(„Dancer In The Dark“ directed by Lars von Trier, 2000)

Endlich komme ich wieder mal dazu einen Film von Lars von Trier zu sehen. Während ich immer noch auf die Europa-Trilogie warte und bisher erst Dogville sehen durfte, habe ich mir Dancer In The Dark aus der Videothek geholt. Der mit 140 Minuten Laufzeit relativ langatmige Film stand schon länger auf meiner To-Do-Liste, nicht zuletzt da ich auf Björk’s Performance sehr gespannt war.

Er erzählt die Geschichte von Selma Jezkova (Björk) einer sehbehinderten Frau die mit ihrem Sohn Gene (Vladica Kostic) in den 60er-Jahren aus der Tschechoslowakei in die USA immigriert. Sie leidet unter einer Krankheit die sie langsam erblinden lässt. Da ihr bewusst ist, dass ihr Sohn demselben Schicksal ausgeliefert ist, ist es ihr Primäres und Einziges Ziel einen Arzt (Udo Kier) in den USA aufzufinden der ihr Kind operieren kann. Der Eingriff ist natürlich nicht kostenlos und so kommt es, dass Selma neben ihren Knochenjob in der Fabrik auch noch diverse Arbeiten in ihrer Freizeit erledigt. Wenn sie einmal nicht im Metall-Konzern rackert, arbeitet sie also zu Hause in ihrem Wohnwagen weiter. Ihr Heim steht auf dem Grundstück der Houston, einer durchschnittlichen, amerikanischen Familie. Man kann sich Bill (David Morse) und Linda Houston (Cara Seymour) als den Inbegriff des American Dream vorstellen: sie leben in einem ruhigen Vorstadthäuschen mit grünen Garten in dem die US-Flagge gehisst ist. Bill ist ein aufrechter Cop, der für Recht und Ordnung sorgt. Linda hingegen ist die brave Hausfrau, die mit Bills Gehalt für angemessene Möbel und anderem Schnickschnack sorgt. Es fehlen lediglich zwei brave, wohlerzogene Kinder. Selma freundet sich mit ihren Nachbarn recht schnell an, doch verschweigt sie ihnen – so wie ihren restlichen Bekannten – ihr Augen-Problem.

Auf die Frage warum sie so viele Jobs mache und sich nie was schönes gönne, entgegnet sie mit der Ausrede, das Geld sei für ihren armen Großvater Novi Oldrich bestimmt, der noch in der Tschechoslowakei lebe. In Wahrheit jedoch hortet sie jeden hart verdienten Cent wie in Hamster in einer versteckten Keksdose. Eines Tages bekommt sie Besuch von Bill, der ihr ein Geheimnis anvertraut: er ist vollkommen Pleite, will es aber Linda aus Angst sie würde ihn deshalb verlassen, nicht erzählen. Er befürchtet dass der Konsumrausch seiner Frau sie in den Ruin treiben wird, aber andererseits möchte er lieber den Schein bewahren und so tun als könnte er sich alles leisten. Als Gegenleistung verrät Selma ihm ihr Geheimnis von ihrer bevorstehenden Erblindung und dass sie in Wirklichkeit das Geld nicht verschickt, sondern für Gene spart, damit dieser durch eine Operation geheilt wird. Vorerst läuft also alles wie gewohnt weiter. Um ihren schrecklichen Alltag leichter zu bewältigen, verfällt Selma des öfteren in Tagträume. Dabei kommt ihre Vorliebe für amerikanische Musicals zur Geltung: ständig stellt sie sich wie ein Star in einem Tanz- und Sing-Spektakel vor bis sie schlussendlich realisieren muss, dass sie immer noch an einer Maschine in der Fabrik arbeitet und beinahe diese durch Fahrlässigkeit zerstört hätte. Ihre ständig schlechter werdende Sicht macht es ihr dabei natürlich nicht unbedingt leichter. Irgendwann kann sie niemanden mehr etwas vormachen. Ihre engste Freundin Kathy (Catherine Deneuve), ihr Verehrer Jeff (Peter Stormare) und auch ihre Vorgesetzten wissen bald wie es um ihr steht, auch wenn Selma es nie zugeben würde. Eines Abends hat sie wieder mal Bill zu Gast, der wie immer über seine finanzielle Lage klagt und sie um Kredit bittet, da sie ja fleißig sparen würde. Selma lehnt dies sofort ab und bittet Bill zu gehen. Dieser ist sichtlich enttäuscht und macht sich auf den Weg nach Hause. Allerdings täuscht er dies nur an und versteckt sich im Wohnwagen um ihre Blindheit auszunutzen: er beobachtet heimlich Selma wie sie das Geld aus ihrem Versteck hervorholt und macht sich dann aus dem Staub. Als Selma am nächsten Tag von der Arbeit nach Hause kommt und ihren Lohn gerade wieder zum Gesparten geben will, findet sie nur eine leere Dose vor. Sichtlich verärgert und äußerst nervös marschiert sie zu ihrem Hauptverdächtigen: Bill. Die scheinbar heile Welt der Houston soll von nun an ein Alptraum werden…

Stückweise fand ich das Ganze ziemlich in die Länge gezogen, allerdings erging es mir ähnlich wie in Dogville, wo ich im Nachhinein auch keine Sekunde als überflüssig empfand. Auch hier steht ein starker, weibliche Charakter im Zentrum des Geschehens. Selmas Liebe zu ihrem Sohn zwingt sie dazu sich vollkommen ihrem Ziel, nämlich diesen zu heilen, hinzugeben. Sie opfert wortwörtlich ihr Leben um ihres Sohnes willen. Sie ist der Inbegriff der Selbstopferung, des Altruismus und der Barmherzigkeit. Von Tier selbst gesteht in einem Interview sogar zu, Selma hätte was von der Jungfrau Maria. Im Gegensatz dazu stehen ihre Nachbarn, dessen heuchlerische Fassade eigentlich bis ans Ende gewahrt bleibt und wie im echten Leben (mehr oder weniger) unbestraft bleibt. Die musikalische Untermalung stammt natürlich von Björk, hebt sich allerdings von ihren gewöhnlichen Stil ab und schafft etwas Eigenständiges. Die Zusammenarbeit der beiden außergewöhnlichen und äußerst sturen Künstler, Regisseur und Musikerin, kann man sich vermutlich nicht vorstellen. In Interviews hört man allerdings des öfteren, dass trotz der Schwierigkeiten eine mystische Verbindung zwischen den beiden herrschte. Die Performance von Björk finde ich persönlich phänomenal und ihre eigene Aussage sie habe nicht Selma gespielt, sondern sie sei zu Selma geworden, kann ich nur unterstreichen. Was die Aufnahmen angeht, so bietet der Film einen bunten Mix aus hektischen , verwackelten Aufnahmen und interessaten Angles und statischen Bildern oft gemixt mit Musical-Einlagen. Auf jeden Fall ist dieser Streifen einen Blick wert, auch wenn er nicht jedermanns Sache sein dürfte. Lars von Trier soll gesagt haben, es gäbe keine Liebe in seinem Film, doch dies finde ich, ist eine reine Ansichtssache.

Dancer In The Dark
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Dancer In The Dark
7von 10

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