaja eine noch schlechtere Score abzuliefern,da der Songtext hier ganz dreist das Ende spoilert.

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  2. Sam Spade

    Ich mag den Film eigentlich sehr gerne und wie schon geschrieben ist der Score sehr interessant,aber nicht wirklich passend für einen Western.Franco Nero ist wirklich gut,ebenso William Berger,aber der Film leidet tatsächlich chronisch daran,dass es keinen guten Antagonisten gibt.Donald O’Brian spielt nicht schlecht,aber er kommt einfach nicht als Schurke rüber,wie z.B. Eduardo Fajardo in „Django.

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  3. Sat Anlage

    coole sache, diese seite werde ich wohl ofters mal besuchen… soeben auf die favoriten hinzugefuegt…
    mal schauen ob sich diese seite lang gut haelt danke an den autor an dieser stelle, der sich die muehe dazu gemacht hat…

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    • Candide

      danke an den autor an dieser stelle, der sich die muehe dazu gemacht hat…

      Danke es steckt aber mittlerweile ein ganzes Team dahinter, das Lob gebührt somit allen Beteiligten 😉

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